Wie einst Senna: Hamilton vor Karriere-Meilenstein

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Mercedes-Pilot Lewis Hamilton gibt sich vor dem Rennen in Singapur locker. Foto: Wallace Woon

Er kann es in Singapur schaffen: Gleichziehen nach Siegen und Poles in Serie mit seinem Kindheitsidol Ayrton Senna. Besonderen Druck verspürt Lewis Hamilton aber nicht. Sein Kollege Rosberg wirkt etwas ratlos.

Singapur (dpa) - Lewis Hamilton macht sich auf große Momente gefasst. Kurz vor dem spektakulären Nachtrennen in Singapur gab sich der Brite bei einem Sponsoren-Termin unweit der Zielgeraden des Marina Bay Street Circuits noch gewohnt lässig.

Rast der zweimalige Formel-1-Weltmeister und WM-Spitzenreiter am Sonntag - wie vor einem Jahr - von Startplatz eins zum Sieg, kann er eine ganz spezielle Marke erreichen: Hamilton hätte dann in zwei weiteren Kategorien mit seinem großen Kindheitsidol Ayrton Senna gleichgezogen. "Ich glaube, ich nähere mich so etwas wie einem Meilenstein in meiner Karriere", betonte der 30-Jährige.

Davon ist sein im Motorhome von Mercedes etwas ratlos wirkende Rivale Nico Rosberg erstmal weit entfernt. Hinzu kommt, dass der gebürtige Wiesbadener nun einen kleinen Nachteil befürchtet, weil er entgegen der eigentlichen Planungen schon in Singapur mit einem ganz neuen Motor antreten muss. Fast trotzig betonte Rosberg aber mit Blick auf die WM: "Du hast die Chance, dran zu glauben oder nicht. Ich habe mich entschieden, dran zu glauben."

Erklärungen für seine Unterlegenheit im Teamduell - auch in der Qualifikation - in diesem Jahr hat er nicht. Ob Hamilton ihn als ärgsten Rivalen überhaupt ernst nimmt, wisse er nicht. Die Kommunikation der einst dicken Kart-Kumpels ist schwer eingeschränkt: "Ich habe ihn nicht gefragt, ich weiß nicht, was er denkt. Ich spreche nicht so viel mit ihm."

Fährt sein Dauer-Bezwinger Hamilton auf dem Stadtkurs am Samstag in der Qualifikation ihm und allen anderen - wie in bislang elf von zwölf Ausscheidungen - davon, zieht er mit den acht bislang unerreichten Pole Positionen in Serie von Senna (1988/1989) gleich. Gewinnt er den Grand Prix, egalisiert er in seinem 161. Rennen die Marke von 41 Grand-Prix-Erfolgen der brasilianischen Rennsport-Ikone.

Auch Senna kam auf 161 Grand-Prix-Teilnahmen. "Wenn ich das dieses Wochenende erreichen würde, wäre das sehr emotional", prophezeite Hamilton, der die Senna-Marke von 80 Podiumsplätzen mit seinem Sieg in Belgien egalisiert und mit seinem Erfolg zuletzt in Monza schon überboten hatte.

Vor allem ein Wochenende wie in Italien wünscht sich der mit 53 Punkten klar vor Rosberg führende Hamilton auch in Singapur. In Monza, wo Rosberg drei Runden vor dem Ende durch einen defekten Motor mit seinem Silberpfeil liegengeblieben war, hatte er zum zweiten Mal in seiner Karriere einen sogenannten Grand Slam - Sieg, Pole, schnellste Runde und sämtliche Runden in Führung - geholt. Überbieten könne er das nicht, meinte Hamilton.

Aber wiederholen. 2014 und - auch wenn er selbst es am Donnerstag nicht mehr so genau wusste - 2009 gewann er das Nachtrennen bereits. Hamilton zählt damit zu drei Piloten, denen das auf dem 5,065 Kilometer langen Kurs bislang glückte: Bei der Premiere holte sich Fernando Alonso auch dank eines fingierten Unfalls seines damaligen Renault-Teamkollegen Nelson Piquet Junior den Sieg, 2010 gewann Alonso im Ferrari. 2011, 2012 und 2013 war Sebastian Vettel im Red Bull auf dem Kurs nicht zu schlagen.

Und der will es Hamilton zumindest auch in Singapur und den restlichen Rennen der Saison noch schwer machen - trotz 74 Zählern weniger als Hamilton. "Solange wie die Chance da ist, müssen wir alles versuchen, was möglich ist, auch wenn er in seiner sehr guten Position ist", sagte Vettel bei der Presserunde hinter dem Motorhome des Ferrari-Teams. Hamilton habe schon "einen sehr guten Lauf".

Rosbergs Name steht nicht in den Siegerlisten. Der ebenso wie Hamilton 30-Jährige braucht im Kampf um seinen ersten WM-Titel dringend einen Sieg - drei gelangen ihm in diesem Jahr erst, Hamilton sieben. Gewinnt der Brite am Ende wie 2008 und 2014 den WM-Titel, zieht er auch dort mit Senna gleich, der in seiner Karriere bis zu seinem tödlichen Unfall - am 1. Mai 1994 in Imola - 1988, 1990 und 1991 triumphiert hatte. Und den Titel will Hamilton unbedingt.

Deswegen verspürt er auch keinen besonderen Druck wegen des Senna-Faktors. "Es macht keinen Unterschied, ich kämpfe um die WM. Das ist mein Fokus. Das Beste, was ich machen kann, ist die WM zu gewinnen", betonte Hamilton.

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