Kassel. Es war ein Fußball-Nachmittag im Kasseler Aue-stadion, wie man ihn noch vor kurzer Zeit kaum für möglich gehalten hätte. Die Fans sangen am Spielende: „Oh, wie ist das schön“. Die Mannschaft wurde mit donnerndem Applaus verabschiedet. Und der Gästetrainer sprach hinterher davon, „dass wir heute auf eine echte Spitzenmannschaft getroffen sind“.
Was umso bemerkenswerter ist, weil Konrad Fünfstück die Mannschaft trainiert, die bisher „spitze“ gewesen ist. Tabellenführer. An diesem Nachmittag aber bekam die SpVgg Greuther Fürth II ihre Grenzen aufgezeigt. Von einem Gegner, der von der ersten Minute an brannte. „Unsere Marschroute war, ein schnelles Tor zu erzwingen“, berichtete Patrick Wolf später. Der Verteidiger erzielte diesen Treffer nach sechs Minuten. Am Ende hatte seine Mannschaft, der KSV Hessen Kassel, einen deutlichen 4:0 (3:0)-Erfolg herausgeschossen. Mit dem dritten Sieg in Folge rückten die Löwen in obere Tabellenregionen vor. Und vor allem: Sie taten viel dafür, Sympathien zu erobern. „Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können“, freute sich Wolf. Trainer Christian Hock sah das genauso: „Heute war ich von der ersten bis zur letzten Minute zufrieden.“
Das durfte er auch sein. Der KSV spielte die vielleicht besten 45 Minuten dieses Jahres. Er war kampfstark. Er störte den Gegner beim Spielaufbau. Er gewann reihenweise Zweikämpfe und Laufduelle. „Wir waren von Beginn an einfach hellwach“, konstatierte Tobias Damm. Für den Stürmer die Folge eines Lernprozesses. „Nach der Niederlage in Alzenau haben wir uns viele Gedanken gemacht“, erzählt er.
Die Löwen spielten richtig gut. René Ochs wirbelte auf dem linken Flügel. Tobias Damm war im Sturmzentrum pfeilschneller Unruheherd. Enrico Gaede ordnete und beruhigte im Mittelfeld. Und mit Gaede als Entlastung im Rücken zeigte auch Andreas Mayer viel mehr Ruhe und Übersicht, glänzte als Torschütze und Vorlagengeber.
Wolfs schnelles Führungstor nach Ochs’ Vorarbeit ließ Mayer mit einem sicher verwandelten Elfmeter - Christopher Nguyen war gefoult worden - das 2:0 folgen (23.). Das Tor, das die ganze Stärke des KSV zeigte, war aber das 3:0. Mayer erkämpfte sich im Mittelfeld den Ball, ließ einen langen Pass folgen. Damm schüttelte im Laufduell seinen Gegenspieler ab und ließ auch Torhüter Sebastian Vogl aussteigen. Das war nach 35 Minuten die Entscheidung.
Die Gastgeber fanden im zweiten Durchgang auch den Mittelweg, angesichts der folgenden Englischen Woche das Tempo herauszunehmen und trotzdem weiter Chancen herauszuspielen. Zu einem weiteren Tor reichte es auch noch. Wieder spielte Mayer einen langen Pass, diesmal auf den eingewechselten Viktor Riske. Der traf am hinteren Pfosten sicher zum 4:0-Endstand (78.). „Die Mannschaft hat sich gefunden“, bilanzierte Christian Hock. Und sie will weitere Taten folgen lassen. Tobias Damm jedenfalls versprach: „Wir werden uns nicht ausruhen. Wir wollen unbedingt nachlegen.“
Von Frank Ziemke
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