Drei-Millionen-Marke überstiegen

Tierversuche: Immer mehr Tiere werden getötet

Erfolgreicher Tierversuch: Diesem Affen wurde das Herz eines geklonten Schweines transplantiert. Er überlebte. Fotos: dpa

Erstmals wurde in Deutschland die Drei- Millionen-Marke „verbrauchter" Tiere überstiegen: Mehr als 2,2 Millionen Mäuse, 418 000 Ratten, 166 000 Fische und 97 000 Kaninchen wurden 2012 bundesweit für Tierversuche eingesetzt.

Wie aus einer Statistik des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hervorgeht, stieg die Zahl der in Deutschland für wissenschaftliche Versuche eingesetzten Tiere damit in den vergangenen Jahren um fast sechs Prozent.

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Zahlen für das Jahr 2013 sind noch nicht bekannt, erklärte der BMEL-Pressesprecher Michael Hauck auf Anfrage unserer Zeitung. Anders die Lage in Hessen: Hier ist die Zahl der Versuchstiere auf 155 000 gesunken. Das geht aus den Tierversuchsstatistiken für 2013 hervor, die die Regierungspräsidien vorgelegt haben.

Eine kostenlose App für den Tierschutz

• Die Datenbank www.wermachtwas.info gibt Auskunft darüber, welche Hersteller und deren Produkte direkt oder aufgrund einer Verbindung zu einem anderen Unternehmen Tierschutz-Kriterien nicht erfüllen und welche Alternativen es dazu gibt.

• Die Datenbank gibt es als kostenlose App für iOS und Android. Sie zeigt auf, welche Hersteller aufgrund von Tierversuchen im Visier von Boykottkampagnen stehen, welche Alternativen bedenkenlos sind und wo bestimmte Produkte angeboten werden.

Laut Regierungspräsidium Kassel sind in Nordhessen Versuche mit 250 Tieren genehmigt worden - darunter 114 Fische und 72 Hunde. Die hessische Landestierschutzbeauftragte, Madeleine Martin, kritisiert: „Die Bundesregierung fördert die tierversuchsfreie Forschung mit durchschnittlich vier Millionen Euro jährlich, ein lächerlicher Betrag verglichen mit dem Hundertfachen, das der tierexperimentellen Forschung zur Verfügung steht.“

Trotz Absichtsbekundungen der Politik blieben Strategien zur Eindämmung von Tierversuchen seit Jahren aus: „Eine Verpflichtung, die Drei-R-Regel einzuhalten, muss endlich auf die politische Agenda“, so Hessens Tierschutzbeauftragte weiter. Gemeint sind „Replacement“, also Ersatz von Tierversuchen, „Reduction“, ihre Verringerung, und „Refinement“, die Erleichterung für das Tier.

Seit den 50er-Jahren besteht die international als RRR bezeichnete Strategie bereits, erklärt die Tierärztin und fordert: „Es ist an der Zeit, dass sich endlich alle Institutionen an das Konzept halten.“ Das BMEL weist die Kritik zurück: „Deutschland leistet innerhalb der Europäischen Union einen herausragenden Beitrag für die Erforschung tierversuchsfreier Prüfmethoden“, sagt BMEL-Pressesprecher Christian Fronczak. Etwa mit einem eigenen Forschungsschwerpunkt „Ersatzmethoden zum Tierversuch“ und einer Zentralstelle, die diese Methoden erfassen soll.

Denn zum Schutz der Tiere sind nach aktueller Rechtslage Tierversuche in Deutschland nur erlaubt, soweit sie zu einem der nach dem Tierschutzgesetz erlaubten Zwecke unerlässlich sind. Vorher sei zu prüfen, ob der verfolgte Zweck nicht durch andere Verfahren erreicht werden kann.

Von Melanie Triesch

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