AfD-Sympathisanten zurückgewinnen

Wagenknecht: "Müssen glaubwürdige Stimme des Protests sein"

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Sahra Wagenknecht

Berlin - Miese Umfragewerte und harte Konkurrenz durch die AfD - die Linke kehrt nach dem Sommer mit reichlich Problemen auf die große Bühne zurück. Frontfrau Wagenknecht schwört die Partei zum Kampf ein.

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht will AfD-Sympathisanten mit klarem Sozialkurs und kritischer Flüchtlingspolitik für ihre Partei zurückgewinnen. Von Umfragen solle sich die Linke nicht entmutigen lassen, sagte Wagenknecht wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Presse-Agentur. Hier war die Partei zuletzt von Werten bis zu 20 auf 13 bis 14 Prozent abgesackt, während die AfD auf 21 Prozent kommt. Bis Donnerstag berät die Bundestagsfraktion der Linken in Hannover ihr Programm für die kommenden Monate.

„Wichtig ist, dass die Menschen spüren, dass wir die Alternative sowohl zu Angela Merkel als auch zum profillosen Kurs der SPD sind“, sagte Wagenknecht. „Natürlich müssen wir eine glaubwürdige Stimme des Protests gegen die herrschende Politik sein, gerade wenn wir nicht wollen, dass Menschen am Ende aus Verzweiflung AfD wählen.“

Wagenknecht sagte: „Mir schreiben viele Bürger, die sich ohnmächtig und von der Politik seit Jahren im Stich gelassen fühlen.“ Manche dächten darüber nach, AfD zu wählen, nicht, weil sie deren Programm gut fänden, sondern, um ihre Wut auszudrücken. „Diese Menschen müssen wir für die Linke zurückgewinnen.“

Kanzlerin Merkel (CDU) habe vor einem Jahr die Grenzen geöffnet, aber sie tue nichts für die Integration. „Manche Menschen haben immer noch den Eindruck, dass auch wir hinter Merkels Flüchtlingspolitik stehen. Das ist ein großer Irrtum“, betonte Wagenknecht. Menschen nach Deutschland einzuladen und dann Kommunen und Ehrenamtliche mit den Problemen weitgehend allein zu lassen, sei keine linke Politik.

Wagenknecht verteidigte ihre umstrittenen Äußerungen, nach denen auch auf „Gefahrenpotenziale“ durch Flüchtlinge geachtet werden müsse. „Ich spreche die Themen an, die die Menschen bewegen, unabhängig davon, was die AfD dazu sagt“, sagte sie. „Nach den Anschlägen im Sommer sind viele Menschen verunsichert und haben Angst.“ Vom Staat erwarteten sie Antworten, wie er ihre Sicherheit gewährleisten könne.

„Ich war in Flüchtlingsheimen und habe da mit syrischen Flüchtlingen gesprochen“, sagte sie. „Sie sitzen dort monatelang, dürfen nicht arbeiten und haben oft noch nicht mal die Chance, Deutsch zu lernen.“ Die Menschen hätten sie gefragt, warum Frau Merkel sie eigentlich eingeladen habe. „Da wächst unglaublicher Frust, der leicht einer islamistischen Radikalisierung den Boden bereiten kann“, mahnte Wagenknecht. „Es wäre töricht, solche Probleme wegzureden - und es ausgerechnet der AfD zu überlassen, sie zu thematisieren.“

Wenn Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sage, die Flüchtlingszahlen müssten reduziert werden, „dann sollte er endlich aufhören, mit der bisherigen Großzügigkeit Waffenexporte in Kriegs- und Spannungsgebiete zu genehmigen“, forderte die Politikerin. „Denn so werden immer mehr Menschen in die Flucht getrieben.“

Die zentrale politische Frage bleibe die ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen. „Selbstverständlich bleibt es das wichtigste Thema, den sozialen Zerfall in Deutschland zu stoppen“, so Wagenknecht. „Auch wenn andere Parteien zur Zeit lieber über Burkas und angeblich notwendige Hamsterkäufe diskutieren“.

Zu früh sei es für die Klärung der Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl. „Über unsere Spitzenkandidaten werden wir im Herbst entscheiden“, kündigte Wagenknecht an.

dpa

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