Baunatal. Uwe Wolf denkt positiv. Muss er ja auch als neuer Trainer, der unmittelbar vor seinen ersten ernsthaften Aufgaben steht. Nach dem 0:0 seines KSV Hessen Kassel im letzten Testspiel beim Hessenligisten KSV Baunatal fand Wolf diese Worte.
„Man weiß ja, wie das ist mit Generalproben. Gelingen sie, dann geht die Premiere daneben. Meine Spieler haben heute etwas zum Zweifeln. Das ist gut, denn wer zweifelt, weiß, dass er noch eine Schippe drauflegen muss.“
Das muss der Regionalligist auch, wenn es im Pokal noch weit gehen und die Rückrunde deutlich besser verlaufen soll. Die von Wolf neu formierte und auf vielen Positionen umbesetzte Mannschaft zeigte in einem verbissenen, aber fairen Derby noch viele Schwächen. Das von Wolf geforderte Tempospiel mit schnellem Umschalten war selten zu sehen.
Spielerisch gelang dem KSV wenig. Kaum Kurzpassspiel, wenig Bewegung ohne Ball. Folge: Torchancen waren Mangelware. Dass es auch anders geht, zeigten die Gäste erst in der 75. Minute. Baunatal hatte eine Ecke, doch die Chance erhielten die Kasseler. Weil sie über Andreas Mayer und Tobias Damm einen blitzschnellen Konter spielten, dem im Abschluss nur die Krönung fehlte, als Manuel Pforr am Tor vorbeischoss.
Solche Szenen sind es, die Wolf viel häufiger von seiner Mannschaft sehen will. Ansonsten hatten die Löwen nur noch zwei Möglichkeiten.
Die erste in der 20. Minute, als Pforr einen langen Ball erlief, Torhüter Uli Finke umkurvte, aber aus spitzem Winkel nur Baunatals Verteidiger Daniel Leipold anschießen konnte. Und die zweite durch Kapitän Enrico Gaede, der allein auf das Tor zulief, den Ball aber am Pfosten vorbeischob (60.). Es war die größte Chance der Partie. Weitaus mehr gefährliche Szenen aber besaßen die Gastgeber, die dem klassenhöheren Gegner auch spielerisch überlegen waren. Spielertrainer Tobias Nebe zeigte sich deshalb zufrieden. „Das einzige Manko war, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Aber ich bin sehr froh, dass wir uns überhaupt so viele herausspielen konnten. Die Leistung stimmte. Wir hätten dieses Spiel auch gewinnen können.“ Einen durchaus verdienten Sieg der Gastgeber hatte vor allem Jarek Matys auf dem Fuß. Der Ex-Löwe verzog nach Nebes schönem Zuspiel (28.) aber ebenso wie später nach Vorarbeit von Martin Wengerek (49.). In vielen weiteren Situationen sorgten die Baunataler mit gefälligen Spielzügen für Gefahr vor dem Tor von Erik Domaschke, allein der Abschluss fehlte.
Trotzdem: Die Baunataler scheinen nach der Rückkehr zahlreicher verletzter Spieler gerüstet für den Angriff auf Spitzenreiter Eschborn. Tobias Klöppner, zweiter Teil des Trainerduos, jedenfalls befand: „Unsere Feierabendtruppe hat sich heute richtig gut geschlagen.“
Von Frank Ziemke
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