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Das läuft falsch beim KSV Hessen - eine Analyse

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Kassel. Derzeit diskutiert der Aufsichtsrat des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel die Empfehlung aus dem Beirat, Geschäftsführer Giuseppe Lepore zu entlassen. In diesem Vorgang werden viele Probleme sichtbar, die der Verein derzeit hat. Eine Analyse:

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Dirk Lassen.

Dass die Diskussion im Aufsichtsrat über Lepores Zukunft an die Öffentlichkeit gelangte, hatte bereits personelle Konsequenzen: Mit Matthias Hartmann trat ein Mitglied dieses Gremiums zurück. Weil jemand geredet hat. Das ist meist so, wenn kontrovers diskutiert wird und Interessen aufeinanderprallen. Beim KSV sieht es derzeit so aus, als fänden Indiskretionen gezielt statt. Im konkreten Fall lassen sie darauf schließen, dass ein Interesse Einzelner besteht, Lepore weiter zu beschädigen – mit dem Ziel, seine Entlassung herbeizuführen. Die Lage im Aufsichtsrat ist nach Informationen unserer Zeitung längst nicht so eindeutig gegen Lepore wie ursprünglich vermittelt.

Zurückgetreten: Matthias Hartmann.

Eine vernünftige Diskussion im Aufsichtsrat über die durchaus wichtige Personalfrage ist nun kaum noch möglich. Der Rücktritt Hartmanns beweist das. Von einem starken Gremium kann keine Rede mehr sein. Einer, der sich profiliert, um die Lücke eines Jens Rose zu füllen, ist nicht in Sicht. Einer, der auch mal ein klares Wort spricht, ebenfalls nicht. Womit wir bei Punkt 2 sind.

2. Falsches Schweigen:

Viel Reden ist manchmal falsch. Schweigen kann es allerdings auch sein. Beim KSV versuchen sie aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres, als die öffentliche Darstellung teilweise mangelhaft war, Schlüsse zu ziehen – und machen nun den Fehler, ins krasse Gegenteil zu verfallen. Wer in den vergangenen Monaten nach Stellungnahmen fragte bei den Löwen, der bekam selten Antworten. Außer: „Haben Sie Verständnis, dass ich dazu nichts sage.“

Wo ein offenes Wort nötig wäre, wird lieber verschleiert. Das führt dann zu abenteuerlichen Hin- und Hers wie bei der wochenlangen Trainersuche Ende letzten Jahres. Und fällt prompt auf den Klub zurück, wie bei der Entlassung des Reserve-Coaches Nico Steffen. Mitglieder und Fans haben auch ein Recht darauf zu erfahren, was eigentlich los ist bei ihrem Verein. Das sagt ihnen aber niemand, weshalb sich viele abwenden. Auch jetzt stellt sich die Frage, warum etwa Aufsichtsratschef Dirk Lassen nicht Rede und Antwort steht zu dem, was grad passiert.

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3. Viele Einflüsse:

Die Empfehlung, Lepore zu entlassen, kommt vom achtköpfigen Beirat. Dagegen ist nichts zu sagen. Allerdings bringt der Aufsichtsrat offenbar nicht die Kraft auf, selbst eine Entscheidung herbeizuführen. So entsteht der Eindruck, dass der Beirat die Politik mitbestimmt. Hauptsponsor VW bestimmt offiziell nicht mit, hat aber klare Ansprüche. Auch der externe Marketing-Dienstleister Joe Gibbs redet mit. So gibt es jede Menge unterschiedliche Anforderungen und Interessen. Derzeit schadet das einem Klub, der auf der Suche nach sich selbst ist, extrem.

4. Geschwächter Geschäftsführer:

Geschäftsführer: Giuseppe Lepore.

Giuseppe Lepore ist der einzige Hauptamtliche in der Führungsriege des KSV. Er hat eine wichtige Position, die nun noch geschwächter ist als ohnehin schon. Einiges hat er sich selbst eingebrockt: falsche Personalentscheidungen vor der Saison, misslungene Auftritte in der Öffentlichkeit, die Versuche, eigene Leute unterzubekommen – etwa auf die Position des Sportlichen Leiters. Deshalb ist es legitim, wenn sich der Aufsichtsrat Gedanken macht. Es macht wenig Sinn, ihn die Zukunft planen zu lassen, wenn er selbst nicht mehr Teil dieser Zukunft sein soll. Nur: Nach außen hin müsste Lepore so lange vorbehaltlos gestützt werden, bis eine Entscheidung gefallen ist.

Mangelnden Einsatzwillen kann ihm niemand vorwerfen. Viele seiner Aufgaben waren auch Aufgaben, die eigentlich ein Sportlicher Leiter hat – ob gewollt oder ungewollt. Rückendeckung jedenfalls ist etwas, das der 38-Jährige nie erfahren hat beim KSV. Einzig der Hauptsponsor lobt seine Arbeit in der Geschäftsstelle.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

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