Bürgerkriegsland Syrien

Aus Protest: UN brechen Sitzung von Syrien-Gruppe ab

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Seit Fünf Jahren herrscht in Syrien Krieg. Inzwischen sind ganze Städte von internationaler Hilfe abgeschnitten.

Genf - Die UN fordern eine Unterbrechung der Kämpfe in Syrien. Schon seit einem Monat konnte kein Hilfskonvoi mehr passieren. Zugleich prangert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International grausame Foltermethoden an. 

Nach nur acht Minuten erklärte Staffan de Mistura heute in Genf eine Sitzung der UN-Arbeitsgruppe für die humanitäre Hilfe in Syrien für vorzeitig beendet.

Seit einem Monat konnte kein Hilfskonvoi passieren

Damit werde die UN-Forderung nach freiem Zugang für Helfer zu Hunderttausenden notleidenden Menschen in umkämpften Städten und Regionen betont, erklärte De Mistura. Die zeitweilige "Suspendierung" der Arbeitsgruppe sei mit Blick auf den Welttag der humanitären Hilfe an diesem Freitag (19.8.) erfolgt.

"Nicht ein einziger Hilfskonvois hat seit einem Monat eines der belagerten Gebiete erreichen können", sagte De Mistura vor Reportern. Beratungen humanitärer Experten machten wenig Sinn, wenn es "keine Aktionen" vor Ort gebe, die Zugang zu Notleidenden ermöglichen. Die Konfliktgegner würden offenbar "nur noch kämpfen wollen". Zugleich bekräftigte De Mistura die UN-Forderung nach einer mindestens 48-stündigen Waffenruhe für die umkämpfte Stadt Aleppo.

Amnesty: Zehntausende starben in den Gefängnissen

Zugleich prangert Amnesty grausame Folter in syrischen Gefängnissen an: Schläge, Elektroschocks, Vergewaltigungen und Verbrennungen seien an der Tagesordnung. Tausende Häftlinge sind in den Gefängnissen der syrischen Regierung laut Menschenrechtsaktivisten grausam misshandelt und zu Tode gefoltert worden. 

In einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International schildern frühere Gefangene eindringlich die Foltermethoden und katastrophalen Haftbedingungen. Nach Amnesty-Angaben starben seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor knapp fünfeinhalb Jahren fast 18.000 Menschen in den Gefängnissen der Regierung. Der Bericht dokumentiert laut Amnesty "anhand der Aussagen von 65 Folter-Überlebenden das erschreckende Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen in den Haftanstalten der syrischen Geheimdienste und in den Gefängnissen der syrischen Regierung". Seit 2011 seien Schätzungen zufolge in den Haftanstalten 17.723 Menschen durch Folter, Misshandlungen und katastrophale Haftbedingungen ums Leben gekommen. 

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Diese "systematischen und weit verbreiteten Übergriffe auf Zivilisten" seien "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte Amnesty. Die früheren Gefangenen schilderten brutale Rituale wie die "Willkommensparty", bei der Neuankömmlinge in den Gefängnissen von den Wärtern mit Eisenstangen, Plastikknüppeln oder Elektrokabeln geschlagen werden. 

Elektroschocks, Verbrennungen und Schläge

Der Bericht enthält auch detaillierte Schilderungen verschiedener Foltermethoden. Einige Gefangenen wurden demnach mit heißem Wasser verbrüht oder mit brennenden Zigaretten verletzt. Anderen wurden Elektroschocks verabreicht, während sie mir ihren Füßen im Wasser standen.

 Einige der Foltertechniken haben sogar feste Bezeichnungen: Beim "fliegenden Teppich" werden der Rücken und die Beine des Häftlings auf zwei Holzlatten festgeschnallt, zwischen denen der Gefangene dann mit Gewalt regelrecht eingequetscht wird. Bei der "Reifen"-Folter werden die auf dem Boden hockenden und an Händen gefesselten Opfer in einen Autoreifen gezwängt und dann geschlagen. Die Häftlinge wurden nach eigener Aussage für die kleinsten Vergehen bestraft. Schon ein unerlaubtes Gespräch oder Schmutz in der Zelle nahmen die Wärter demnach zum Anlass, um sie zu schlagen oder anderweitig zu quälen. "Sie haben uns wie Tiere behandelt", sagte einer der Ex-Häftlinge.

dpa/AFP

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