Nukleare Explosion in Nordkorea 

Bundesregierung äußert sich zu Atomwaffentest in Nordkorea

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Am Freitag kam es unweit des nordkoreanischen Testgeländes zu ungewöhnlichen Erschütterungen.

Seoul - Südkorea hat nach Anzeichen für einen möglicherweise neuen Atomtest in Nordkorea den Nationalen Sicherheitsrat einberufen. Auch die Bundesregierung hat nun Stellung bezogen. 

Die Bundesregierung hat empört auf den erneuten Atomwaffentest Nordkoreas reagiert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag, die Bundesregierung verurteile den Test "mit aller Entschiedenheit". Es sei "bei Weitem nicht die einzige Provokation Nordkoreas in diesem Jahr". Pjöngjang handele "unverantwortlich", in dem es eine weitere Destabilisierung in der Region versuche. Das Auswärtige Amt bestellte den nordkoreanischen Botschafter ein. Der südkoreanischen Regierung zufolge handelte es sich um den bislang stärksten Atomwaffentest Nordkoreas.

Südkorea geht von einem Atomtest aus

Zuvor hatte Südkorea bei einer Dringlichkeitssitzung die Auswirkung des Tests besprochen, sagte ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul am Freitag. Die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, dass Südkoreas Militär fast sicher sei, dass es sich um einen Atomtest gehandelt habe. "Wir gehen von einem Nukleartest aus", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums laut dpa-Angaben. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye warf der Führung des Nordens am Freitag "manische Rücksichtslosigkeit" vor, mit der sie "ihren Weg zur Selbstzerstörung" beschleunigte.

Nordkorea hat am Freitag die Zündung einer Atombombe bestätigt. Es habe sich um einen "erfolgreichen" Atomwaffentest gehandelt, berichtete das staatliche Fernsehen. Bei dem Test sei ein "neu entwickelter Atomsprengkopf" zur Explosion gebracht worden, hieß es in einem Bericht des nordkoreanischen Staatsfernsehens. Der Test habe den Beweis erbracht, dass Nordkorea in der Lage sei, einen Atomsprengkopf auf eine Trägerrakete zu montieren, berichtete die Staatsagentur KCNA. Zuvor hatte es aus Südkorea geheißen, der Norden habe "höchstwahrscheinlich" zum fünften Mal eine Atombombe zu Testzwecken gezündet.

Internationale Sorge wegen Atombombentests

Japan reagierte mit Sorge auf die Berichte über einen neuen Atomversuch. Sollte sich das bestätigen, werde Tokio eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats beantragen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. So etwas könne nicht geduldet werden, wird Ministerpräsident Shinzo Abe zitiert. Die japanische Regierung kündigte die Entsendung von Spezialflugzeugen an, die Luftproben entnehmen und auf Radioaktivität prüfen sollten. Nordkoreas atomare Entwicklung "wird zu einer immer schwereren Bedrohung der Sicherheit Japans und untergräbt den Frieden und die Sicherheit in der Region", sagte Abe.

Seismologen hatten zuvor ungewöhnliche Erschütterungen der Stärke 5,3 unweit des nordkoreanischen Testgeländes im Nordosten des Landes registriert. Dort hatte das wegen seines Atomprogramms international isolierte Land bereits seit 2006 vier Atomtests unternommen, einschließlich eines Versuchs im Januar dieses Jahres. Südkoreanische Geologen sprachen von einem "künstlichen Erdbeben", das "fast identische Merkmale mit den Erdstößen bei früheren Atomwaffentests in Nordkorea aufweise. Dem südkoreanischen Verteidigungsministerium zufolge wurde eine Detonationsstärke von rund zehn Kilotonnen gemessen. Dies wäre der stärkste der bislang fünf nordkoreanischen Atomwaffentests. Die bislang heftigste Explosion war im Februar 2013 mit sechs bis neun Kilotonnen registriert worden. Die Atombombe, die 1945 über dem japanischen Hiroshima abgeworfen worden war, hatte eine Sprengkraft von rund 15 Kilotonnen.

Obama warnt vor "ernsthaften Konsequenzen"

Der UN-Sicherheitsrat hatte wegen des Tests und eines umstrittenen Raketenstarts die Sanktionen gegen das kommunistische Regime in Pjöngjang verschärft. Nordkorea müsse alle Atomwaffen und bestehenden Nuklearprogramme vollständig, überprüfbar und für immer aufgeben und damit zusammenhängende Aktivitäten umgehend einstellen. Auf dem Gelände Pyunggye-Ri hatte Nordkorea zuletzt im Januar eine Atombombe gezündet. In den folgenden Monaten setzte sich das Land immer wieder mit Raketentests über ein internationales Verbot hinweg.

Die US-Regierung beobachtet die Lage nach einem möglichen fünften nordkoreanischen Atomtest am Freitag ebenfalls genau. US-Präsident Barack Obama hat die Führung in Pjöngjang vor "ernsthaften Konsequenzen" gewarnt. Obama habe mit den Regierungschefs von Südkorea und Japan telefoniert, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, am Freitag in Washington. Der US-Präsident werde in den kommenden Tagen "weiter mit unseren Verbündeten und Partnern beraten, um sicherzustellen, dass provokativen Aktionen Nordkoreas mit ernsthaften Konsequenzen begegnet wird".

China spricht von "entschiedenem Widerstand"

China hat gegen den neuen Atomtest Nordkoreas protestiert. Das Außenministerium in Peking sprach am Freitag von Chinas „entschiedenem Widerstand“ gegen den unterirdischen Versuch, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

China dränge Nordkorea, seine Verpflichtungen für eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen und für Frieden und Stabilität in Nordostasien einzuhalten. Auch müsse Pjöngjang die Resolutionen der Vereinten Nationen erfüllen und alles unterlassen, was die Situation weiter verschlechtere.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat den mutmaßlich fünften Atomwaffentest Nordkoreas als "zutiefst beunruhigenden und bedauerlichen Akt" bezeichnet. "Dies ist eine klare Verletzung zahlreicher Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und eine vollständige Missachtung der wiederholten Forderungen der internationalen Gemeinschaft", erklärte IAEA-Direktor Yukiya Amano am Freitag in Wien. Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte den fünften Atomwaffentest und rief den UN-Sicherheitsrat auf, auf "diese Verletzung seiner Resolutionen" zu reagieren.

dpa/AFP

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