Kabinett beschließt Vorrang für Erdverkabelung – Neuplanung in der Region

Südlink: Abschied von den Masten - Fragen und Antworten

Windräder und Hochspannungs-Freileitung im herbstlichen Morgennebel bei Sehnde nahe Hannover: Auch hier könnte Südlink durchlaufen - jetzt hat das Bundeskabinett Vorrang für Erdkabel offiziell beschlossen. 
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Windräder und Hochspannungs-Freileitung im herbstlichen Morgennebel bei Sehnde nahe Hannover: Auch hier könnte Südlink durchlaufen - jetzt hat das Bundeskabinett Vorrang für Erdkabel offiziell beschlossen. 

Berlin. Auch um Bürgerproteste gegen geplante große Stromautobahnen zu verringern, will die Bundesregierung Gleichstrom-Höchstspannungsleitungen (HGÜ) vorrangig als Erdkabel unterirdisch verlegen lassen. Der Absprache von SPD und Union im Juli folgte gestern der Kabinettsbeschluss. Fragen und Antworten:

War Vorrang für Erdkabel nicht auch ein Zugeständnis an CSU-Chef Horst Seehofer?

Doch, das war zugunsten des Koalitionsfriedens ein zweiter Grund, bei den Nordsüd-Verbindungen Südlink, die auch durch unsere Region gehen dürfte, und Südost von 70-Meter-Masten abzurücken. Wobei Seehofer eben auch Druck weitergab, den Anwohner kommender HGÜ-Trassen in Bayern aufbauten.

Aber Erdkabel sind doch teurer als Strommasten?

Das stimmt. Gabriels Experten gehen davon aus, dass die Erdverkabelung von Südlink und Südost Verbraucher drei bis acht Milliarden Euro extra kostet. Für einen Musterhaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch wären das bei den Netzentgelten, die jeder mit der Stromrechnung bezahlt, 3,40 bis 9,10 Euro pro Jahr mehr.

Und die Gegenrechnung der Befürworter?

Umgekehrt beseitigt ein rascher Leitungsausbau ohne langwierigen Protest und juristische Gefechte auch schneller Engpässe im Stromnetz. Derzeit geben die Netzbetreiber Hunderte Millionen Euro aus, um Blackouts zu verhindern. Das rechnen Befürworter der Erdverkabelung gegen. Die 21 Landkreise des Bündnisses „Hamelner Erklärung“, fordern zudem, auch andere Kosten mit anzusetzen: Wertverlust von Häusern unter Freileitungen, Vermeidung von Sabotage- und Wetterrisiken.

Was heißt Vorrang für Erdkabel ganz genau?

Dort, wo Wohnbebauung 200 bis 400 Meter an einer Trasse heranrückt, sollen Gleichstrom-Freileitungen im Prinzip nicht mehr gebaut werden, heißt es. Masten könnten aber aufgestellt werden, wenn Erdkabel aus Naturschutzgründen nicht sinnvoll sind oder Kommunen sie ablehnen. Die Gesetzesnovelle ist aber noch nicht beschlossen.

Wie geht es in unserer Region weiter?

Eine erste Südlink-„Vorzugsvariante“ von Netzbetreiber Tennet aus Niedersachsen kommend und westlich an Kassel vorbei (siehe Grafik) hat die Bundesnetzagentur als mangelhaft vom Tisch gewischt. Zusammen mit dem Schwenk auf Erdkabel-Vorrang muss so oder so neu geplant werden. Das dauert bis 2016/2017.

Erdkabel liegen unsichtbar im Boden. Wenn man höhere Kosten akzeptiert – hat diese Technik, verglichen mit Freileitungen, andere Nachteile?

Mit diesem Thema befasste sich im Februar eine Expertentagung in Kassel. Landwirte sehen Erdkabel in ihren Äckern kritisch. Fazit des Landkreis-Bündnisses „Hamelner Erklärung“ hingegen: Es sei Zeit, mit alten Märchen aufzuräumen. Neue Kabeltypen bräuchten eben nicht alle 500 Meter aufwendige Muffenbauwerke oder zwingend 30, 40 Meter breite Bauschneisen. Ihre Mehrkosten gegenüber Freileitungen lägen inzwischen nur noch bei einem Faktor zwei bis drei. Die BI Weserbergland geht sogar von gezielter Stimmungsmache der Freileitungs-Lobby aus. Netzbetreiber Tennet hingegen sagt: Bei Gleichstrom sind Erdkabel Stand der Technik. Tennet spricht sogar bereits von Gleichstrom-Vollverkabelung.  www.hamelner-erklaerung.de

Nicht nur das Südlink-Projekt stockt, oder?

Von den 24 als vordringlich eingestuften Leitungsprojekten mit 1876 Kilometern Länge sind nur 487 Kilometer realisiert. Das Höchstspannungsnetz umfasst bisher 35 000 Kilometer. (mit dpa)

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