Verschwinden wurde nie geklärt

Diese Kinder werden seit Jahren vermisst

Seit dem 15. Dezember 1972 vermisst: Sabine Morgenroth. 

Wiesbaden/Hannover. Der Blick auf die schwarz-weißen Bilder der verschwundenen Mädchen aus Hessen zeigt, wie lange sie schon vermisst werden. Von ihnen fehlt jede Spur.

Bundesweit gab es zum 1. April 1660 Fälle von vermissten Kindern unter 14 Jahren - mit dem gestrigen Internationalen Tag der vermissten Kinder soll auf Schicksale und aktuelle Probleme aufmerksam gemacht werden.

Aref

Erst kürzlich bewegte das Verschwinden des fünfjährigen Aref, der mit seiner Familie in Wanfried lebte, viele Menschen in der Region. Nachdem man zunächst von einem Unglücksfall ausging, schließt die Polizei nun auch eine Entführung nicht mehr aus.

Während die meisten Kinder nach kurzer Zeit wieder auftauchen, lassen sich einige Schicksale nie aufklären. Sie gehören für die Polizei zu den sogenannten „Cold Cases“, bei denen ein Gewaltverbrechen vermutet wird, aber nach einem Jahr keine Ermittlungsergebnisse vorliegen.

In Niedersachsen zählte das Landeskriminalamt (LKA) 2014 sieben Fälle von verschwundenen Jungen und Mädchen, zu deren Verbleib bisher jede Erkenntnis fehlt. In Hessen beschäftigen drei Fälle die Ermittler seit Jahrzehnten. Insbesondere diese Fälle konnten wir mithilfe des LKA genauer darstellen.

Sabine Morgenroth:

Der Fall von Sabine Morgenroth ist der älteste Fall eines vermissten Kindes in Hessen, der nicht abgeschlossen werden konnte. Wie bei den anderen Kindern auch, nehmen die Ermittler ein Gewaltverbrechen an. Die zwölfjährige Sabine verlässt am 15. Dezember 1972 gegen 14.30 Uhr die Wohnung der Eltern in Wiesbaden. Die Mutter gibt bei der Vermisstenmeldung an, dass ihre Tochter eine Freundin besuchen wollte - dort ist sie aber nie angekommen. Die Polizei fahndet mithilfe der Öffentlichkeit, die Familie begibt sich auf die Suche. Doch bis heute fehlt jede Spur von Sabine Morgenroth.

Silvia de Vlaeminck:

Auffällig bei allen vermissten Kindern sei der schwierige soziale Hintergrund der Familien gewesen, sagt Susanne Wolf, Leiterin der Vermisstenstelle Hessen. Die elfjährige Silvia war das zweitjüngste von insgesamt zehn Kindern. Der Polizei war sie schon als Streunerin bekannt. 

22. Juli 1983: Es sind Sommerferien. Silvia verlässt die Wohnung der Mutter in Fulda. Die Mutter geht davon aus, dass ihre Tochter die Ferien bei einer Freundin verbringt, mit deren Familie in den Urlaub fährt. Als die Ferien zu Ende gehen, Silvia aber nirgendwo auftaucht, meldet die Mutter sie als vermisst. 

Annika Seidel:

Annika Seidel ist am 10. September 1996 gegen 17.15 Uhr mit ihrer Mutter in der Innenstadt von Kelkheim unterwegs, dort lebt die Familie. Sie wollen bei einer Lottoannahmestelle einen Lottoschein abgeben. Auf dem Rückweg nach Hause trennen sich die Wege der Mutter und der elfjährigen Annika gegen 17.50 Uhr auf Höhe des Bahnhofs Kelkheim. Annika überquert den Fußgängerüberweg in der Bahnhofstraße. Sie hat ihrer Mutter zuvor gesagt, im Zoocenter in der Feldbergstraße ein Flohmittel für ihren Hund kaufen zu wollen. Als Annika abends nicht auftaucht, wird sie als vermisst gemeldet.

Katrin Konert:

Vermisst seit dem 1. Januar 2001: Katrin Konert. 

In Niedersachsen gilt seit dem Neujahrstag 2001 die damals 15-jährige Katrin Konert aus Groß Gaddau bei Lüchow als vermisst. Am 1. Januar 2001 hat sie sich heimlich mit ihrem 15 Jahre älteren Freund getroffen, schildert die Polizei. Sie ist von ihm und einem Bekannten mit dem Auto zu Hause in Groß Gaddau abgeholt worden. Gemeinsam fahren die drei zu ihrem Freund nach Bergen an der Dumme, einem Flecken der Samtgemeinde Lüchow. Gegen 18 Uhr verabschiedet sie sich und versucht, jemanden zu erreichen, der sie abholen kann. Katrin Konert kommt allerdings nie zu Hause an.

Hintergrund:

Zahlen aus Hessen und Niedersachsen

• In Hessen werden derzeit 158 Kinder gesucht. 2015 wurden 258 Kinder als vermisst gemeldet, 214 von ihnen kehrten wieder zurück. 44 gelten noch als vermisst, teilte das LKA mit. Darunter befinden sich viele minderjährige Flüchtlinge, die auf eigene Faust den Wohnort gewechselt haben.

• In Niedersachsen gelten 176 Kinder (bis 13 Jahre) derzeit als vermisst. Bei den Jugendlichen (14 - 17 Jahre) sind es 660.

• In Hamburg forderte der Weiße Ring, ein europaweiter Alarmsystem zur Suche nach Kindern. In Deutschland hinke man in Sachen Alarmsystem anderen hinterher, so ein Sprecher. 

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