Doch die Aussichten sind nicht rosig

Rekordplus für Ruheständler: Rente steigt so stark wie seit 23 Jahren nicht

Berlin. Die Rentenministerin strahlt. „Ich freu’ mich, dass wir die Renten so anpassen können“, sagt Andrea Nahles am Tag vor der größten Rentenerhöhung seit 23 Jahren.

Doch die SPD-Politikerin hat noch einen anderen Grund zur Zufriedenheit. Erfolgreich hat Nahles die Alphatiere der Koalition ausgebremst. SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer waren im Frühjahr mit Forderungen nach einer großen Rentenreform und einem höheren Rentenniveau vorgeprescht. Mittlerweile gilt der Nahles-Plan: Erst rechnen, dann reformieren – und keine großen Hoffnungen auf eine Kehrtwende beim Rentenniveau schüren.

Dabei bestreitet auch Nahles nicht, dass ein Rekordplus wie in diesem Jahr künftig kaum noch erreicht wird. „Wir werden auch wieder Jahre haben, wo es weniger stark ausgeprägt ist.“ 4,25 Prozent mehr gibt es zum 1. Juli im Westen, sogar 5,95 Prozent mehr im Osten. Die Rekordbeschäftigung und die hohen Einnahmen der Rentenkasse sind die Hauptgründe. Zudem wirkt einmalig ein Statistik-Effekt: Eine zuletzt niedrigere Berechnung des Lohnniveaus wird wieder ausgeglichen. Hinzu kommt, dass die Teuerungsrate mit 0,5 Prozent denkbar gering ist.

Kleine Rente, kleiner Effekt

Viele Rentner heute macht das aber nicht glücklich. Laut einer Umfrage rechnen 48 Prozent von ihnen nicht mit großen finanziellen Auswirkungen durch die Erhöhung. Je kleiner die Rente, desto weniger macht das Plus aus. Rund 536 000 Menschen erhalten Grundsicherung im Alter. Mehr als 18 Prozent aller Neurentner gingen zuletzt zudem aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente. Im Schnitt lagen die Erwerbsminderungsrenten bei 628 Euro. Viele kommen aus schlecht bezahlten Berufen, vom Bau oder aus der Pflege. Und für jeden Monat vor der Altersgrenze beträgt der Abschlag 0,3 Prozent.

Fiskus schlägt zu

Und die Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigt – auf voraussichtlich 4,4 Millionen im kommenden Jahr. Der steuerpflichtige Teil der Rente wächst von 50 Prozent 2005 für Neurentner bis auf 100 Prozent im Jahr 2040. 2016 sind es 72 Prozent, die versteuert werden müssen.

Rentenniveau sinkt

Vor allem aber fehlt es an guten Nachrichten für künftige Rentner. Drei von vier Berufstätigen erwarten, dass es denen schlechter gehen wird. Denn das Verhältnis der Rente zum Einkommen wird immer ungünstiger: Das Rentenniveau dürfte von knapp 48 Prozent in 14 Jahren auf 44,2 fallen. Das zu ändern, wäre teuer: Der Präsident der Rentenversicherung, Axel Reimann, rechnet vor, dass die Erhöhung des Niveaus um einen Prozentpunkt eine Erhöhung des Beitragssatzes um einen halben Prozentpunkt bedeute.

Nahles wartet nun auf die neuesten Daten und will im Herbst ein Gesamtkonzept anbieten, „das auch durchgerechnet ist.“ Private Vorsorge inklusive. (dpa)

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