Grossapach. Zum Desaster entwickelte sich der Auftritt von Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel bei der SG Sonnenhof Großaspach. Die Löwen waren beim Überraschungsteam der Liga alles andere als bissig, machten eher einen mitleiderregenden Eindruck und zogen mit 1:6 den Kürzeren.
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Kassels Interimstrainer Holger Brück war nach dem Spiel restlos bedient: „Alles, was wir uns vorgenommen hatten, hat gefehlt. Es war enttäuschend, wie wir uns haben abschlachten lassen.“ Entschuldigungen wollte er nicht gelten lassen – auch nicht den Hinweis auf die vielen Verletzten, zu denen sich noch Michael Zepek mit Rückenproblemen und Viktor Riske gesellten, der sich beim Warmmachen an der Leiste verletzte. „Man kann sich trotzdem anders präsentieren und mehr wehren“, sagte Brück.
Ähnlich äußerte sich gestern auch Torwart Sven Hoffmeister, der erneut den Vorzug vor Erik Domaschke erhielt und mittlerweile festgestellt hat: „Sechs Tore in einem Spiel habe ich in der Regionalliga noch nie kassiert.“ Dass es jetzt passiert ist, ärgert ihn maßlos: „Man kann verlieren, aber nicht so.“
Vor 1150 Zuschauern in Großaspach war erst eine knappe halbe Stunde gespielt, als die Hausherren bereits mit 3:0 führten. Die Sonnenhof-Kicker zeigten bei ihrer Gala noch einmal all die Qualitäten, die sie in dieser Saison bislang so stark machen. Sie übernahmen das Kommando, ließen Kassel nicht zur Entfaltung kommen. Innerhalb kurzer Zeit sorgten sie mit drei Toren Mitte der ersten Halbzeit für die Entscheidung.
Obwohl die Großaspacher nach der Halbzeit einen Gang zurückschalteten, schlugen sie noch zweimal zu, ehe in der 82. Minute der KSV zum Ehrentreffer kam. Nach einem Eckball staubte Nazif Hajdarovic zum 1:5 ab. „Nur noch fünf“, skandierten die KSV-Fans.
Den Schlusspunkt setzte aber Großaspach. Oguz Dogan scheiterte in der 88. Minute noch am gut reagierenden Hoffmeister, doch Shqiprim Binakaj traf im zweiten Versuch zum 6:1 ins lange Eck. Ein Ergebnis und eine Leistung, für das und für die auch Kapitän Andreas Mayer gestern keine endgültige Erklärung hatte. Allerdings verwies er auf die lange Liste der Verletzten – mit dem Hinweis, dies solle keine Ausrede sein.
In der Tat fielen für das Spiel in Großaspach aber neben Riske und Zepek mit Sebastian Gundelach, Enrico Gaede, René Ochs, Jens Grembowietz, Bernd Gerdes, Manuel Pforr und Tobias Damm eine ganze Reihe Spieler aus. Das zog Umbauten nach sich: Der 20-jährige Moritz Murawski zum Beispiel agierte auf der für ihn ungewohnten Position des Außenverteidigers, der 19-jährige Steven Preuss absolvierte sein erstes Spiel von Beginn an. Er wird es so schnell nicht vergessen.
Andreas Mayer hofft indes, dass die personelle Notlage bald ein Ende hat und so auch ein geordnetes Training stattfinden kann. „Im Moment trainieren wir mit zehn Mann“, sagt er. Das passt irgendwie zum Bild des KSV am Ende der Vorrunde: kaum Spieler, zu wenig Punkte, 1:6 in Großaspach – und das Warten auf einen neuen Trainer geht weiter.
Von Steffen Grün und Florian Hagemann
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