EU-weites Schutzsiegel - Was in das Rezept reingehört

Zusammensetzung von Grüner Soße geschützt- Noch keine Kontrollen

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Leckeres Gericht: Frankfurter Grüne Soße mit Eiern. Die Soße trägt das EU-Gütezeichen „geografisch geschützte Angabe“.

Frankfurt/Kassel. Die Grüne Soße ist für die Hessen ein Kulturgut, um die richtige Zubereitung und Rezeptur gibt es Grabenkämpfe zwischen Nord- und Südhessen.

Und über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. Die Frankfurter Grüne Soße („Grie Soß“) wurde Anfang des Jahres von der EU unter die Lupe genommen. Mit einem für die Südhessen sensationellem Ergebnis: Name und Zutaten wurden EU-weit anerkannt, die Soße trägt das Gütezeichen „geografisch geschützte Angabe“.

Nur: Bislang kann nicht überprüft werden, ob die strengen Vorgaben der EU überhaupt eingehalten werden. „Wir sind noch dabei, die Richtlinien für die Kontrollen zu erarbeiten,“ sagt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen. Die Verleihung des EU-Schutzsiegels im Frühjahr sei letztlich überraschend gekommen, auch wenn recht lange darauf gewartet worden sei.

Die Behörde hatte bereits kurz nach der Verleihung im März regelmäßige Überprüfungen angekündigt. Den EU-Vorgaben zufolge müssen zum Beispiel die sieben Kräuter für die Soße in Handarbeit in ein blickdichtes Spezialpapier eingeschlagen werden. Auch müssen Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse, Pimpernelle, Borretsch und Sauerampfer in einem vorgegebenen Mengenverhältnis zueinander stehen, zudem müssen sie aus Frankfurt oder einem von 21 Nachbarorten kommen. Nur Petersilie darf in Ausnahmefälle aus anderen Gebieten geholt werden.  

Keine Kräuterart darf mit mehr als 30 Prozent vertreten sein. Nicht eingemischt haben sich die EU-Juristen in den uralten Streit, was außer den Kräutern in die Soße gehört. Ob mit Mayonnaise, Schmand, Eiern oder Senf bleibt weiter dem Geschmack jedes einzelnen überlassen. Die Prüfungen können nun frühestens im nächsten Jahr starten.

Bereits im Jahr 2011 wollten die Frankfurter Gärtner ihre Grüne Soße rechtlich schützen lassen. Sie einigten sich vor dem Patentgericht mit einem Berliner Tiefkühlkost-Hersteller auf einen Vergleich. Schon damals wurde bestätigt, dass die Kräuter aus der Rhein-Main-Region stammen müssen.

Heiß geliebt haben die Frankfurter ihre Grie Soß schon immer. Der Legende nach soll sie Johann Wolfgang von Goethe zu seinem Leibgericht erkoren haben.

Grüne Soße in Nordhessen:

Im Gegensatz zur Grünen Soße in Südhessen, die wirklich grün ist, hat die Soße in Nordhessen eine weiße Farbe. Sie wird „Griene Sose“ genannt. Auch hier werden sieben Kräuter hinzugegeben, nämlich Borretsch, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Je nach Variante kommen Dill und Zitronenmelisse hinzu. Kerbel und Kresse werden für die Grüne Soße in Nordhessen nicht verwendet.

Grundstoff der hiesigen Grünen Soße sind ein Teil Schmand und zwei bis drei Teile Saure Sahne, zu denen die gehackten Kräuter mit ebenfalls gehackten gekochten Eiern und wenig Öl und Essig zugegeben werden. Die Soße wird traditionell zu Salzkartoffeln, Pell- oder Backkartoffeln gereicht.

Zutaten:

In die Frankfurter Grüne Soße (mundartlich Grie Soß oder Grie Sos) gehören traditionell sieben Kräuter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Hinzu kommen Sauerrahm, Naturjoghurt, Zucker und Senf.

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