Die Band und das Massaker

Terror in Paris überlebt: Wer sind die Eagles of Death Metal?

Jesse Hughes​ (vorn) und Josh Homme​ sind die Köpfe der Band Eagles of Death Metal​. ​Foto: Universal
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Jesse Hughes​ (vorn) und Josh Homme​ sind die Köpfe der Band Eagles of Death Metal​. ​Foto: Universal

In den ersten Meldungen aus Paris hieß es in der Nacht zu Samstag, das Attentat habe beim Konzert einer Pop-Band im Club Bataclan stattgefunden.

Eine andere Nachricht sprach von einer Death-Metal-Formation. Wenn der Anlass nicht so schrecklich gewesen wäre, hätte Sänger Jesse Hughes über die Genres sicher lachen müssen. Seit 1998 treibt er mit seiner Band Eagles of Death Metal (EODM) wilde Späße, ihr Sound klingt aber weder nach Pop noch nach Death Metal.

Unser Live-Ticker zu den Ereignissen in Paris

Das Attentat islamistischer Attentäter haben Hughes und seine Bandkollegen überlebt - anders als die mehr als 80 Menschen, die den Angreifern zum Opfer fielen. Augenzeugen berichten von einem Massaker. Eine österreichische Konzertbesucherin erzählte am Morgen danach, wie nach einer Stunde Terroristen in den Saal stürmten, “Rache für Syrien” riefen und einem Mann neben ihr in den Kopf schossen, der auf sie fiel. Eine Ewigkeit lag sie unter dem Toten. Nur ein Teufel kann sich so was ausdenken.

Band-Gründer Hughes nannte sich selbst “The Devil”. Die Eagles of Death Metal hatte er mit seinem Schulfreund Josh Homme im kalifornischen Palm Dessert gegründet. Ihr Stoner Rock ist gekennzeichnet durch die tiefergestimmten Gitarren, die gern rumpelnd durch Bass-Verstärker gejagt werden, etwas Psychedelic, simplen Riffs und eingängigen Melodien. Angeblich sollte ihre Musik klingen, als würden die Eagles Death Metal spielen, teilte die Band einst mit. Auch das war als Witz gemeint.

Homme ist längst vor allem als Frontmann der kommerziell deutlich erfolgreicheren Band Queens of the Stone Age bekannt. Doch auch beim jüngsten EODM-Album “Zipper Down” war er dabei - als Produzent. In Paris fehlte Homme allerdings. Das Cover von “Zipper Down” zeigt eine Frau in einer Lederjacke mit offenem Reißverschluss und nackten Brüsten. “Man sollte den Reißverschluss eben nicht hochziehen, sondern ihn stattdessen runterziehen und einfach alles raushängen lassen", kommentierte Hughes.

Der 43-Jährige hat einen Uni-Abschluss als Lehrer, inszeniert sich in der Öffentlichkeit aber mal als Porno-Fan und mal als Schwuler. Auf jeden Fall ist er ein konservativer Waffennarr und Mitglied der Waffenliga NRA, für die der Besitz eines Gewehrs ein Menschenrecht ist. Über US-Präsident Barack Obama sagt er: “Er ist ein Kommunist. Tatsächlich ist er einfach nur ein Verbrecher.” Oabamas Vorgänger George W. Bush ist für ihn dagegen ein Held: Er sei “ein Typ, der abgeht und ZZ Top mag, ein Hurensohn nach meinem Geschmack.” Im aktuellen Wahlkampf unterstützt Hughes den umstrittenen Republikaner Donald Trump.

Warum sich die islamistischen Terroristen ausgerechnet ein Konzert von seiner Band Eagles of Death Metal als Ziel aussuchten, ist bislang nicht bekannt. Womöglich lautet die Botschaft: Wir kriegen euch alle.

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