Führungskräfte sollen von Manipulationen gewusst haben

Recherchen von NDR und WDR: Jetzt ist die zweite VW-Reihe im Visier

Hamburg. Die internen Untersuchungen zum Abgasskandal bei Volkswagen sollen laut Recherchen von WDR und NDR ergeben haben, dass nahezu alle Führungskräfte unterhalb des Vorstands, die in die Entwicklung des Motors eingebunden waren, von der Software-Manipulation der Dieselmotoren gewusst haben.

Der damalige Vorstand des Konzerns soll aber vom Einsatz der Betrugssoftware nichts gewusst haben. Das treffe auch auf den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn zu. Die betroffenen Motorenentwickler zählen laut WDR und NDR zu den Topmanagern im Konzern mit Jahresgehältern von mehr als einer halben Million Euro. Der Entschluss zum Betrug soll 2006 gefallen sein, wie die beiden Rundfunksender berichteten.

Soll Einbau der Betrugssoftware gebilligt haben: der damalige Leiter der Motorenentwicklung, Rudolf Krebs.

Eine entscheidende Rolle solle dabei der damalige Leiter der Motorenentwicklung, Rudolf Krebs, gespielt haben. Er soll an einer Sitzung im November 2006 teilgenommen haben, auf der der Einbau der Betrugssoftware besprochen worden sei. Die Sender zitierten Teilnehmer dieser Runde, wonach Krebs den Einbau gebilligt haben soll. Eine Anfrage von NDR und WDR an Rudolf Krebs blieb unbeantwortet.

Volkswagen hält einen Zwischenbericht zur Aufarbeitung des Abgasskandals vorerst unter Verschluss. Eine Veröffentlichung der Zwischenergebnisse wäre derzeit „mit unvertretbaren Risiken“ verbunden, hatte das Unternehmen am Freitag mitgeteilt. Deshalb seien Aufsichtsrat und Vorstand nach Beratungen mit Anwälten zu dem Schluss gekommen, die ersten Ergebnisse nicht wie angekündigt Ende April zu veröffentlichen.

Die Recherchen von NDR und WDR zeigen auch, dass der Betrug über die Jahre hinweg systematisch fortentwickelt wurde. Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden 2008 die ersten Motoren in den USA serienmäßig mit der Betrugssoftware ausgestattet. Ab 2011 haben VW-Mitarbeiter die Software weiter entwickelt. Die Ingenieure waren mit der geringen Effizienz ihrer 2008 eingebauten Betrugssoftware unzufrieden. Die Autos starteten immer im sauberen Testmodus und schalteten die Abgasreinigung erst nach einer gewissen Zeit ab - nach Auffassung der Ingenieure zu spät. Dies sei 2013 und 2014 planvoll und serienmäßig umgestellt worden. (tpa/afp)

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Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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