Kassel. Während sich die Mannschaft des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel in der Sportschule Schöneck bei Karlsruhe in Ruhe auf den Rest der Rückrunde vorbereitet, gibt es zu Hause mal wieder mächtig Turbulenzen bei den Löwen.
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Der Grund: Der Aufsichtsrat diskutiert derzeit die Empfehlung einflussreicher KSV-Mitglieder aus dem Beirat, den Vertrag mit Geschäftsführer Giuseppe Lepore vorzeitig aufzulösen. Eine personelle Konsequenz gab es bereits: Matthias Hartmann, Mitglied des Aufsichtsrates, ist zurückgetreten. In einer Pressemitteilung des Vereins nannte er am Nachmittag seine Gründe: „Aufgrund der Presselage vom heutigen Tage halte ich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Aufsichtsrat des KSV Hessen Kassel für nicht mehr gegeben und habe mich dazu entschlossen, diesem Gremium nicht mehr länger anzugehören.“
© HNAMatthias HartmannAnsonsten scheint derzeit nur eins klar zu sein: Die Ruhe der vergangenen Wochen ist erst einmal wieder vorbei – und die Streitigkeiten in den Gremien treten erneut an die Oberfläche. Offenbar ist sich der Aufsichtsrat uneins darüber, wie er mit Geschäftsführer Lepore umgehen soll. Während einer Sitzung des Gremiums in der vergangenen Woche war auch die Zukunft des 38-Jährigen Thema, der Anfang des vergangenen Jahres zum KSV Hessen Kassel kam und dessen Vertrag nach Informationen unserer Zeitung noch bis Ende dieses Jahres läuft. Ein Teil des Aufsichtsrates soll sich dabei dem Rat des Beirats angeschlossen haben.
Allerdings: Einen Beschluss hat es nicht gegeben. Das bestätigt auch Dirk Lassen, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der insgesamt nur so viel sagen wollte: „Es liegt kein Beschluss vor. Also gibt es auch nichts zu kommentieren.“ Außerdem war ein wichtiges Mitglied des siebenköpfigen Aufsichtsrats während der Sitzung nicht anwesend: Hans-Josef Watermeier von VW. Mit ihm und weiteren Vertretern des Hauptsponsors soll nun gesprochen werden, um zu sehen, wie der wichtigste Geldgeber die Angelegenheit beurteilt. In der Vergangenheit hat sich VW stets hinter Lepore gestellt, dem mit Simon Eberle auch ein Mitarbeiter zur Verfügung steht, den VW finanziert.
Viel also hängt von der Einschätzung des Hauptsponsors ab, der immer wieder professionelle Strukturen bei den Löwen angemahnt hat. Für die soll vor allem Lepore sorgen. Doch für seine Arbeit erntete der Mann, der aus Karlsruhe nach Kassel kam, immer wieder Kritik – bei den Fans, die ihn für eine verfehlte Personalpolitik verantwortlich machen, und bei manchen Mitgliedern der KSV-Gremien, die sich hinter vorgehaltener Hand ganz gern auch mal abschätzig über den Geschäftsführer äußern. Von „diesem kleinen Italiener“ ist dann mitunter die Rede.
Gut möglich, dass Lepore sich auch mit einer Überlegung weitere Feinde gemacht hat: Angeblich wird gerade geprüft, ob jemand anderes die Vermarktung der Löwen übernehmen kann, wenn der Vertrag mit Joe Gibbs als externem Dienstleister ausläuft. Lepore steht einer Veränderung in diesem Bereich wohl sehr aufgeschlossen gegenüber, aber auch Gibbs hat keinen geringen Einfluss im Verein.
Offiziell äußern wollte sich ansonsten fast niemand. Und wenn jemand sprach, dann nur sehr knapp – wie beispielsweise Dirk Lassen. Und Lepore selbst sagte, was er schon am Tag zuvor zu Protokoll gab: dass er weiter unbeirrt für den KSV arbeiten werde. Die Frage ist nur, ob er noch lange unbeirrt arbeiten darf.
Von Florian Hagemann
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