Tschads Ex-Diktator muss lebenslang ins Gefängnis

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Tschads Ex-Diktator Hissène Habré muss lebenslang in Haft. Er wurde von einem Sondertribunal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter, Mordes und Zwangsprostitution für schuldig befunden. Foto: Stringer.

Ein Vierteljahrhundert hat es gedauert, bis Tschads ehemaliger Diktator Hissène Habré als Kriegsverbrecher verurteilt wurde. Die Entscheidung könnte ein wichtiges Zeichen für Gerechtigkeit auf dem afrikanischen Kontinent sein.

Dakar (dpa) - Tschads Ex-Diktator Hissène Habré ist wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Sondertribunal in der senegalesischen Hauptstadt Dakar befand Habré wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter, Mordes und Zwangsprostitution für schuldig.

Für Menschenrechtler ist dies ein historisches Urteil. Habré führte im Tschad von 1982 bis 1990 ein totalitäres Regime an.

Habré sei oftmals nicht nur persönlich in die Verbrechen involviert gewesen, er habe auch gewusst, dass sie unter seinem Regime stattfanden oder sie in Auftrag gegeben, urteilte Richter Gberdao Gustave Kam. Er habe sich selbst an Folter und Vergewaltigungen beteiligt. Der Richter nannte die Herrschaft Habrés ein "System von Straflosigkeit und Terror". Die Verteidigung hat nun 15 Tage Zeit, das Urteil anzufechten.

Menschenrechtler machen Habré für den Tod von 40 000 Menschen und für Zehntausende Fälle von Folter verantwortlich. Es dauerte ein Vierteljahrhundert, bis er sich wegen Kriegsverbrechen verantworten musste. Der 73-Jährige war in seiner Heimat im Jahr 2008 wegen eines Putsches in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Da der Tschad die Auslieferung Habrés nie beantragt hat, wurde der Senegal 2013 selbst aktiv.

Richter Kam betonte die enormen Auswirkungen von Habrés Verbrechen. Viele der Opfer würden noch heute darunter leiden. Habré habe die Repressionsorgane des Staates kontrolliert und sei in ihren täglichen Ablauf involviert gewesen.

Habré erschien im Gerichtssaal mit einem weißen Turban, der auch Teile seines Munds verdeckte, und trug eine Sonnenbrille. Er hörte den Ausführungen des Richters regungslos zu. Nach der Urteilsverkündung brach Jubel im Gerichtssaal aus. Auch vor dem Gerichtsgebäude weinten viele Opfer und deren Angehörige vor Freude.

Die US-Regierung begrüßte das Urteil als "Markstein im globalen Kampf gegen Ungestraftheit bei Gräueltaten". Die Entscheidung des Sondertribunals sei eine Botschaft an andere derartige Verbrecher, "sogar solche auf den höchsten Ebenen und einschließlich Staatsoberhäuptern, dass solche Handlungen nicht geduldet und sie zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte Außenminister John Kerry.

"Das Urteil ist ein Sieg für alle Opfer, die unermüdlich dafür kämpften, dass Hissène Habré nicht mit völkerrechtlichen Verbrechen davonkommt", erklärt Gaetan Mootoo von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Amnesty forderte die Afrikanische Union und andere afrikanische Staaten auf, auch in anderen Ländern auf dem Kontinent für Gerechtigkeit zu sorgen.

"Der heutige Tag wird in die Geschichte eingehen als Tag, an dem unermüdliche Überlebende ihren Diktator zur Rechenschaft gezogen haben", erklärte Reed Brody von Human Rights Watch auf Twitter. Die Tage, in denen Tyrannen brutal gegen ihr eigenes Volk vorgehen, plündern und schließlich in anderen Ländern im Luxus leben könnten, gingen zu Ende.

Knapp hundert Zeugen hatten seit Prozessbeginn ausgesagt und berichteten von Gräueltaten während Habrés Schreckensherrschaft. Habré ist der erste ehemalige Präsident, der sich wegen solcher Verbrechen vor einem Gericht in einem Staat Afrikas südlich der Sahara verantworten musste.

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