Alle Informationen im Überblick

Ermittlungsstand: Das sind die Attentäter von Paris

München - Nach dem Terroranschlag vergangenen Freitag in Paris werden immer mehr Details zu den Tätern bekannt. Hier finden Sie gebündelt alle Informationen über die Attentäter.

Sie hinterließen eine Spur der Verwüstung und brachten sich anschließend selbst um: Sechs der sieben Attentäter von Paris haben sich nach ihren Taten selbst gerichtet. Aber wer sind die Männer, die an einem normalen Freitagabend den Horror in die Stadt der Liebe brachten? Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Ereignisse und alle Informationen rund um die Terroristen.

Das ist passiert am 13. November

  • Die erste Explosion, die im Stade de France zu hören ist: Ein Selbstmordattentäter sprengt sich vor dem Stadion in die Luft. Einen Passanten tötet er dabei.
  • Am Kanal Saint-Martin wird das Feuer auf die Gäste von Restaurants und Bars eröffnet. Dabei sterben 15 Menschen.
  • Die zweite Explosion schallt durch das Stadion: Ein weiterer Attentäter hat seinen Sprengstoffgürtel gezündet.
  • Die Bars "Bonne Bier" und "La Belle Equipe" werden beschossen: 24 Menschen sterben.
  • Ein Attentäter sprengt sich in der Nähe des Place de la République in einem Café in die Luft.
  • Drei Attentäter stürmen den Club, in dem das Konzert stattfindet. Als die Polizei das Gebäude stürmt, zünden zwei der drei Täter einen Sprengstoffgürtel. Der dritte Attentäter wird von der Polizei erschossen. Insgesamt 89 Menschen haben die Attentäter dort getötet.
  • Die dritte Explosion: Ein dritter Selbstmordattentäter sprengt sich vor dem Stadion in die Luft.

Welcher Terrorist führte welchen Anschlag aus?

Sechs der sieben toten Attentäter haben sich selbst das Leben genommen. Wie viele Täter insgesamt an der Anschlagsserie beteiligt waren, aktiv oder im Hintergrund, ist noch nicht geklärt. Die Ermittler arbeiten unter Hochdruck an der Aufklärung. Inzwischen sind fünf der sieben toten Attentäter identifiziert.

Anschlag auf die Bars und Cafés im Ausgehviertel von Paris

Ibrahim Abdeslam (31), der Bruder des flüchtigen Salah Abdeslam, zündete seinen Sprengstoffgürtel, nachdem er an den Schüssen auf die Bars und Cafés beteiligt war. Seine Leiche wurde identifiziert. Ein schwarzer Seat, mit dem die Täter vermutlich vorgefahren sind, konnte in einem Pariser Vorort sichergestellt werden. Drei Kalaschnikows befanden sich in dem Auto.

Gegen den im Pariser Vorort Drancy aufgewachsenen Abdeslam wurde 2012 ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet, weil er in den Jemen ausreisen wollte. Er entzog sich im Herbst 2013 einer richterlichen Überwachung und wurde seitdem mit internationalem Haftbefehl gesucht. Laut seiner Familie reiste er zwischenzeitlich nach Syrien.

Terrorakt im und um den Konzertsaal Bataclan

Samy Amimour.

Einer der „Bataclan“-Attentäter war der Franzose Omar Ismaïl Mostefaï (29). Der 1985 im Pariser Vorort Courcouronnes geborene Mostefaï war einer der Angreifer auf das "Bataclan" und der erste Terrorist, der nach den Attentaten identifiziert werden konnte. Der mehrfach vorbestrafte Kleinkriminelle war den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt, fiel aber bisher nicht im Zusammenhang mit Terrornetzwerken auf. Die Türkei will Frankreich aber 2014 vor Mostefaï gewarnt haben - ohne Reaktion. Er tötete sich selbst.

Ebenfalls im „Bataclan“ sprengte sich Samy Amimou r (28) in die Luft. Er wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht, nachdem er 2012 der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung beschuldigt wurde und 2013 untergetaucht war.

Der dritte, von der Polizei erschossene, Attentäter konnte noch nicht identifiziert werden.

 

 

Selbstmordattentäter vor dem Stade de France

Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Der 25-Jährige namens Ahmed al-Mohammed soll am 7. Oktober in Serbien eingetroffen sein. Am 3. Oktober war er laut griechischen Behörden als Flüchtling auf der Insel Leros registriert worden. Nach aktuellen Ermittlungsergebnissen könnte der Pass allerdings zu einem vor Monaten getöteten Mann gehören, der für die Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad kämpfte. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Bilal Hadfi.

Ebenfalls vor dem Stadion wurde die Leiche des 20-jährigen Bilal Hadfi, der in Belgien lebte, gefunden. Der französische Staatsbürger lebte zuletzt in Nederover-Heembeek in Belgien. Seit dem Frühjahr 2014 soll er sich radikalisiert haben – nachdem er zuvor hauptsächlich Fußball gespielt habe. Im Juli hatte er via Facebook zu Anschlägen im Westen aufgerufen. Der Belgier kämpfte in Syrien für den IS und posierte auf einem Facebook-Foto neben einer enthaupteten Leiche.

 

 

 

 

 

Dieser Drahtzieher wurde identifiziert

Abdelhamid Abaaoud.

Die Attentate wurden nach Erkenntnissen der Ermittler von Syrien aus „organisiert“ und „geplant“. Ein Drahtzieher soll laut Medien Abdelhamid Abaaoud (28) sein, der meistgesuchte Islamist Belgiens. Der Belgier mit marokkanischen Wurzeln lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft haben.

Mindestens ein Verdächtiger auf der Flucht

Salah Abdeslam.

Belgiens Justiz schrieb den 26-jährigen Salah Abdeslam, Bruder eines der Selbstmordattentäter, international zur Fahndung aus. Abdeslam hatte einen Polo mit belgischem Kennzeichen angemietet, der in der Nähe des „Bataclan“ gefunden wurde. Stunden nach dem Anschlag geriet er nahe der belgischen Grenze in einem anderen Auto mit zwei Mitreisenden in eine Routinekontrolle, die Polizei ließ ihn aber weiterfahren.

Nach aktuellen Erkenntnissen soll Abdeslam auf seiner Flucht durch Deutschland gekommen sein. An der Autobahn 3 bei Passau soll er ausgereist sein. Bei einer routinemäßigen Verkehrskontrolle in Aistersheim, rund 50 Kilometer nach der Grenze, seien er und seine Begleiter überprüft worden. Dabei habe Abdeslam gesagt, er wolle für ein paar Tage in Österreich Urlaub machen.

Welche Rolle spielen diese Männer? 

Rätsel gibt ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen wird geprüft.

Unklar ist auch die Rolle eines nach den Anschlägen im Sauerland festgenommenen Algeriers. Er soll gegenüber Mitbewohnern in einer Flüchtlingsunterkunft geäußert haben, dass in Paris etwas passieren werde. Wusste er wirklich etwas? Oder wollte er sich nur wichtig tun?

Alle aktuellen Informationen zur aktuellen Entwicklung in Paris in unserem News-Ticker.

Mit Material von dpa/AFP

Rubriklistenbild: © AFP

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