Reportage aus Republikaner-Hochburg: „Einwanderung ist ein Problem“

Holdrege. Staaten wie Nebraska werden wegen ihrer Ländlichkeit abwertend als „Flyover-Country“ bezeichnet. Sie werden einfach überflogen, denn dort gibt es nicht viel mehr als Ackerflächen, eine ausgeprägte Religiosität und viele Republikaner.

Einmal am Tag hält der Zug von Amtrak am Bahnhof der Kleinstadt Holdrege in Nebraska - um ein Uhr nachts. Damit die drei Fahrgäste, die dort aussteigen, den Bahnhof nicht verpassen, werden sie vom Zugpersonal mit einer Taschenlampe sanft geweckt. Es kann aber auch mal vier Uhr morgens werden. Denn häufig kommt es auf der Strecke zwischen San Francisco nach Chicago zu Verspätungen. Drei Tage benötigt der Zug für diese Tour und Holdrege liegt mittendrin.

5600 Menschen leben in der Kleinstadt. Ein Pharmazieunternehmen ist der größte Arbeitgeber. Daneben gibt es endlose Büffelfarmen, Mais-Anbau und eben eine kleine Bahnstation, an der gelegentlich Menschen aus dem Zug aussteigen. An der Hauptstraße reihen sich die Fastfoodketten aneinander. Amerikanische Fahnen wehen träge im schwülen Klima vor kleinen Holzhäusern, während Rasensprenger rhythmisch klackend das Wasser auf Rasen und Gehwegen verteilen.

8.30 Uhr am Dienstagmorgen: Der Magistrat der Stadt trifft sich. Acht Mitglieder sind heute zu dem Treffen in der City Hall gekommen, alle Republikaner. Die Altersspanne liegt ungefähr zwischen 50 und 70 Jahren. Es geht um den Ausbau eines neuen Highways. In einer Pause gibt es die Chance für Nachfragen vom Reporter aus Deutschland.

„Die Einwanderung ist ein Problem“, sind sich die Lokalpolitiker einig. Im Nachbarort lebten viele Muslime. Das macht ihnen Sorgen. Gibt es denn Kontakt mit den Muslimen, hat man diese mal eingeladen? „Nein, das haben wir nicht“, heißt es von den Lokalpolitikern. Wirklich konkret begründen können sie die Furcht vor den Muslimen nicht. Es ist eine Mischung aus Angst vor Überfremdung und Terrorgefahr, nicht mehr Herr im eigenen Land zu sein. Die Palette der Aussagen reicht dann von „Wir müssen besser kontrollieren, wer bei uns einreist“ bis „Die Muslime beten fünfmal am Tag - und zwar für den Untergang Amerikas.“ Keiner widerspricht.

Erstmals auf der Reise durch die USA spielt auch das Thema Religion eine Rolle. Der Staat unterstütze Single-Mütter und Single-Haushalte zu stark, sagt eine Lokalpolitikerin. Der Schuldige: Barack Obama. Der Präsident habe mit seiner Politik dafür gesorgt, dass Menschen das Dasein als Alleinerziehender gegenüber einer Familie bevorzugten, weil der Staat diese Lebensweise stark fördere. Die Regierung habe damit christliche Werte untergraben, sagt die Lokalpolitikerin.

Ob Donald Trump als möglicher Präsidentschaftskandidat diese christlichen Werte verkörpere, da sind sich auch die Republikaner aus Holdrege nicht sicher. Er sei kein erfahrener, typischer Politiker, so die einhellige Meinung. Das sei ein Nachteil. Vorteil sei aber, dass er ausspreche, was die Menschen denken, die Wirtschaft wieder stark machen wolle, es den etablierten Politikern in Washington, D.C. zeigen wolle. Deshalb werden trotz Skepsis viele für ihn stimmen. „Er ist die bessere von zwei schlechten Optionen“, sagt auch der ehrenamtliche Bürgermeister Doug Young über Donald Trump.

Der 69-Jährige, der sich selbst scherzhaft „the Young Doug“ (der junge Doug) nennt, ist seit kurzer Zeit Bürgermeister. Eigentlich wollte er nicht antreten, seit einiger Zeit ist der Mechaniker pensioniert. „Aber ich wurde gefragt und habe gedacht: Okay, wenn Gott das so vorgesehen hat, werde ich es aus christlicher Nächstenliebe tun.“

Welches Thema das entscheidende für die Wahl sein wird, weiß er nicht. „Wer vertrauenswürdiger ist, der gewinnt die Wahl.“

Doug Young wünscht sich manchmal in die Zeit vor 20 oder 30 Jahren zurückversetzt. „Da hatten wir noch richtige Kandidaten.“ Aber auch der 69-Jährige wird für Donald Trump stimmen, wenn dieser dann im Juli zum Kandidaten gekürt wird - genauso wie der örtliche Sheriff Gene Samuelson: „Trump sagt, was die Menschen hören wollen“ und der örtliche Museumsleiter Dan Christensen: „Trumps Erfolg beruht auf der Verärgerung der Menschen.“

Und räumt dann doch noch ein: „Mit Donald Trump haben sich die Republikaner in den Fuß geschossen.“

Den Blog von Max Holscher finden Sie hier.

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