Transrapid unterm Hammer

Letzter seiner Art: Der TR 09, Transrapid für einen möglichen Einsatz in München, wurde am 17. April 2007 in Kassel von Mitarbeitern der ThyssenKrupp Transrapid GmbH auf einen Spezialtransporter Richtung Lathen verladen – hier die Bugsektion, 25 Meter lang und rund 50 Tonnen schwer. Archivfotos: dpa

Kassel/Lathen. Das Interesse am letzten Transrapid, mit dem deutsche Hersteller einst auf Magnefeldern in die Bahn-Zukunft entschweben wollten, ist verhalten: Nur eine einstellige Zahl möglicher Käufer - Stand Wochenende - will sich den rotweißen Flitzer immerhin mal ansehen.

Museumsleute darunter, aber auch Recycling-Firmen. Die Vebeg, Verwertungsfirma des Bundes, die den Transrapid 09 im Auftrag des Verkehrsministeriums versteigert, hat an zwei Tagen kommende Woche alle nach Lathen geladen. Medien sind nicht erwünscht.

Dort, an der verwaisten Teststrecke über moorigen Emsland-Wiesen, parkt der TR 09. Gebaut wurde er in Kassel, als Vorserienfahrzeug für den Einsatz zwischen Münchens Hauptbahnhof und Flughafen. Das Projekt wurde, wie alle anderen in Deutschland, nur geplant, nie gebaut.

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-Kommentar zum Transrapid-Verkauf

Der Vorgänger TR 08 war am 22. September 2006 auf der Teststrecke mit Tempo 170 gegen einen Werkstattwagen gedonnert - 23 Menschen an Bord starben. Sein Nachfolger fuhr von 2008 bis Ende November 2011. Dann wurde die Versuchsanlage dichtgemacht. Kein Geld mehr, hieß es vom Bund, alles sei getestet, von der Industrie. Gefahren wird die Transrapid-Technik bis heute nur als Flughafenzubringer der chinesischen Metropole Schanghai.

Sitzplätze für 156 Passagiere, bis Tempo 500 schnell, 170 Tonnen schwer, für fahrerlosen Betrieb gebaut: So bietet die Vebeg den TR 09 im Internet feil. Gegen Höchstgebot ist er in Teilen oder als 75 MeterGesamtpaket zu haben. Garantien gibt es keine mehr. Wer den Zuschlag erhält, muss den TR 09 nehmen, „so wie er in Lathen steht und liegt“, stellt die Vebeg klar.

Weiterfahren, ausstellen, als Ersatzteillager nutzen oder gar für den Schrottplatz zerlegen? Alles ist denkbar. Bieter sollen bitte ihre Pläne vorab aufdecken. Abbauen und wegschaffen muss der Käufer den Transrapid in Lathen selbst. Falls gewünscht, verkauft die Thyssenkrupp Transrapid GmbH ein Stück Fahrweg mit - als Präsentationsbühne für den Zug, wo auch immer.

Wie viel bringt so ein Stück Hightech-Industriegeschichte? Den Altmetallwert? Nur den berühmten symbolischen Euro? Abwarten, heißt es bei der Vebeg. Die Gebote würden erst mit Ablauf der Bieterfrist am 25. Oktober geöffnet. Sind Chinesen zur Bieter-Besichtigung angemeldet? Auch dazu kein Kommentar.

Lathens Bürgermeister Karl-Heinz Weber jedenfalls sprach am Rand der Gedenkfeiern zum Unglücks-Jahrestag über Anfragen chinesischer Investoren, Transrapidtechnik und Versuchsstrecke zu übernehmen und wiederzubeleben. Offiziell wisse man noch nichts, sagte Weber gestern. Falls nichts mehr geht, würde er den TR 09 gern für ein Museum in Lathen behalten. Am liebsten als Dauerleihgabe. Vielleicht bietet Lathen noch mit. „Mal sehen“, sagt Weber.

Hintergrund

Vebeg - Fast alles muss raus, außer Waffen

• Vom Weinpaket über Feldanzüge der italienischen Armee, Autos aller Art, Motorsägen, Ackerschlepper, tonnenweise Münzschrott aus D-Mark-Zeiten oder Bürocontainer: Die Vebeg-Treuhandgesellschaft in Frankfurt verkauft seit 1951 alles, was 12 000 Dienststellen von Bundeswehr, Bund, Länder und Kommunen loswerden wollen. Ausgenommen: Panzer, Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe und Waffen.

• Auch beim Transrapid, seit 2009 Bundeseigentum, geht es ums Höchstgebot. Verschenkt wird nichts, Rabatt gibt es auch keinen.

• Das Weinpaket, drei Flaschen St. Emilion Grand Cru, lag in der Liveauktion gestern Abend bei 51 Euro - bei Zuschlag heute abzuholen in Berlin. Vermutlich stammen die Flaschen aus der Vebeg-Abteilung „Regierungsgeschenke“, wie das Teeservice Vietnam, der Mantel Afghanistan oder die Metallskulptur Mutter Teresa (35 Zentimeter hoch). www.vebeg.de

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