Fragen und Antworten zu der Tragödie

Syrien-Krieg: 300.000 Menschen in Aleppo eingeschlossen

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Belagerte Stadt Aleppo: Scharfschützen der Armee des Assad-Regimes nehmen Rebellen unter Feuer.

In der Stadt Aleppo tobt die wohl grausamste Schlacht des Syrien-Krieges. Die Lage für bis zu 300.000 Eingeschlossene wird immer dramatischer.

Warum gilt die Schlacht um Aleppo als möglicher Wendepunkt im Syrienkrieg?

Militärexperten betonen die geostrategische Bedeutung der Stadt. Wer sie beherrscht, könne Versorgungslinien und die Region nahe der türkischen Grenze kontrollieren. Sollten Truppen von Staatschef Assad die Stadt einnehmen, würden die vier größten Städte Damaskus, Aleppo, Homs und Hama in den Händen des Regimes liegen. In ihnen lebt mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung. Zudem hat Aleppo als einst größtes wirtschaftliches Zentrum des Landes eine große symbolische Bedeutung. Für ihren Eroberer steigen die Chancen, den gesamten Krieg zu gewinnen.

Wer kämpft wo in Aleppo?

Die Stadt ist geteilt. Im Westteil herrschen Assads Regierungstruppen, im Osten ein Konglomerat aus Dschihadisten, Rebellen und als gemäßigt geltenden Oppositionstruppen, die zum Teil von den USA unterstützt werden. Zu den Verbündeten Assads gehört unter anderem Russland, das vor allem mit Luftangriffen in den Krieg eingreift.

Welche Folgen hat die Belagerung?

Die Stadtteile im Osten, die von den Assad-Gegnern gehalten werden, sind seit zwei Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Syrische Regierungstruppen haben mit Hilfe Russlands und wohl auch schiitischer Milizen einen Belagerungsring gezogen. 300.000 Zivilisten gelten als eingeschlossen und von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Die UN warnen vor einer humanitären Katastrophe. Gesundheitseinrichtungen würden von den Kriegsparteien gezielt angegriffen. Bewohner zünden Autoreifen und Müll an, damit der Rauch die Piloten bei ihren Luftangriffen behindert. Zugleich werden die Feuer als Hilferufe an die internationale Gemeinschaft gewertet.

Welche Bedeutung hat die Offensive der Islamisten?

Ein Bündnis aus verschiedenen islamistischen Gruppierungen versucht den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen und eine Nachschublinie für die eingeschlossenen Rebellen in der Stadt freizukämpfen. Diese Offensive begann am Sonntag und wird angeführt von der Gruppierung Fatah al-Scham, die noch vor kurzem als Al-Nusra-Front Teil des internationalen Terrornetzwerks Al Qaida war. Offenbar hat man sich unter neuem Namen von Al-Qaida-Einflüssen losgesagt. Sollte ein Durchbruch zu den Verbündeten in der Stadt gelingen, dürften auch Teile der eingeschlossenen Bevölkerung die Dschihadisten als Befreier feiern.

Was hat es mit den sogenannten Hilfskorridoren auf sich?

Das Assad-Regime und sein russischer Verbündeter haben angekündigt, Fluchtkorridore für die Bevölkerung einzurichten. Von einer Waffenruhe, um diese Flucht sowie humanitäre Hilfe überhaupt zu ermöglichen, war aber keine Rede. Die UN wurden von der Ankündigung überrascht. Der UN-Vermittler für Syrien, Staffan de Mistura, reagierte skeptisch: „Wie kann man erwarten, dass Menschen durch solche Korridore gehen, wenn ringsum geschossen, bombardiert und gekämpft wird?“ Es steht der Verdacht im Raum, es sollten möglichst viele Zivilisten über diese Routen aus der Kampfzone gebracht werden, um den entscheidenden Sturm auf den Osten der Stadt beginnen zu können.

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