Der Mann mit Stetson und dem imposanten Schnauzer lässt die rote Flüssigkeit im bauchigen Glas eine Weile kreisen. Dann riecht er daran, nippt, schließt die Augen und macht das, was der passionierte Weinkenner beim Verköstigen seines Lieblingsgetränkes normalerweise so macht: Er schmatzt ein bisschen mit der Zunge und unterzieht die Flüssigkeit offenbar einem kritischen Test seines Kenner-Gaumens. Als er schließlich schluckt, leuchtet unter dem Schnauzbart ein zufriedenes Lächeln auf. „Es ist der Syrah“, sagt er, „einer meiner Lieblingsweine.“ Der Weinkenner ist Kix Brooks. 54 Jahre alt, aus Louisiana stammend und Country-Superstar.
Gemeinsam mit dem Sänger Ronnie Dunn setzte das Duo Brooks & Dunn zig Millionen Alben ab, avancierte zum erfolgreichsten Country-Duo aller Zeiten. Mitte letzten Jahres beschlossen die beiden, in Zukunft jeweils auf Solo-Pfaden zu wandeln. Man brauche eine neue Herausforderung, hieß es. Die hat Kix Brooks auch schon abseits der Bühnen und Studios gefunden. Seit 2005 ist er Mit-Inhaber und Mit-Gesellschafter des rund 25 Meilen südlich von Nashville gelegenen Arrington Vineyards. Wer ihm beim Weinverköstigen zusieht oder ihn von Reben und Anbaumethoden reden hört, bemerkt: hier hat einer eine Leidenschaft für sich entdeckt.
Auf den Wein-Geschmack haben den Plattenmillionär seine ebenfalls in der ersten Country-Liga singenden Kollegen Tim McGraw und dessen Ehefrau Faith Hill gebracht. Die beiden haben Brooks und seiner Frau ein Jahr lang jeden Monat zwei Flaschen Spitzenweine geschenkt. Jeder Wein stammte aus einem anderen Winkel der Welt. So schulte der Sänger und Songschreiber seinen Gaumen und wurde Flasche für Flasche, Merlot für Riesling für Chardonnay, zu einem immer kompetenteren Weinkenner. Als sich 2005 die Chance ergab, das 30 Hektar große Weingut bei Franklin zu erwerben, war er sofort dabei.
Er musste nicht lange überredet werden. Denn die Region von Willamson Country – zu der Franklin und Arrington gehören – steht bei vielen Stars des Entertainment-Betriebs enorm hoch im Kurs. Keith Urban und Hollywood-Diva Nicole Kidman leben genauso hier wie die Musikgrößen Keb’ Mo’ und Michael McDonald. Neben großen Firmen, wie Nissan, steuert auch der Tourismus zur gesunden wirtschaftlichen Situation einen guten Teil bei. Indes: kein Massen- oder Pauschaltourismus, sondern das sanfte, individuelle Reisen – was auch deutlich besser zu dem Kleinod Franklin passt. Ausgezeichnet als eine der schönsten historischen Kleinstädte Amerikas, hält der 62 000 Einwohner zählende Ort ein filmreifes Nostalgie-Ambiente bereit. Ein 1937 eröffnetes, kürzlich generalsaniertes Art-Deco-Theater, viele gemütliche Restaurants, Cafes und Läden und etliche Museen und Bürgerkriegs-Gedenkstätten bieten beschauliche Attraktionen. Für Aubrey Preston, örtlicher Unternehmer, Kultur-Förderer und Musik-Enthusiast, ist das saubere, geordnete, sichere Franklin das Pendant von Beverly Hills und dem Moloch Los Angeles: „Nur“, betont er, „viel gemütlicher und familiärer.“
Von Gunther Matejka



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