Tierschutzbeauftragte: Katzen-Kastration anordnen

Freilaufende Katze: Zu viele Tiere sind noch immer nicht kastriert, was zu einer regelrechten „Katzenschwemme“ führt. Foto: dpa

Der unkontrollierten Vermehrung von Katzen soll Einhalt geboten werden. Dabei sind die Kommunen gefragt. Das geht aus dem jetzt vorgestellten Jahres-Tierschutzbericht hervor.

Wiesbaden. Die Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Dr. Madeleine Martin, hat die hessischen Kommunen aufgefordert, stärker von ihrem Recht Gebrauch zu machen, die Kastration von Freigängerkatzen anzuordnen. Das Problem der stetig anwachsenden Katzenpopulation sei ohne behördliche Maßnahmen oder erheblich höhere Zuschüsse an die Tierheime nicht in den Griff zu bekommen, erklärte sie in ihrem Jahres-Tierschutzbericht.

Bedauerlicherweise gebe es in vielen Kommunen noch immer Debatten darüber, wie genau solche kommunale Verordnungen auszusehen hätten und ob sie überhaupt erlassen werden sollten. Die Bedenken der Kommunen seien nicht nachzuvollziehen, da es hier absolute Rechtssicherheit gebe. In Nordhessen hätten bisher lediglich Borken und Homberg (beide Schwalm-Eder-Kreis) entsprechende Verordnungen verabschiedet. Aus Sicht der Tierschutzbeauftragten haben Katzenbesitzer nicht das Recht, unkastrierte Katzen in der Öffentlichkeit streunen zu lassen. Mit einer Kastrationspflcht könnte auch die finanzielle Situation vieler häufig überfüllter Tierheime verbessert werden.

Auch die Kennzeichnung und Registrierung von Katzen mit Freigang sei originärer Tierschutz. Nur so könnten entlaufene Fundkatzen ohne Verzögerung ihren Besitzern zurückgegeben werden. Das helfe Kosten sparen.

Die Tierschutzbeauftragte fordert außerdem, die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern in der Landwirtschaft zu verbieten. Die Tiere könnten sich nicht fortbewegen, das Aufstehen werde wegen des sehr knappen Platzes erschwert. Schließlich werde das Erkundungs- und Sozialverhalten eingeschränkt. Dies sei nicht tiergerecht und für biologisch arbeitende Betriebe mittlerweile verboten. Nach Daten des Statistischen Landesamtes werden in 57 Prozent der hessischen Betriebe Rinder im Anbindestall mit oder ohne Weidegang gehalten.

Schließlich wird im Jahres-Tierschutzbericht gefordert, zum Verbrauch von Antibiotika in der hessischen Landwirtschaft systematische Daten zu erheben. Nach Meinung Martins stehe Hessen beim Antibiotikaeinsatz anderen Bundesländern mit mehr Landwirtschaft wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen nicht nach. Aussagen, in der eher kleinteiligen hessischen Landwirtschaft gebe es nicht so viele Probleme, seien nicht tragfähig, da der Antibiotikaverbrauch nicht nur von der Anzahl der Tiere, sondern besonders von der Intensität der Haltungssysteme abhänge.

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