Neue Datenbank: Solarkataster für ganz Hessen

Martina Klärle

Wiesbaden: Strom und Warmwasser: Eine neue Datenbank in Hessen informiert Dach für Dach über die Nutzung von Sonnenenergie.

Lohnt sich eine Solaranlage? Die meisten der fünf Millionen hessischen Dächer und jede Freifläche im Land lassen sich zu dieser Frage ab sofort online prüfen. Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) stellte gestern in Wiesbaden das Solar-Kataster Hessen vor, das es „in dieser Detailschärfe und mit diesen Funktionen in keinem anderen Flächenbundesland“ gebe.

Auf Smartphones ebenso wie auf PCs, für Photovoltaik-Anlagen, also Sonnenstrom, ebenso wie für Solarthermie, also Warmwasser, für Teilflächen, ganze Dächer und große Freiareale sollen Nutzer erfahren, ob sie die Sonne geldwert nutzen können. Auch Städte und Gemeinden, Wohnungsbaugesellschaften und Energieversorger können das Internet-Werkzeug einsetzen.

Laserscan bis 2014 

Das Kataster kennt Neigungswinkel und Verschattung jedes Daches - diese Daten stammen aus dem amtlichen Liegenschaftskataster, aus 5600 digitalen Luftbildern und einem hochauflösenden Laserscan Hessens. Kleiner Wermutstropfen: Der Scan stammt aus den Jahren 2007 bis 2014, danach gebaute Häuser sind nicht erfasst.

Die Datenbank kalkuliert laut Al Wazir auch gleich die Wirtschaftlichkeit einer Anlage für unterschiedlichste Verbrauchsprofile und technische Varianten: Längst könne sich auch der Eigeneinsatz des selbst erzeugten Stroms vom Dach für Privathaushalte oder Unternehmen rechnen, sagte der Minister. „Heutige Dachanlagen können Sonnenstrom schon für unter elf Cent pro Kilowattstunde erzeugen.“ Solaranlagen liefern nach seinen Worten in Hessen bisher 4,5 Prozent des Nettostrombedarfs. „Das Potenzial wird damit aber nur zu einem kleinen Teil genutzt.“ Hier soll die neue Datenbank helfen, die bislang rund eine halbe Million Euro gekostet hat. Für Dr. Martina Klärle, Geschäftsführende Direktorin des Frankfurter Forschungsinstituts für Architektur - Bauingenieurwesen - Geomatik an der Frankfurt University of Applied Sciences, ist das Solar-Kataster Hessen der jüngste Schritt auf einem 20 Jahre dauernden Weg: Unter Klärles Leitung ging 2007 das weltweit erste Solardachkataster für die Stadt Osnabrück mit 70 000 Gebäuden online.

Mit dem Forschungsprojekt Sun-Area entstanden seither Solarkataster für 550 Städte, Kreise und Gemeinden, darunter Wiesbaden, Marburg und Offenbach. Auch Kassel ist seit einigen Jahren mit einem Solardachfinder online mit von der Partie. (mit dpa)

Service:

• In die Berechnungen des Solar-Katasters für die Wirtschaftlichkeit eines Solardachs fließen eine ganze Reihe von Parametern ein. Etwa mögliche Zuschüsse, ob Stromspeicher angeschafft werden sollten oder zu erwartende Zinssätze für Darlehen. Eine große Rolle spielt auch, ob der Solarstrom vor Ort verbraucht wird. Nach wenigen Klicks kann man sehen, in wie vielen Jahren sich eine Investition voraussichtlich auszahlt.

• Die neue Seite finden Sie hier.

Hintergrund:

Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch soll bis Ende 2018 in Hessen ein Viertel erreichen. So hat es Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart. Laut Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war 2015 die Marke von 16 Prozent geschafft.

• Das Ziel auf lange Sicht: Bis 2050 soll Hessen seinen Bedarf an Strom und Wärme vollständig aus erneuerbaren Energiequellen decken Dabei setzt das Land vor allem auf Windkraft.

• Ende 2015 drehten sich knapp 850 Windräder in Hessen, 100 weitere seien genehmigt, aber noch nicht gebaut. Rund 500 Anlagen befinden sich im Genehmigungsverfahren. Um das anvisierte Ziel von 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen zu erreichen, sind insgesamt 2100 bis 2500 Anlagen nötig. (dpa)

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