Ein stilechter Vortrag

"Sumpfhühner und Schlauberger": Steinbrücks letzte Bundestags-Rede

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Peer Steinbrück spricht zum letzten Mal im Bundestag in Berlin

Berlin - Er galt lange als einer der umstrittensten SPD-Politiker aller Zeiten. Am Donnerstag verabschiedete sich Peer Steinbrück nun endgültig von der politischen Bühne - seine letzte Rede hatte es in sich.

Er war Ministerpräsident, Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister - nun verabschiedete sich Peer Steinbrück nach 47 Jahren SPD endgültig aus dem deutschen Bundestag. 

Der Politiker, der sich durch zahlreiche öffentliche Ausrutscher und Provokationen schon vor Jahren auch einen teils fragwürdigen Namen gemacht hat, gab sich bei seiner allerletzten Rede am Donnerstag gewohnt spitzzüngig und positionierte sich deutlich zur aktuell prekären, innerpolitischen Lage.

Zunächst verlor er einige wenige Worte zur aktuellen "Debatte zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik" im Bundestag und erklärte, dass man sich in diesen schwierigen Zeiten endlich wieder auf kultureller Ebene annähern müsse, was zum Beispiel durch den Einsatz sprachlicher und wissenschaftlicher Mittel zu schaffen sei. Die Aufgabe der Politik sei es dabei, Konfliktlösungsmöglichkeiten anzubieten, aber nicht aufzudrängen.

 Ein Plädoyer für Europa und die EU

"Wir leben in fragilen Zeiten - auch in Europa", erklärte er und plädierte im gleichen Atemzug - vor allem in Anlehnung an den Brexit - dafür, "nichts von diesem wunderbaren Kontinent" und der EU aufzugeben. 

Doch er sprach auch Warnungen aus, mahnte vor einem "Rückzug in die Wagenburg" des Populismus und Chauvinismus. Angesichts der "spürbaren Desorientierung und Verunsicherung in nicht zu vernachlässigenden Teilen unserer Gesellschaft" sollten die Parteien im Bundestag "die Bühne liefern, auf der die zentralen Zukunftsfragen debattiert werden", forderte er. Und zwar "kontrovers, spannend, und leidenschaftlich", um der Politikverdrossenheit ein Ende zu setzen. 

Steinbrücks schlimmste Befürchtung bestand allerdings darin, dass Bürger das Parlament "als Politikkartell verstehen, das ihre Befindlichkeiten einfach ignoriert". "Und dieses Risiko besteht", erklärte der Politiker seinen baldigen Ex-Kollegen eindringlich. 

Steinbrück findet ehrliche Worte

Am Ende resümierte der 69-Jährige über 47 Jahre SPD mit den ironischen Worten: "Als ich vor 47 Jahren in die SPD eintrat, da dachte ich, dass die Verteilung von Sumpfhühnern und Schlaubergern ziemlich einseitig auf die Parteien verteilt ist. Und ich gehörte natürlich zur Partei der Schlauberger." 

Anschließend erklärte er mit einem Augenzwinkern, dass er im Laufe der Zeit noch etwas dazugelernt hätte: Nämlich, dass die Verteilung solcher Sumpfhühner und Schlauberger in und zwischen den Parteien der Normalverteilung der Bevölkerung folgt. Dies habe ihm die interfraktionelle Zusammenarbeit erleichtert. Steinbrücks zweite, wichtige Erkenntnis aus seiner siebenjährigen Bundestags-Karriere: "Wichtig ist nicht nur was man macht, sondern auch, wie man dabei guckt."

Zu guter Letzt verabschiedete sich Steinbrück, der für seine launige Rede bereits viel positive Kritik erntete, mit den Worten: "Dies, Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, das war der letzte Ton aus meinem Jagdhorn. Vielen Dank."

Steinbrück brachte seine Karriere am Donnerstag damit zu einem würdigen Abschluss: Er bewies Stil und hatte sogar die Lacher seiner Parteikollegen auf seiner Seite. 

Daran, dass das längst nicht immer so gewesen war, erinnerte ihn anschließend Bundestagspräsident Norber Lammert, der noch ein paar kurze Worte über den Politiker verlor und sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen konnte: „Sie haben sich den Widerspruch aus der eigenen Partei ebenso hart erarbeitet wie den Respekt des politischen Gegners …!“

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