Vertrauensverhältnis tief erschüttert

Reker-Attentäter: Verteidiger wird von Gericht entlassen

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Der Angeklagte Frank S. sucht mit einem beschrifteten Papier einen neuen Anwalt.

Düsseldorf - Nächste Überraschung im Prozess um das Attentat auf Henriette Reker: Einer der beiden Verteidiger ist sein Mandat los. Es geht um einen Schriftwechsel mit einer Freundin des Angeklagten.

Im Prozess um das Attentat auf Henriette Reker hat das Gericht einen der beiden Verteidiger aus dem Verfahren entlassen. Die parteilose Reker war einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin mit einem Messerstich in den Hals lebensgefährlich verletzt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht beschloss am Montag überraschend, die Bestellung eines der beiden Pflichtverteidiger aufzuheben. Sowohl der Angeklagte als auch der Anwalt selbst hatten dies beantragt. Das Vertrauensverhältnis sei tief erschüttert.

Den Ausschlag gab offenbar ein Email-Wechsel. Eine Freundin des Angeklagten hatte sich an das Gericht gewandt und behauptet, von dem Rechtsanwalt schriftlich belästigt worden zu sein. Dazu habe die Frau auch Schriftverkehr vorgelegt, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza. Der konkrete Inhalt der Emails wurde nicht bekannt.

Angeklagter wollte auch zweiten Verteidiger loswerden

Das Verfahren werde nun mit einem statt zwei Pflichtverteidigern fortgesetzt, lediglich die Aussage eines Zeugen müsse wiederholt werden, erklärte Havliza. Der Angeklagte hatte auch seinen zweiten Anwalt loswerden wollen. Dies hatte das Gericht aber abgelehnt.

Eine Psychiaterin sagte im Zeugenstand, sie habe nach der Tat ein Gespräch mit dem Angeklagten geführt und sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass bei ihm keine wahnhafte Störung vorliege. Sein Denken sei zwar „ausgreifend“ und „beschleunigt“, er habe auch eine Tendenz zu „überwertigen Ideen“, letztlich habe aber kein Befund vorgelegen, der seine Unterbringung in einer Psychiatrie gerechtfertigt hätte.

Was einen etwaigen Drogeneinfluss angehe, habe Frank S. sich ihr als Gelegenheits-Kiffer offenbart, der hin und wieder mal einen Joint rauche. In den Monaten vor der Tat habe ihm dazu aber das Geld gefehlt.

Attentäter wollte ursprünglich Merkel angreifen

Er stehe politisch rechts und sei aus Überzeugung arbeitslos, weil er das „turbokapitalistische“ System nicht unterstützen wolle, habe er erklärt. Die Wirtschaft wolle die Flüchtlinge nur, um sie als Sklavenkräfte auszubeuten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei außerdem dabei, einen Atomkrieg mit Russland zu provozieren. Nach Angaben eines Polizisten hatte der Angeklagte nach der Tag gesagt, er habe eigentlich Merkel angreifen wollen. Es sei aber zu schwierig, an die Regierungschefin heranzukommen, habe S. gesagt.

Eine Polizistin sagte, der Attentäter habe auf sie einen klaren Eindruck gemacht und selbst erklärt, dass er nicht verrückt sei. Er habe nicht als geisteskrank gelten wollen. Er habe verhindern wollen, dass Reker Oberbürgermeisterin werde, um Schaden von der Stadt Köln und der deutschen Bevölkerung abzuwenden.

Der 44-jährige Frank S. stammt aus der rechtsextremen Szene. Er hat die Tat aus dem vergangenen Oktober bereits gestanden, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Ihm droht lebenslange Haft wegen versuchten Mordes. Als Motiv nannte er Rekers Einsatz für Flüchtlinge.

dpa

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