Studie: Kaum Fortschritte

Hessen und Niedersachsen bei Bildung weiter nur im Mittelfeld

Berlin. Deutschland zeichnet sich durch wenig Dynamik aus. Unter den Top 4 hat sich bislang ebensowenig geändert wie am Mittelfeldplatz von Hessen und Niedersachsen.

Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Bildungsmonitor. Erstmals erreichten die Bundesländer im Vergleich zum Vorjahr keine Fortschritte im Gesamtbild der zwölf Handlungsfelder. Die Vergleichsstudie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) untersucht, inwieweit die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur Fachkräftesicherung beitragen und Wachstum fördern.

Allerdings zeigen sich über einen längeren Zeitraum deutliche Unterschiede im Fortschritt der Bildungssysteme der Länder. So konnte im Vergleich zum Basisjahr 2013 das Saarland (+92 Punkte) und Hamburg (+7,0 Punkte) deutlich zulegen, während Hessen (+ 2,8) und Niedersachsen (+3,0) sich moderat verbesserten, während Schleswig-Holstein stagnierte.

Zentrale Herausforderungen sieht die Studie bei der Bildung von Flüchtlingen sowie der Integration schon länger bei uns lebender ausländischer Schüler. Hier gebe es sogar Rückschritte. So ist die Schulabbrecherquote unter Ausländern innerhalb eines Jahres von 10,7 auf 11,9 Prozent gestiegen. Dies gebe Anlass zur Sorge, sagte der Geschäftsführer der INSM, Hubertus Pellengahr. Der Bildungsmonitor zeige, dass die Länder im Sinne des föderalen Wettbewerbs voneinander lernen könnten und müssten. „Leider findet dieser Wettbewerb nur sehr eingeschränkt statt“, kritisiert Pellengahr.

Studienleiter Prof. Axel Plünnecke erklärte: „Die Länder müssen der Bildung in den öffentlichen Haushalten einen höheren Stellenwert einräumen. 2017 werden allein rund 98 500 weitere Kita-Plätze für Flüchtlingskinder benötigt“. Dazu würden Lehrkräfte für 200 000 zusätzliche Schulkinder und den Ausbau der Berufsvorbereitung benötigt. Dies bedeutet für 2017 zusätzliche 3,5 Mrd. Euro mehr Bildungsausgaben des Staates. „Aus humanitärer Sicht sind diese Ausgaben für eine bessere Bildungsintegration dringend geboten“, meinte Plünnecke. Wirtschaftlich könnten sich diese Investitionen der öffentlich Hand langfristig rentieren.

In den Bildungsmonitor fließen Aspekte wie Verfügbarkeit von Ganztagsschulen, Schulabbrecherquoten, berufliche Bildung und Forschungsorientierung an Unis ein. Die zu Grunde liegenden Daten beziehen sich meist auf 2014 oder 2015. Im aktuellen Bildungsmonitor wurde als Sonderkapitel die Bildungsintegration von Flüchtlingen untersucht.

Hessen investiert viel an Schulen

• Pluspunkte: Die Altersstruktur der Lehrer ist relativ ausgeglichen und der Anteil der Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit ist gering; es wird viel an den Schulen investiert, besonders viel in die beruflichen Schulen.

• Viele Kinder werden im Alter von 3 bis 6 ganztags betreut, der Anteil des Personals mit akademischem Abschluss in Kitas ist relativ hoch.

• Weniger ausländische Jugendliche als in anderen Bundesländern verlassen die Schule ohne Abschluss; ein relativ hoher Anteil der ausländischen Jugendlichen macht Abitur.

• Deutliches Verbesserungspotenzial besteht vor allem bei der Internationalisierung und im Bereich Hochschule/MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik).

• Relativ wenige Schüler an Grundschulen und an beruflichen Schulen werden in Fremdsprachen unterrichtet.

• Gemessen an der akademischen Wohnbevölkerung bildet Hessen vergleichsweise wenig Akademiker an Hochschulen aus.

Niedersachsen: In Englisch unterm Schnitt

• Pluspunkte: Die Umsetzung der Bologna- Ziele an Niedersachsens Hochschulen ist weit fortgeschritten, das Alter der Erstabsolventen ist niedriger als im Bundesdurchschnitt.

• Der Anteil des wissenschaftlichen am Gesamtpersonal der Hochschulen ist vergleichsweise hoch.

• Der Anteil der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge in Relation zu Neuverträgen lag etwas unter dem Durchschnittswert.

• Deutliches Verbesserungspotenzial besteht in Niedersachsen:

• Weniger Grundschüler als in den meisten anderen Bundesländern werden in Fremd- sprachen unterrichtet; die Englischkompetenzen der niedersächsischen Schüler fielen im Durchschnitt aller Schulen und auch an den Gymnasien unterdurchschnittlich aus.

• Gemessen an der akademischen Wohnbevölkerung, den Studienberechtigten sowie den Forschern bildet Niedersachsen wenig Akademiker aus, insbesondere in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik

Alle Details zu der Studie gibt es im Internet.

Rubriklistenbild: © dpa

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