Kampf um Aleppo

USA und Russland streiten über Syrien - Merkel spricht mit Putin

+
Merkel äußerte sich in einem Telefonat mit Putin „äußerst besorgt“ angesichts der humanitären Lage in Aleppo.

Berlin - Nach der Gewalteskalation in Syrien verschärfen sich die Spannungen zwischen den USA und Russland. Merkel greift zum Telefon und teilt Putin ihre Besorgnis mit. Auch Außenminister Steinmeier ist aktiv.

Update vom 12. Oktober 2016: Wilde Gerüchte: Wie britische Medien berichten, holt Präsident Putin Russen wegen Kriegsgefahr aus Europa heim. Ein Ziel für einen russischen Atomschlag soll München sein.

Ungeachtet aller Warnungen Washingtons will Russland seine massiven Luftangriffe auf Aleppo nicht stoppen. "Moskau wird seine Operationen in der Luft fortsetzen, um den Anti-Terror-Kampf der syrischen Truppen zu unterstützen", sagte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Während Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow zur Fortsetzung der Gespräche mit den USA drängte, bezeichnete US-Außenminister John Kerry eine Weiterführung als "irrational".

Kerry hatte bereits am Mittwoch Lawrow in einem Telefonat gewarnt, Washington werde die Syrien-Gespräche abbrechen, sollten die Angriffe auf Aleppo weitergehen. Moskau müsse unverzüglich für ein Ende der Angriffe sorgen. Peskow sagte daraufhin, Russland nehme den "nicht konstruktiven Charakter der Rhetorik aus Washington" zur Kenntnis, bleibe aber an einer Zusammenarbeit mit den USA im Syrien-Konflikt interessiert.

Heftige Angriffe auf Aleppo

Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 erlebt. Die USA als Unterstützer gemäßigter Rebellen und Russland als wichtiger Verbündeter des syrischen Regimes machen sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich.

Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe vor rund zehn Tagen wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast 300 Menschen getötet. Der Hilfsorganisation Unicef zufolge kamen seit Freitag 96 Kinder ums Leben, 223 wurden verletzt. In Aleppos Rebellengebieten gebe es nur noch 30 Ärzte. Dort sind bis zu 300 000 Menschen eingeschlossen. Es fehlt an Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung. Fluchtwege für Zivilisten sind blockiert.

Angela Merkel ist „äußerst besorgt“

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin „äußerst besorgt“ angesichts der katastrophalen humanitären Lage und forderte Putin auf, alles zu versuchen, um die Lage der Zivilbevölkerung zu verbessern, wie ein Regierungssprecher in Berlin mitteilte. Putin betonte nach Kreml-Angaben, dass die USA als Partner Russlands ihrer Verpflichtung nachkommen müssten, die moderate Opposition und Terroristen zu trennen. Moskau werde sich seinerseits weiter für einen stabilen Waffenstillstand und die Verbesserung der humanitären Lage einsetzen.

Merkel telefonierte auch mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. „Beide waren sich einig, dass Russland eine besondere Verantwortung zukomme, um die Gewalt zu beruhigen und damit einem politischen Prozess überhaupt noch eine Chance zu geben“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die von Russland unterstützte Offensive des syrischen Regimes und dabei gemeldete „eklatante Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“ seien nicht hinnehmbar.

Russland ist beim Kampf um Aleppo nur zu zweitägigen Feuerpausen zur Versorgung der Zivilbevölkerung bereit. In einer siebentägigen Waffenruhe könnten terroristische Kräfte sich umgruppieren, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow in Moskau. Die USA fordern die Einhaltung der mit Russland vereinbarten Pausen von sieben Tagen.

Steinmeier fordert Ende der Bombardierungen

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) telefonierte mit Lawrow. Wie aus dem Auswärtigen Amt zu hören war, forderte er ein Ende der täglichen Bombardierungen. „Wer Terroristen bekämpfen will, greift keine Krankenhäuser an“, betonte er.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ wird in der US-Regierung diskutiert, ob der Geheimdienst CIA und seine regionalen Partner Waffensysteme liefern sollten, mit denen Rebellengruppen syrische und russische Artilleriepositionen aus größerer Entfernung angreifen könnten. Überlegt werde auch, ob Verbündeten in der Region wie der Türkei oder Saudi-Arabien grünes Licht gegeben werden sollte, Rebellen mit stärkeren Waffensystemen auszurüsten. In der Diskussion ist nach demnach auch die Lieferung von Flugabwehrsystemen.

AFP/dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.