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Seit 25 Jahren: Europaweiter Notruf 112 feiert Geburtstag

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Wollen auf die Notrufnummer aufmerksam machen: Feuerwehrmänner der Feuerwache 1 in Stuttgart feiern das 25-jährige Bestehen des europaweiten Notrufs 112.

Seit 25 Jahren wählen die meisten Europäer in Notsituationen die Telefonnummer 112, in Deutschland schon länger. Doch: Woher kommt die Zahlenkombination? Und wie funktioniert das Notrufsystem? Die wichtigsten Fragen und Antworten anlässlich des Jubiläums:

Wie hat sich die Nummer in Deutschland etabliert?

Die deutschlandweite Einführung der Notrufnummer 112 und auch der Polizeirufnummer 110 hat der Bund am 23. September 1973 als Konzept „Notruf 73“ beschlossen. W ie es zu den Zahlenkombinationen kam, ist nicht einwandfrei geklärt. Wahrscheinlicher ist, dass die Notrufnummern mit den in den 1930er-Jahren eingeführten Kundendienst- und Service-Rufnummern zusammenhängen. Die Vermittlungsnummer lautete beispielsweise 101 und die Störungsnummer 102. Im Lauf der Zeit kamen weitere Nummern von 103 bis 109 hinzu. Die nächstmöglichen Nummernfolgen waren 110 und 112. 111 musste übersprungen werden, weil diese Kombination im analogen Netz Störungen auslöste.

Wie kam es zu der Ausdehnung auf die EU-Staaten?

Die Einführung der 112-Nummer hat auf Vorschlag der Europäischen Kommission 1991 der EU-Ministerrat verabschiedet. Inzwischen übernahmen viele Länder außerhalb der Europäischen Union dieses Konzept. Selbst in den USA wird beim Wählen der 112 auf die eigene Notrufnummer 911 umgeleitet.

Wie funktioniert das Notrufsystem?

Unter der vorwahlfreien Nummer 112 erreicht der Anrufer kostenlos und ohne Netz eine Leitstelle, die je nach Notfall die zuständigen Organisationen wie Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr alarmiert. Die Leitstellen sollen in der Lage sein, Notrufe in verschiedenen Sprachen bearbeiten zu können. Bei einem Anruf wird dem Leitstellendisponenten immer die Telefonnummer des Anrufers angezeigt – selbst wenn dieser im Telefon eingestellt hat, dass die Rufnummernanzeige unterdrückt wird.

Anfangs war der Notruf vom Handy aus ohne Sim-Karte wählbar. Wegen zahlreicher Missbrauchsfälle ist das heute nicht mehr möglich. Der Missbrauch wird als Straftat geahndet, weil er die Leitung für Menschen in Not blockiert.

Was tat man in Notlagen, bevor es die 112 gab?

Bis 1969 waren einheitliche Notrufnummern in der Bundesrepublik Deutschland nur in wenigen Großstädten verfügbar. Wer außerhalb dieser Hilfe brauchte, musste oft die Nummer der nächsten Polizei- oder Feuerwache im Telefonbuch nachschlagen und anrufen. Zudem gab es noch keine durchgehend besetzten Rettungsleitstellen.

Das waren die Gründe dafür, dass der achtjährige Björn Steiger am 3. Mai 1969 nach einem Verkehrsunfall in Winnenden ums Leben kam. Nach dem Wählen des Notrufs dauerte es eine Stunde, bis ein Krankenwagen eintraf. Steigers Vater setzte sich fortan erfolgreich für die einheitliche Kommunikation im Rettungswesen ein.

Gibt es neue Entwicklungen im Notrufsystem?

E112 beschreibt die Anruferortung bei Wahl der Notrufnummer 112. Sie erleichtert mit entsprechenden Systemen ausgerüsteten Leitstellen die Lokalisierung des Anrufers, bei „eCalls“ die des verunglückten Fahrzeugs – sofern es mit der Technik ausgestattet ist. Ab 2018 ist das System in Neuwagen in Deutschland Pflicht.

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