Am Rande der Einheitsfeiern

"Volksverräter" - Pegida-Anhänger bepöbeln Dresdner OB

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Tausende feiern beim Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit - es gibt aber viel Polizeipräsenz.

Dresden - Am Rande der zentralen Einheitsfeiern in Dresden haben Pöbeleien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für Aufregung gesorgt. Auch Frauen mit Kopftuch wurden von Pegida-Anhängern angefeindet.

Wurde bepöbelt: Dresdens OB Dirk Hilbert.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert hatte am Sonntag Muslime zum islamischen Neujahrsfest ins Rathaus eingeladen und wurde anschließend von Pegida-Anhängern beschimpft. Während Tausende nebenan auf der Ländermeile friedlich feierten, wurde Hilbert mit „Hau ab“- und „Volksverräter“-Rufen empfangen, Frauen mit Kopftuch ausgebuht. Als ein Mann von der Polizei weggeführt wurde, kam es zu Tumulten. Nach Angaben der Stadt hatten sich vor dem Rathaus zeitweise zwischen 50 und 60 Menschen versammelt. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot demonstrierte ein linkes Bündnis am Nachmittag in Dresden gegen die Feierlichkeiten - in einiger Entfernung zum Bürgerfest. Die Organisatoren sprachen von rund 700 Teilnehmern, Augenzeugen gingen von weniger aus.

Polizei seit Tagen in Alarmbereitschaft

Unter den Vertretern der islamischen Gemeinden war auch der Imam der Dresdener Moschee, auf die am Montagabend ein Sprengstoffanschlag verübt wurde. „Ich hoffe, dass die Täter, sobald gefunden, eine gerechte Strafe erhalten“, erklärte Hilbert. Die Polizei hat für die drei Tage dauernden Feierlichkeiten rund 2600 Beamte zusammengezogen und ist seit Tagen in Alarmbereitschaft.

In der Nacht zum Sonntag zündeten Unbekannte drei geparkte Polizeifahrzeuge an. Verletzt wurde niemand, es entstand ein Sachschaden von mehreren zehntausend Euro. Die Ermittler vermuten eine politische Tat und sehen einen Zusammenhang zu den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit. Etwa 2,5 Kilometer entfernt vom Tatort sprühten Unbekannte zudem den Schriftzug „ganz Dresden hasst die Polizei“ an eine Hauswand. Ein 20-jähriger Dresdener wurde deswegen festgenommen. Weil die Polizei in beiden Fällen das Ziel sei, werde nun ein möglicher Zusammenhang geprüft, erklärte ein Sprecher.

Noch vor Beginn der Feierlichkeiten wurde am Samstagmorgen ein Mann vorübergehend in Gewahrsam genommen, der vermummt und mit einer Eisenstange in der Hand in der Innenstadt unterwegs war. Der 33-Jährige stand unter Drogen.

Tausende Besucher feiern friedlich auf Bürgerfest

Tausende feierten unterdessen friedlich mit einem großen Bürgerfest in der barocken Altstadt bei Konzerten, der Ländermeile und einem bunten Programm. Am Nachmittag nahmen rund 300 ehrenamtlich Engagierte aus ganz Deutschland im Dresdner Zwinger an einer 100 Meter langen Kaffeetafel Platz. Am Abend sollte die Altstadt für eine Inszenierung in buntes Licht getaucht werden. An den drei Festtagen wird mit insgesamt 750.000 Besuchern gerechnet.

Angesichts der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft mahnte Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) weitere Anstrengungen zur Vollendung der inneren Einheit an. Dass die Menschen in Ost und West über 40 Jahre in unterschiedlichen Systemen gelebt hätten, sei heute so stark zu spüren wie seit 1990 nicht mehr, so der sächsische Ministerpräsident.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) betonte, dass seine Stadt mit ihrem historischen Zentrum nicht nur Bühne für einen Blick in die Geschichte bieten wolle. „Auch Gegenwart und Zukunft unserer Region werden in diesen Tagen deutlich“, sagte er bei der Eröffnung des Bürgerfestes.

Zu den linken Protesten am Sonntag hatte die linksradikale Gruppe „Solidarity without limits“ aufgerufen. Das Festmotto „Brücken bauen“ bezeichneten Redner der Demonstranten als „zynisch“ angesichts sterbender Flüchtlinge auf den Fluchtrouten. Das Bündnis hatte zudem bereits im Vorfeld „dezentrale Proteste“ zum Feiertag am Montag angekündigt.

Am 3. Oktober werden auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie weitere hochrangige Politiker in Dresden erwartet. Die fremden- und islamfeindliche Pegida und das inzwischen mit ihnen verfeindete Bündnis „Festung Europa“ haben Kundgebungen und Proteste angekündigt.

dpa

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