Kassel. Der Unmut in der Fußball-Regionalliga wächst. Die Verantwortlichen vieler Vereine sind verärgert darüber, dass der SSV Ulm aller Voraussicht nach trotz Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiter am Spielbetrieb teilnehmen will und von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bisher auch darf.
Und das, obwohl es in diesen Begegnungen dann nicht mehr um Punkte geht.
Das stößt nicht nur bei Spitzenreiter KSV Hessen Kassel auf heftige Kritik. Auch Thomas Deters, Geschäftsführer der SG Sonnenhof Großaspach, zum Beispiel kann nicht nachvollziehen, warum so etwas möglich ist: „Wenn sie weiterspielen, warum soll es dann nicht auch um Punkte gehen“, fragt er. Deters meint: „Sollte Ulm außer Konkurrenz spielen, entsteht für jeden Verein ein extremer Schaden: Den Klubs, die noch in Ulm antreten, entstehen Kosten. Und die Vereine, die ein Heimspiel gegen Ulm haben, werden weniger Einnahmen haben. Denn wer kommt noch zu so einem Spiel?“
Achim Frank, Geschäftsführer des FC Memmingen, sieht den Knackpunkt vornehmlich in den Statuten des Verbandes: „Wenn ein Verein insolvent ist, muss er eben unten wieder anfangen. So kann er eine Klasse tiefer weitermachen, und das Theater beginnt dann womöglich von vorn.“ Hintergrund: Ulm will gerade deshalb am Spielbetrieb weiter teilnehmen, um in der nächsten Saison in der eine Klasse tieferen Oberliga neu zu starten. Laut Frank sollten die Statuten genau das ausschließen. Tun sie aber nicht.
Von einem großen Unfug spricht René Müller, Trainer der zweiten Mannschaft vom 1. FC Nürnberg, von Unsinn Manfred Vobiller, Geschäftsführer des SC Pfullendorf. Er ist vor allem gespannt darauf, mit welcher Mannschaft die Ulmer nach der Winterpause antreten. Immerhin hat er den Humor nicht verloren und sagt: „Vielleicht kommen sie ja mit der C-Jugend.“ Der Ulmer Weg verdeutliche die Misere der ganzen Regionalliga: „Ich predige seit Jahren, dass der Spielbetrieb in dieser Form auf Dauer nicht zu bezahlen ist“, sagt Vobiller.
Lockerer sehen die Vertreter des SV Wehen Wiesbaden II und von Darmstadt 98 die Situation. Eckart Gutschmidt, Pressesprecher der Wehener, sagt: „Wir nehmen es, wie es kommt.“ Und Darmstadts Geschäftsführer Michael Weilguny erklärt: „Aus wirtschaftlicher Sicht ist es nachteilig für uns, dass unser Heimspiel gegen den SSV Ulm sportlich bedeutungslos sein wird. Wir werden uns aber natürlich an die Entscheidung des DFB zu halten haben und das Beste aus der neuen Situation machen.“
Von Seiten des DFB gab es gestern nichts Neues. Heißt: Ulm wird sehr wahrscheinlich mitspielen dürfen.
Die Verantwortlichen der Regionalligisten beschäftigen sich nach der Ulmer Insolvenz auch mit Fragen, die Thomas Deters von der SG Sonnenhof Großaspach und Thorsten Schönewolf, Vorstandsmitglied des KSV Hessen Kassel, aufgeworfen haben: Was geschieht eigentlich mit den Gelben Karten aus diesen Spielen? Werden sie gewertet? Oder nicht? Und: Kann sich ein Spieler in der Partie vor dem Duell gegen Ulm die fünfte Gelbe Karte einhandeln und seine Sperre während der bedeutungslosen Begegnung gegen Ulm absitzen?
Laut Manuel Hartmann, beim DFB zuständig für das Zulassungsverfahren, sind die Spiele mit Ulmer Beteiligung weiter Bestandteil des Wettbewerbs. Bedeutet: Persönliche Strafen wie Gelbe Karten fließen in die Statistik ein. Ebenso ist es möglich, mit dieser Begegnung eine Strafe zu tilgen. (hag)
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