Möglicherweise Verjährung

Stolzenbach-Katastrophe: OLG-Richter vertagen Urteilsverkündung erneut

Kassel/Borken. Im Schmerzensgeld-Prozess um das Grubenunglück von Borken 1988 hat das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) den Termin zur Urteilsverkündung erneut verschoben.

Ursprünglich wollten die Richter an diesem Freitag über die Klage der Witwe eines der 51 Todesopfer entscheiden. Damit sich die Parteien - die Klägerin auf der eine Seite, Eon als Nachfolger der Grubenbetreiberin Preußen-Elektra und der ehemalige Bergwerkschef auf der anderen Seite - doch noch auf einen Vergleich einigen können, wurde ihnen erneut mehr Zeit eingeräumt. Den neuen Verkündungstermin setzte das OLG auf den 2. September fest. Ein erster Termin war bereits von Mitte Juni auf Mitte Juli verlegt worden.

Die Klägerin hatte ihren Ehemann vor knapp 30 Jahren bei der Kohlenstaubexplosion in der Grube Stolzenbach verloren. Fast alle Arbeiter, die toto geborgen wurden, starben an giftigen Gasen. Die Witwe will die Schuldfrage geklärt wissen und fordert in dem Berufungsverfahren in Kassel 6000 Euro Schmerzensgeld.

Ansatz der Zivilklage von 2009 war ein bergmännisches Gutachten von 1967, das lange vor der Stolzenbach-Katastrophe vor Gefahren gewarnt hatte, die zünd- und explosionsfähiger Braunkohlenstaub birgt, zumal wenn im Bergwerksbetrieb der Sprengstoff Donarit 1 benutzt wird - wie am Unglückstag im Berg.

Das brisante Papier war erst 2008 aus Behördenarchiven aufgetaucht, fast 20 Jahre nachdem die Staatsanwaltschaft Kassel strafrechtliche Ermittlungen mit dem Fazit „Tragisches Unglück“ eingestellt hatte. Im Nachhinein hätten Anklagen und Haftstrafen wegen fahrlässiger Tötung in Betracht kommen können, weil die Explosion eben nicht unvorhersehbar war, schreibt der aus Borken stammende Jurist Ulf Hempler in einem Buch über die Stolzenbach-Katastrophe.

Es gehe nicht ums Geld, so die Klägerin, sondern darum, Licht ins Dunkel zu bringen. Falls es keine Einigung geben sollte, deutet einiges darauf hin, dass das OLG die Klage wegen Verjährung abweist. Falls zugleich Revision zugelassen würde, könnte der Weg durchs Dunkel von Stolzenbach bis zum Bundesgerichtshof führen. (wrk/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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