Wegen angeblich mangelnder Sicherheitsvorkehrungen

Vater des Todesschützen macht Club für Anschlag mit verantwortlich

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Seddique Mateen, Vater des Todesschützen von Orlando, spricht mit der Presse.

Orlando - Was wusste die Frau des Orlando-Attentäters von seinen schrecklichem Plan? Sie sieht einer Anklage entgegen. Während sein Vater dem Club eine Mitschuld gibt, könnte Bewegung in das Waffenrecht kommen.

Nach dem Massaker von Orlando konzentrieren sich Polizei und Justiz auf die Frau des Attentäters. Sie hatte Ermittlern gesagt, von dem Anschlagsplan gewusst zu haben. Nach Angaben des Senders Fox muss sie mit einer Anklage rechnen und erklären, warum sie ihren Mann weder aufgehalten noch Sicherheitskräfte von seinen Plänen informiert hat.

Seddique Mateen, der Vater des Todesschützen, machte den Club für den Anschlag mitverantwortlich. Er äußerte sich in mehreren Interviews zu dessen seiner Ansicht nach mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen.

SkyNews sagte er: „Wenn dort 300 bis 400 Menschen hinkommen, sollten sie gute Sicherheitsmaßnahmen haben. Wenn sie gute Sicherheitsmaßnahmen gehabt hätten, hätte er (der Attentäter) nicht diese Möglichkeit gehabt.“

Er frage sich auch, warum die Polizei so spät eingegriffen habe und „ihn so spät neutralisiert habe“, sagte Seddique Mateen. Er teile aber die Trauer über die Opfer, sagte er.

27 Menschen werden noch behandelt

Omar Mateen (29) hatte in der Nacht zum Sonntag in dem Club für Homosexuelle 49 Menschen erschossen und 53 verletzt, bevor er von der Polizei getötet wurde. Derzeit werden noch 27 Menschen behandelt, meist wegen Schusswunden. Sechs Menschen ringen noch mit dem Tod, sagten Ärzte.

CNN berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Ermittler, der Schütze habe während der Tat bei einem lokalen Fernsehsender angerufen. Möglicherweise telefonierte er auch mit seiner Frau, aber das ist unklar.

In einem von insgesamt drei Telefonaten mit der Polizei bekannte sich Mateen während der Tat zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das FBI hat keinerlei Hinweis darauf, dass der Anschlag von einem internationalen terroristischen Netzwerk gesteuert war.

"Pulse" als Tatort nur zweite Wahl?

Mit Blick auf die Frau des Attentäters gibt es auch Berichte, wonach das „Pulse“ nur dessen zweite Wahl gewesen war und er es eigentlich auf das Disneyland in Orlando abgesehen hatte.

Noor Mateen sagte laut mehreren Medienberichten, sie habe ihren Mann einmal ins „Pulse“ gefahren, er habe diesen Club auskundschaften wollen. Das könnte die Frau neben der Mitwisser- auch der Mittäterschaft schuldig machen.

Der 29-Jährige Täter soll vor der Tat häufiger zu Gast in dem Club gewesen sein. Aus welchen Gründen Mateen vor der Tat dort war, ist offen. Er soll auch eine Dating-App für Schwule genutzt haben.

Obama: Verbot zu "kriegsähnlichen Waffen" erneuern

Dem Massaker folgt eine selten scharfe Debatte über den Umgang mit Muslimen und das Selbstverständnis der USA. Präsident Barack Obama kritisierte ungewöhnlich heftig den voraussichtlichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump für dessen Reaktion auf Orlando. Er bezeichnete seine Geisteshaltung als gefährlich. Vieles erinnere an die dunkelsten Stunden Amerikas, sagte Obama.

Auch die Diskussion über das Waffenrecht flammte neu auf. Obama forderte, das Verbot von „kriegsähnlichen“ Waffen wie dem in Orlando verwendeten Gewehr zu erneuern. Demokratische Abgeordnete forderten vehement strengere Richtlinien für den Erwerb und das Tragen von Schusswaffen.

50 Tote nach Blutbad in US-Schwulenclub - Bilder

Da die Republikaner im Kongress aber die parlamentarische Mehrheit haben und die USA in einem Wahljahr sind, sind Änderungen im Waffenrecht kaum zu erwarten.

Allerdings twitterte Trump am Mittwoch, er wolle sich mit der mächtigen Waffenlobby NRA treffen: Dabei wolle er darüber sprechen, auf einer Terror- oder Flugverbotsliste geführten Menschen nicht mehr zu erlauben, Waffen zu kaufen. Das wäre, wenn es denn so kommt, ein bemerkenswerter Schwenk von Trumps bisherigen Haltung. Obama fordert dieses „No Fly, No Buy“ seit langem, kommt damit aber angesichts der politischen Mehrheiten nicht durch. Die NRA unterstützt Trump.

dpa

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