Einheimische stöhnen, Behörden versuchen, Schaden zu begrenzen

Mega-Andrang von Touristen auf Mallorca – Insel am Limit

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Rekordsaison auf der Urlaubsinsel Mallorca hat Schattenseiten: Politiker klagen, dass die Insel längst an ihre Grenzen gestoßen sei. Unser Bild zeigt Urlauber am Strand von Santa Ponca auf der spanischen Ferieninsel im Mittelmeer. 

Die Balearen sind in der zu Ende gehenden Saison 2016 so voll gewesen wie nie zuvor. Während die Einheimischen immer lauter stöhnen, sind die Behörden um Schadensbegrenzung bemüht. Kippt der Rekord die Stimmung auf der Insel?

Palma de Mallorca. Es macht sich am Flughafen bemerkbar, wo an nur einem Tag mehr als 180.000 Passagiere abgefertigt wurden. Es ist auf den Straßen zu spüren, die sich die Inselbewohner in dieser Saison mit bis zu 90.000 Mietwagen teilen müssen.

Es ist dieser Tage ein oft gehörtes Gesprächsthema an Bar-Tresen und auf Dorfplätzen: Mallorca ist voll. Zu voll im September, meinen nicht wenige Einheimische. In den Debatten fährt mancher Tourismuskritiker gar kriegerisches Vokabular auf. Es ist von „Invasion“ die Rede, in die die Urlaubermassen die Insel der Ruhe verwandelt hätten.

Palmas Vize-Bürgermeisterin Aurora Jhardi von der linken Protest-Partei Podemos ist davon überzeugt, dass die Insel längst an ihre Grenzen gestoßen sei. Sie sprach kürzlich offen vom Kollaps. Auch Tourismusminister Biel Barceló sieht den Tatsachen ins Auge: Dass sich im August zeitweise gleichzeitig über 2,1 Millionen Menschen auf den Balearen-Inseln drängten und auf jeden Einheimischen mindestens ein Tourist kam, sei nicht nur ein Rekordwert, sondern eine objektive Zahl, an der es nichts zu beschönigen gebe.

Es sei nicht zu leugnen, dass der Andrang einem Teil der Bevölkerung mehr und mehr auf die Nerven gehe. Das sei Kommentaren auf Facebook und Twitter zu entnehmen, sagt Barceló. Nur: Dies sei „schon seit 20 Jahren so“.

Knappe Wasser-Ressourcen

Neu ist, dass Barceló, der der linksökologischen Més-Partei angehört, seit Amtsantritt 2015 für ein nachhaltigeres Tourismusmodell und eine bessere Verteilung der Urlauber übers Jahr wirbt. Doch dazu wollen die sich wöchentlich überbietenden Rekordmeldungen nicht passen. Vorige Woche wurde gemeldet, dass es auf Mallorca im Juli mit 1,84 Millionen Besuchern einen Monatsrekord gab - neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl deutscher Touristen stieg um fünf Prozent auf 609 000.

Während Umweltaktivisten eine Beschränkung der Bettenzahlen oder gar eine Besucherobergrenze fordern, reagierte die Politik zurückhaltend. Es sei kein Tourist zu viel, so der Tenor. Sogar der sozialistische Wirtschafts-Inselrat Cosme Bonet warnte davor, „Türen zu schließen“. Er plädierte für Investitionen in eine verbesserte Infrastruktur. Tourismus sei die tragende Säule der Inselwirtschaft.

Doch immer mehr Bürgermeister sorgen sich um knapp werdende Wasser-Ressourcen. Die Kläranlagen arbeiten am Anschlag und stinken mancherorts zum Himmel. Sogar Palmas Hafen kommt an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Nichtverderbliche Güter vom Festland treffen teils erst nach drei Wochen ein - was so manchem Unternehmer die Geschäfte erschwert. Warnungen, dass selbst die Urlauber die Massen unerträglich finden und sich abwenden, scheinen bisher unbegründet.

Schon gewusst?

• Reiseziel seit über 100 Jahren: Schon im 19. Jahrhundert war die Insel ein beliebtes Ziel für den Fremdenverkehr - zunächst vor allem für die spanische Oberschicht, später zunehmend auch für britische Touristen.

• Eigene Hymne: In der 1996 eingeführten Inselhymne La Balanguera steht eine geheimnisvolle, spinnende Frau im Mittelpunkt, die die Fäden des Lebens zieht. Der Text wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem mallorquinischen Poeten Joan Alcover i Maspons verfasst.

• Berühmter Sohn: Der spanische Tennisspieler Rafael Nadal wurde am 3. Juni 1986 in Manacor auf Mallorca geboren. Er war insgesamt 141 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und gewann bisher 14 Grand-Slam-Titel. Zudem gewann er zwei Mal Gold bei Olympia.

• Flatterhaftes Symbol: In Palma de Mallorca sind an den Gebäuden häufig Fledermäuse als Dekoration zu finden. Die Fledermaus ist ein Wappentier und soll ein Glücksbringer des Königs Jaume I., gewesen sein, der im 13. Jahrhundert Mallorca von den Mauren eroberte.

• Wiederentdeckte Kröte: Man glaubte, diese Krötenart wäre schon seit über 2000 Jahren ausgestorben - bis sie auf der Insel wiederentdeckt wurde. Die bis zu 38 mm große Mallorca-Geburtshelferkröte lebt nur in der Serra de Tramuntana, wo sie sich in den zahlreichen Gesteinsspalten versteckt.

•Leeres S’Arenal: Die Gegend um die heutige Touristenhochburg war vor 150 Jahren noch ein sandiges Niemandsland. 1872 wurde dort das erste Ferienhaus gebaut, nach und nach entstand eine Siedlung. Erst als der Flughafen in 1960 in Palma eröffnet wurde, setzte der Aufschwung der Stadt, in der 70 Hotels errichtet wurden, richtig ein.

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