100 Jahre Schiedsrichtervereinigung Kassel

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    • 15.02.13
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Kassels Schiedsrichter blicken auf 100 Jahre zwischen Lob und Tadel zurück

Der Ton ist rauer geworden

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Kassel. Sie haben allen Grund zu feiern. Die Schiedsrichtervereinigung Kassel ist 100 Jahre alt. Wir blicken zurück und voraus und lassen Schiedsrichter verschiedener Generationen zu Wort kommen.

In Bedrängnis: Schiedsrichter haben nicht immer einen leichten Job. Foto: dpa

In Bedrängnis: Schiedsrichter haben nicht immer einen leichten Job. Foto: dpa

Zudem betrachtet Carsten Lakies das Jubiläum aus dem Blickwinkel des Spielers und Trainers.

Abseits oder nicht? Foulspiel oder Vorteil laufen lassen? In Sekunden muss der Schiedsrichter die richtige Entscheidung treffen. Das macht ihn oft zum Buhmann. In der Schiedsrichtervereinigung Kassel, die schon seit 100 Jahren besteht, sind derzeit 181 Unparteiische aktiv. Damit sei man gut aufgestellt, sagt Kai Graviat. Er ist der Kreisschiedsrichterobman.

Jedes Jahr werden im Kreis Kassel bis zu 25 Schiedsrichter ausgebildet. Nur: die Fluktuation ist hoch. „Es springen leider 80 Prozent ab“, sagt Graviat. Das Freizeitverhalten hat sich gegenüber früher verändert, hinzu kommt der demographische Faktor. Die Folge: Im Kreis Kassel gibt es vor allem sehr viele junge und sehr viele alte Schiedsrichter. „Es fehlen die 18-bis 30-Jährigen. Nur die sind als Fußballspieler aktiv“, sagt Graviat.

Der DFB weiß um die Problematik, neue Talente für den Job an der Pfeife zu gewinnen. „Es hat auch nicht jeder Lust, sich auf dem Feld anpöbeln zu lassen“, sagt Graviat. Generell seien diese Art von Anfeindungen in und um Kassel aber nicht ganz so ausgeprägt, wie an anderen Orten. „Klar, Beschimpfungen gehören auch irgendwie zum Job dazu. Allerdings ist der Ton rauer geworden“, sagt Graviat.

Vereine, die nicht genug Schiedsrichter stellen, werden mit einem Punktabzug bestraft. Würde es sich nicht lohnen, dieses Zwangsmittel auszubauen, um noch mehr Schiedsrichter zu gewinnen? Graviat ist dagegen: „Nein, das würde nur zu mehr Verschiebungen führen. Es ist ja heute schon so, dass teilweise Schiedsrichter von anderen Vereinen weggekauft werden, obwohl dies eigentlich verboten ist. Das würde dann noch zunehmen.“

Attraktiv ist der Job als Schiedsrichter gleichwohl immer noch. Die Aufstiegschancen sind hoch. Und noch etwas: „Ohne Schiedsrichter geht es einfach nicht“, sagt Graviat.

Keine schlechten Erfahrungen

Wulf-Dietrich Schott blickt gern zurück

36 Jahre lang war der heute 72-jährige Wulf-Dietrich Schott im Schiedsrichterwesen tätig. Erst aktiv an der Pfeife, dann als Beobachter. 1970 wurde er gefragt, und Schott konnte einfach nicht nein sagen. „Ich habe es nie bereut. Das war eine ereignisreiche Zeit“, sagt er. Bis in die Oberliga, der damals höchsten Amateurklasse, schaffte es Schott, der zunächst für Germania Kassel und dann für Olympia Kassel das schwarze Trikot überstreifte.

Und Schott machte sich schnell einen Namen. Stichwort Rudelbildung. „Heute schauen sich die Schiedsrichter das doch viel zu lange an und trauen sich nicht reinzugehen“, sagt Schott. Er war da anders: „Ellbogen raus und für Ruhe gesorgt. „Richtig schlechte Erfahrungen habe ich nie gemacht“, sagt er. Sein Erfolgsrezept: „Als Schiedsrichter muss man so sein wie ein Fleischerhund.“

An ein Schimpfwort erinnert sich Schott ganz genau: Schwarzkittel. „Das war früher. Heute wird man ja gleich als schwarze Sau beschimpft.“ Nach seiner aktiven Zeit wurde Schott Schiedsrichterbeobachter. Das aber ist er seit sieben Jahren auch nicht mehr. (dts)

Eines der größten Talente

Christoph Rübe will hoch hinaus

Irgendwann im Fußball-Leben von Christoph Rübe kam der Moment, als er wusste: Bis nach ganz oben schaffe ich es nicht mehr. Zumindest nicht als Spieler. Es war dieser Moment, in dem Rübe vom OSC Vellmar sich dazu entschied, Schiedsrichter zu werden. Da war er 15.

Jetzt ist er 19 und pfeift in der Verbandsliga. Christoph Rübe begann in der Kreisliga C. „Das war damals nicht so einfach, sich als 16-Jähriger durchzusetzen“, sagt er. Denn natürlich hat ein so junger Schiedsrichter Autoritätsprobleme gegenüber Fußballern jenseits der 30. Rübes Erfolgsrezept war simpel. „Durch Körpersprache und Präsenz auf dem Platz erlangt man schnell den Respekt der Spieler“, sagt er.

Und noch etwas: „Der erste Pfiff ist entscheidend. Wenn man nur ganz leise anpfeift, hat man schon verloren.“ 40 Euro bekommt Rübe für ein Spiel in der Verbandsliga. In der Schiedsrichtervereinigung Kassel gilt er als eines der größten Talente. Er könnte es in die DFB-Ligen schaffen. Doch soweit ist es noch nicht. Das weiß auch Rübe, der dazu in bester Fußballersprache antwortet: „Man muss von Spiel zu Spiel schauen.“ (dts)

Lakies schätzt Lockerheit

Lohfeldens Trainer geht es oft zu kleinlich zu

Carsten Lakies, der Trainer des Hessenligisten FSC Lohfelden, packt die Unparteiischen nicht immer in Watte. Der Ex-Profi weiß, wo die Unterschiede zwischen Profischiedsrichtern und Amateuren liegen. „Je höher man spielt, desto mehr wird durchgelassen. Je niedriger die Liga, umso kleinlicher wird gepfiffen“, sagt er.

Insgesamt sei er aber mit den Leistungen der Unparteiischen zufrieden. An eine Begebenheit mit einem bekannten früheren Bundesligaschiedsrichter erinnert sich Lakies gern. „Da habe ich zu Bernd Heynemann gesagt, er soll nicht so schlecht pfeifen. Da kam der Spruch zurück, ich soll nicht so schlecht spielen.“ Lakies war beeindruckt und verzichtete in der Partie auf weitere Meckerattacken.

Der Trainer Lakies schätzt es, wenn Schiedsrichter auf dem Feld eine lockere Sprache pflegen und die 90 Minuten nicht zu verbissen angehen. Erfahrungen hat Lakies auch schon mit Schiedsrichterinnen gemacht. „Da verhält man sich als Spieler auf dem Platz anders und pflegt einen anderen Umgangston. Es kann gut sein, dass Frauen mehr Fingerspitzengefühl haben.“

Und was hält der Ex-Profi von den Pöbeleien der Zuschauer? „Ich glaube nicht, dass die Beleidigungen zugenommen haben. Und irgendwie gehört das auch dazu. Die Spieler werden von den Zuschauern ja auch beschimpft“, sagt er. (dts)

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