Der türkische Präsident Erdogan in Sankt Petersburg: Putins Trophäe

Viel wird geschrieben über die angebliche Seelenverwandtschaft des russischen Staatschefs Wladimir Putin und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Daran stimmt nur, dass beide sich persönlich aus Armut und kleinen Verhältnissen an die Spitze ihrer Staaten durchkämpften und zweifellos einem Bataillon von Spezialkräften mehr Überzeugungskraft zumessen als allen Stuhlkreisen bei den Vereinten Nationen.

Staaten haben keine Freunde, sie haben Interessen. Aber auch wenn Putin und Erdogan neuerdings wieder gemeinsame Interessen entdecken, so ist doch klar, dass die Türken in Russland keinen neuen strategischen Partner finden werden. Zu groß sind die Interessengegensätze, zu wirkmächtig die historischen Konfliktlinien im Kaukaus, rund ums Schwarze Meer wie auch in Nah- und Mittelost. Erdogan kann in St. Petersburg bestenfalls auf Zugeständnisse hoffen. Putin wird sie großzügig vom Tisch fallen lassen, in Zeitlupe.

Der türkische Präsident ist es gewohnt, den Einsatz ständig zu erhöhen, um in der nächsten Runde höchstens ein Unentschieden zu erzielen. So verspielte er Frieden, Aufschwung und internationales Ansehen, führte sein Land in einen Bürgerkrieg und muss heute darum kämpfen, wenigstens etwas von dem angerichteten Schaden wieder gut zu machen. So kommt es, dass er sich nun am Lieblingssitz des Zaren ebenso als politische Trophäe vorführen lassen muss, wie er selbst das unlängst mit der um ihren Flüchtlingspakt barmenden Bundeskanzlerin Angela Merkel in Istanbul tat. Putin kann am Dienstag in St. Petersburg viel gewinnen, Erdogan viel verlieren.

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