Schwalm-Eder. Bald wird er wieder dorthin gehen können, wo er sich am wohlsten fühlt. Auf den Fußballplatz nämlich, spätestens ab dem 1. März. Dann geht für Herbert Hassenpflug eine persönliche „Leidenszeit“ zu Ende, denn der ehemalige Kreisfußballwart wird vom Hessischen Fußballverband begnadigt.
Will das Amt des neuen Kreisfußballwarts übernehmen: Erwin Naumann. Foto: Kasiewicz„Ich habe mich gar nicht mehr auf den Sportplatz getraut, weil ich mich so geschämt habe“, sagt der ehemalige Kreisfußballwart. Der Grund: Im August 2011 wurde der Hülsaer seines Amtes enthoben und durch das Verbandsgericht des HFV für ein Jahr gesperrt. Hassenpflug soll gegenüber dem Verband unwahre Angaben über die tatsächliche Zahl der von den Vereinen gestellten Unparteiischen gemacht haben. Seine mehr als zehnjährige Amtszeit wurde schließlich durch den Streit um den sperrigen Begriff des „Schiedsrichterpflichtsolls“ abrupt beendet.
Das ist nun Vergangenheit. „Mich hat es unheimlich belastet, dass ich das Amt damals auf diese Art und Weise verloren habe“, betont Hassenpflug. Daher stellte er am 30. Januar dieses Jahres ein Gnadengesuch, das jetzt bewilligt wurde. Der aus Wabern stammende HFV-Präsident Rolf Hocke bekräftigt in einem an Hassenpflug adressierten Schreiben, dass der Verband einerseits voll und ganz hinter dem Urteil aus dem Sommer des Vorjahres stehe. Andererseits sei dem Präsidium jedoch auch bewusst, „dass bei allen Verfehlungen, Du nicht gehandelt hast, um Dich selbst zu bereichern oder um Dritten Schaden zuzufügen“. Außerdem habe Hassenpflug seine Fehler schließlich eingesehen.
Ab dem 1. März steht einer weiteren ehrenamtlichen Tätigkeit in Hessen nichts mehr im Wege, Hassenpflug könnte sich also auch wieder im Kreisfußballausschuss (KFA) seines Heimatkreises engagieren - Neuwahlen stehen dort im März an. Abgeneigt scheint er nicht zu sein. Während er nach seiner Sperre noch davon sprach, mit dem Fußball abgeschlossen zu haben, klingt Hassenpflug nun wieder wesentlich kämpferischer: „Ein Spieler, der drei Partien gesperrt wird, darf danach ja auch wieder spielen. Ich habe nichts verbrochen, warum soll ich also nicht weitermachen können?“
Es bleibt freilich abzuwarten, ob er mit dieser Referenz wieder einen Posten im Ausschuss, geschweige denn ein Amt an der Spitze wird übernehmen können. Erst einmal will Hassenpflug das Thema ohnehin mit seiner Familie besprechen und in den nächsten Tagen auch wieder Kontakt mit dem KFA aufnehmen. Denn das ist bisher noch nicht geschehen. „Ob Herbert sich zur Wahl stellen wird, ist uns nicht bekannt“, sagt Werner Röhn, der nach Hassenpflugs Suspendierung aufrückte und dem Ausschuss seither vorsteht.
Bei den Neuwahlen, das kündigte Röhn bereits an, werde er allerdings nicht mehr antreten. Als Favorit auf seine Nachfolge gilt eigentlich Erwin Naumann, der von der Nachricht aus Frankfurt einigermaßen „überrascht“ war. An seinen Plänen werden aber auch die Ambitionen des ehemaligen und nun rehabilitierten Amtsinhabers kaum etwas ändern können. „Ich habe meine Mannschaft zusammen“, sagt der Vorsitzende des Kreissportgerichts, „und ich werde in jedem Fall antreten.“
Von Steffen Schneider



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