Nachfolge des Präsidenten geregelt

Volksbund richtet den Blick nach vorn

Neuer Präsident: Wolfgang Schneiderhan. Foto: dpa

Göttingen. Einen Tag nach dem Rücktritt seines Präsidenten Markus Merkel stellte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dessen Nachfolger vor: Der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur und stellvertretende Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan (70) übernimmt den Posten kommissarisch.

Vorangegangen war ein monatelanger öffentlicher Machtkampf zwischen Meckel und der Generalsekretärin der Organisation mit Sitz in Kassel, Daniela Schily. Mit seinem Rücktritt am Donnerstag war Meckel einer Abwahl zuvorgekommen.

Am Rande des außerordentlichen Bundesvertretertages in Göttingen wehrten sich Vertreter des Volksbundes gegen die Vorwürfe Meckels, die Organisation sperre sich gegen Reformen und ihre Entwicklung zu einem kritischen Akteur in der europäischen und deutschen Erinnerungskultur. „Wir wollen betonen, dass es mit Markus Meckel inhaltlich keine wesentlichen Dissensen gab“, betonte Vizepräsident Richard Reisinger. Das Problem sei Meckels Führungsstil gewesen. „Er hat von Beginn an Alleinentscheidungen getroffen.“ Kompromisse seien mit Meckel nicht möglich gewesen. Generalsekretärin Daniela Schily bestätigte diese Probleme: „Es hieß immer, wir machen das so, wie ich (Meckel) es gesagt habe“. Intrigen gegen Meckel habe es keine gegeben, sagte Reisinger. Im Gegenteil habe man ihm mehrfach Versöhnungsangebote gemacht.

Nun wolle der Volksbund nach vorne sehen. „Hier hat heute eine konstruktive Aufbruchstimmung geherrscht, die beeindruckend war“, sagte Reisinger.

Die Organisation werde ihren Reformprozess vorantreiben, betonte der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen, Rolf Wernstedt. Der Bundesvertretertag habe einstimmig eine Göttinger Erklärung angenommen, weil er dem Eindruck widersprechen müsse und wolle, „dass der Volksbund in reaktionäre Bahnen zurückgelenkt werden soll.“ Die Organisation arbeite seit Jahrzehnten an Jugendprojekten und werde ihre pädagogische Arbeit fortsetzen. Sie solle zu einem aktiven Akteur der Erinnerungslandschaft werden.

Schneiderhan – selbst nicht in Göttingen anwesend – ließ mitteilen, dass er den Kurs des Volksbundes unterstützt: „Ich möchte keinen Zweifel daran lassen, dass der aktuelle Reformprozess für den Volksbund notwendig und wichtig ist“. Ein neuer Präsident soll Ende 2017 beim nächsten Bundesvertretertag gewählt werden.

Auch zur finanziellen Lage der Organisation nahm der Volksbund Stellung. Der Jahresabschluss 2015/16 sei ausgeglichen. Gleiches werde auch für das laufende Jahr erwartet, sagte Schatzmeister Michael Breuer. Dennoch stehe die Organisation vor der Herausforderung, der demografischen Entwicklung ihrer Mitglieder entgegenzuwirken.

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