Ehringen/Korbach. Eigentlich wäre Matthias Henkelmann seit gestern in Korbach im Einsatz. Behilflich, zukünftigen Unparteiischen beim Neulingslehrgang erste Tipps für Spielleitungen und den Umgang mit Fußballern zu geben. Doch der Kreisschiedsrichter-Obmann musste den Lehrgang mangels Teilnehmern absagen (wir berichteten).
Wir haben mit dem 51-Jährigen über die Gründe, das Schiedsrichterwesen und die Perspektive im Kreis Waldeck gesprochen.
Herr Henkelmann, warum will niemand Schiedsrichter werden?
Matthias Henkelmann: Ich kann es mir schwer erklären. Das ist in 22 Jahren für mich als Obmann der erste Lehrgang, den wir absagen müssen. Vielleicht liegt es daran, dass Schiedsrichter immer wieder in der Presse durch den Kakao gezogen werden. Oder an Fällen wie Robert Hoyzer, Michael Kempter/Manfred Amerell und zuletzt Babak Rafati. Über Fehlentscheidungen wird lange gesprochen; die vielen korrekten Entscheidungen sind sofort kein Thema mehr. Das schreckt wohl ab.
Was hingegen wohl nicht abschreckt, sind die Bestrafungen für die Vereine...
Henkelmann: Pro Jahr zahlen unsere Vereine ca. 13 000 Euro an den Hessischen Fußball-Verband, weil sie zu wenig Schiedsrichter stellen. Damit sind wir leider in Hessen ganz vorne dabei. Schon verrückt, dass viele Klubs das und noch zusätzlich Punktabzüge in Kauf nehmen, anstatt sich lieber um Kandidaten zu kümmern.
Was haben Sie getan, um den Lehrgang nicht absagen zu müssen?
Henkelmann: Ich hatte alle Vereine vor einer Woche nochmals per E-Mail informiert und über die Presse aufgerufen. Richtig erschlagen war ich über das, was dann folgte. Binnen fünf Tagen kamen nur zwei Antworten. Von einem Verein, der einen Neuling gemeldet hatte und bat, den Lehrgang über die Bühne zu bringen. Und von einem, der sein Soll erfüllt hat. Wir hatten zwölf Anmeldungen, darunter drei Trainer, zwei aus Nachbarkreisen und sieben aus Waldeck. Die habe ich alle extra nochmals gefragt. Innerhalb von 48 Stunden hatte ich vier verbindliche Zusagen, zwei Absagen und sechs Fragezeichen. Nach Rücksprache mit dem HFV in Frankfurt haben wir dann abgesagt.
Im Schwalm-Eder-Kreis ist der kommende Lehrgang hingegen bereits ausgebucht...
Henkelmann: Dazu kann ich den Kollegen nur gratulieren. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass einige Leute ihre Freunde und Bekannte mitziehen, dann geht sowas schnell. Verstehen kann ich unsere Vereine trotzdem nicht.
Wie geht es nun weiter?
Henkelmann: Im Juni bieten wir einen neuen Lehrgang an. Wir werden Rücksicht auf die Europameisterschaft nehmen und hoffen, dass das einigen besser als jetzt im Winter passt. Ich bin optimistisch, dass einige sich Gedanken machen, wenn in den nächsten Tagen die Bestrafungen kommen. Wenn gewisse Vereine, die das Soll nicht erfüllen, es aber wagen sollten, sich über die Kameraden zu beschweren, die wir haben, dann werden sie die passende Antwort bekommen.
Was sind geeignete Kandidaten?
Henkelmann: Jeder, der Spaß hat, Regeln am Platz umzusetzen und sich einzubringen. Was wir nicht brauchen, dass die Vereine uns ihre schlechtesten Fußballer schicken. Das ist der falsche Weg. Wir haben tolle Erfahrungen mit jungen Menschen gemacht, die demnächst wohl den Lehrstab bilden werden. Ansonsten sind auch Fußballer herzlich willkommen, bei denen die Knochen nicht mehr so mitmachen, denn als Schiedsrichter kann man länger tätig sein als als Spieler.
Hand aufs Herz: Warum pfeifen Sie selbst noch gern?
Henkelmann: Aus Freude am Sport. Ich treffe immer wieder Spieler und auch Trainer bzw. Betreuer, die wissen, dass wir miteinander etwas bewegen und nicht gegeneinander sind. Mich motiviert es, wenn ich meinen Teil dazu beitrage, dass 22 Mann (oder Frauen) vernünftig Fußball spielen können. Meiner Frau sage ich immer, ich höre auf, wenn es keinen Spaß mehr macht. Der Punkt ist bei mir noch nicht erreicht.
Von Sebastian Schmidt



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.