App "Integreat"

App aus Augsburg soll zum Alltagsguide für Flüchtlinge werden

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Die Smartphone-App wurde speziell für Flüchtlinge entwickelt.

Augsburg - Smartphones sind für Flüchtlinge ein wichtiges Informationsmittel. Nun soll eine spezielle App zu einem bundesweiten Informationsportal für Kommunen werden.

Smartphones zählen zu den wichtigsten Hilfsmitteln, die Menschen auf der Flucht brauchen. Grund ist nicht nur die Kontaktaufnahme zu Familie und Freunden, sondern auch die Nutzung des Internets als Informationsquelle. Doch wenn die Flüchtlinge in ihren neuen Wohnorten beispielsweise ein Zimmer oder eine Hebamme finden müssen, stehen sie angesichts der fremden Sprache und neuen Umgebung oft vor kaum lösbaren Problemen.

Immer mehr Initiativen bringen deshalb inzwischen spezielle Handy-Programme auf den Markt, mit denen Asylbewerber durch den Informations-Dschungel gelotst werden sollen. Ein Projekt aus Augsburg und München versteht sich als mehrsprachiger „Alltagsguide“ für geflohene Menschen und will dabei weitere Kommungen als Partner ins Boot holen.

„Integreat“ bietet eine erste Orientierungshilfe

Diese App „Integreat“ bietet eine erste Orientierungshilfe und versucht, die Fragen der Flüchtlinge in Arabisch oder Englisch zu beantworten. Das Informationsportal soll zwar einerseits lokal auf den Wohnort des Migranten ausgerichtet sein, ohne andererseits allgemeine Informationen zu vernachlässigen. Nachdem es in Augsburg entwickelt und zunächst getestet wurde, beteiligen sich inzwischen bundesweit eine Reihe von Kommunen. So nutzen im Freistaat auch Regensburg und Bad Tölz die Plattform, in anderen Ländern sind die Städte Ahaus und Dormagen (beide Nordrhein-Westfalen) oder der hessische Main-Taunus-Kreis beteiligt.

Die Initiatoren vom Augsburger Integrationsprojekt „Tür an Tür“ hatten bereits in der Vergangenheit die wichtigsten Informationen für Flüchtlinge gesammelt und dann in Papierform zusammengetragen. Diese Infos flossen in die App ein, das Programm soll aber noch weiter entwickelt werden: „Langfristig ist das Ziel, nicht nur Erstinformationen zur Verfügung zu stellen, sondern auch Themen wie Arbeitsmarktintegration oder Wohnungsmarkt anzugehen“, sagt Andreas Bärnreuther von „Tür an Tür“.

Die Augsburger taten sich für die Entwicklung der App mit einer Forschungsgruppe des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität in München (TU) zusammen. Dort sind die Wissenschaftler überzeugt, dass es praktisch überall Bedarf für solch ein lokales Handy-Nachschlagewerk gibt. Es gebe bereits mehr als 100 Anfragen von Kommunen, sagt TU-Forscher Manuel Wiesche. „Jeder kann das nutzen“, meint er.

Genutzt wird die App schon im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Anna Schneider von der Kreisbehörde weiß, dass das Programm gut ankommt - und nicht nur bei den Asylbewerbern. Auch ehrenamtliche und hauptberufliche Helfer setzten die App häufig ein, erklärt sie. Sie sorgten auch dafür, dass alles aktuell bleibe: „Die Nutzer beteiligen sich an der Weiterentwicklung der Inhalte und teilen Ergänzungsvorschläge mit.“

Bayerischer Flüchtlingsrat noch skeptisch

Insgesamt gibt es inzwischen mehrere Apps gezielt für Flüchtlinge. In Berlin entwickeln beispielsweise derzeit Syrer dank ihrer eigenen Erfahrungen mit der Bürokratie ein Programm für Asylbewerber. Darüber hinaus gibt es insbesondere noch die „Ankommen“-App des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), quasi das offizielle Handy-Werkzeug. „Es war uns wichtig, nicht nur über den Ablauf des Asylverfahrens in Deutschland zu informieren, sondern auch Themenfelder wie Leben in Deutschland und den Zugang zum Arbeitsmarkt einzubinden“, sagt Edith Avram von der Bundesbehörde in Nürnberg. Auch ein Sprachkurs des Goethe-Instituts ist in der BAMF-App enthalten.

Der Bayerische Flüchtlingsrat ist insgesamt dennoch skeptisch, ob solche Angebote zu einem großen Erfolg werden. Flüchtlingsrat-Mitarbeiter Stephan Dünnwald meint, dass die Informationsbeschaffung bei den Asylbewerbern meist über „Mund-zu-Mund-Propaganda“ erfolge und Apps erst dann genutzt würden, wenn es eigentlich schon zu spät sei.

Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Staatsregierung in München, ist der Meinung, dass nicht zu viele Apps entwickelt werden sollten. „Man muss den Flüchtlingen die Informationen einfach und leicht verfügbar machen und sollte das Angebot übersichtlich gestalten“, sagt er. Grundsätzlich findet der niederbayerische Parlamentarier solche Angebote aber gut. Es sei bei diesen Projekten „bemerkenswert, wie sich junge, entwicklungsfreudige Leute kreativ in die Flüchtlingsarbeit einbringen“.

dpa

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