Kostenlos von einer Reise zurücktreten kann man nur bei höherer Gewalt

Fragen & Antworten: Terroranschlag ist kein Storno-Grund

Ein Urlaub kann immer storniert werden – auch aus Terrorangst. Aber nur in Ausnahmen entfallen Reiserücktrittsgebühren. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Gehen Buchungen in die Türkei zurück? 

Seit Anfang des Jahres beobachten Reiseanbieter wie TUI eine nachlassende Nachfrage. Die Reiseströme verschieben sich laut TUI-Sprecherin Anja Braun vom östlichen ins westliche Mittelmeer. Istanbul als Städteziel spiele bei deutschen Urlaubern, die mit TUI reisen, kaum eine Rolle.

Auch der Reiseanbieter Alltours verzeichnet seit dem vergangen Jahr weniger Buchungen für die Türkei.

Bekomme ich mein Geld bei einem Storno wieder? 

„Kostenfreies Stornieren ist nur möglich, wenn Katastrophen durch eine höhere Gewalt vorliegen“, sagt Anne Antes von der Verbraucherzentrale Aurich. Das können Naturkatastrophen, Epidemien und politische Unruhen sein – aber nicht vereinzelte Terroranschläge.

Welche Rolle spielt die Einschätzung de Auswärtigen Amtes? 

Die Reiseanbieter orientieren sich bei der Erstattung von Reisekosten an dem Empfehlungen des Auswärtigen Amtes. Dieses unterscheidet zwischen einem Reisehinweis über die Reisebestimmungen eines Landes, und einer Reisewarnung, wenn Gefahr für Leib und Leben droht. Erst wenn das Auswärtige Amt eine Warnung ausspricht, ist eine kostenlose Kündigung möglich. Bislang rät es nur zur Vorsicht. Bei einer Stornierung fallen daher Storno-Gebühren an.

Lohnt sich eine Reiserücktrittsversicherung? 

Eine Reiserücktrittsversicherung kann sich lohnen, wenn eine Reise teuer ist oder lange im Voraus gebucht wird. Die Versicherung springt zum Beispiel im Krankheits- oder Todesfall ein, aber nicht bei einem Storno aus Terrorangst.

Wie hoch sind die Kosten bei einer Stornierung?

Eine Stornierung kurz vor dem eigentlichen Reiseantritt ist am teuersten: Je nach Reiseanbieter können zwischen 75 und 95 Prozent der Reisekosten fällig werden.

Daher gilt: Je früher man seine Reise kündigt, desto mehr Geld bekommt man wieder.

Sollte man in der derzeitigen Lage eine Türkeireise buchen? 

Das muss jeder für sich entscheiden. Ist die Reise nach Istanbul bereits gebucht, soll aber storniert werden, empfiehlt Holger Hopperdietzel, Anwalt für Tourismusrecht, Medienberichte über Terrorattacken in der Urlaubsregion zu sammeln. „Terroranschläge gelten zwar nicht als höhere Gewalt. Schränken aber Anschläge und die polizeiliche Ermittlungsarbeit den Urlaub ein, weil zum Beispiel Gebiete mit Sehenswürdigkeiten weitflächig gesperrt werden, kann man damit seine Kündigung im Falle eines Rechtstreits begründen“, sagt Hopperdietzel.

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Rubriklistenbild: © AFP

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