Schnellcheck: Deutsche Handballer scheitern im Halbfinale knapp an Frankreich

Aufholjagd nicht belohnt

An ihm lag es nicht: Uwe Gensheimer zeigte mit elf Treffern eine grandiose Leistung. Foto: dpa

Der Europameister hat den Einzug ins Finale des olympischen Handball-Turniers haarscharf verpasst. Nach toller Aufholjagd unterlag die deutsche Handball-Nationalmannschaft dem Titelverteidiger Frankreich mit 28:29 (13:16). Jetzt geht es für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes am Sonntag um Bronze. Unser Schnellcheck:

Was bedeutet die Niederlage für das deutsche Team?

Der Europameister hat in Rio teilweise begeistert - im Halbfinale gelang dies erst nach der Pause. Dennoch haben die Schützlinge von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bewiesen, dass sie wieder zur Weltspitze zählen. Der Gegner für das Spiel um Platz drei (Sonntag, 15.30 Uhr, ZDF), entweder Polen oder Dänemark, stand erst nach Redaktionsschluss fest.

Wie war denn das Halbfinale?

Die Deutschen sind nicht in Ehrfurcht erstarrt vor den großen Namen des Titelverteidigers. Doch sie wirkten in der Anfangsphase schon sehr nervös. Die Abwehr fand nicht zur gewohnten Stabilität, und Andreas Wolff im Tor stand klar im Schatten seines erfahrenen Gegenübers Thierry Omeyer.

Für Wolff kam früh Silvio Heinevetter. Mit dem Berliner, der bis zur Pause immerhin sechs Würfe entschärfte, verkürzte die DHB-Auswahl den Rückstand teilweise bis auf zwei Tore (13:15).

Geht da noch mehr? Zunächst nicht. Im Gegenteil: Die Franzosen um ihren Ausnahmekönner Nikola Karabatic zogen auf 22:15 davon: Omeyer traf vom eigenen Kreis ins verwaiste deutsche Tor (41.). Es roch nach Vorentscheidung. Doch aufgrund des treffsicheren Uwe Gensheimer (elf Tore) und eines zusehends stärker werdenden Julius Kühn (8) witterte das DHB-Team Morgenluft. Ein Gleichstand war schon nach 55 Minuten möglich: Doch Gensheimer scheiterte an Omeyer, und Steffen Weinhold leistete sich ein Stürmerfoul (55.).

Den Ausgleich besorgte der zukünftige Melsunger Tobias Reichmann eine Minute vor Ende. Dies reichte nicht für die Verlängerung, weil Daniel Narcisse drei Sekunden vor Ende für die Equipe Tricolore zum 29:28 erfolgreich war.

War der Erfolg der Franzosen verdient?

Über weite Strecken waren die Franzosen die abgeklärtere Mannschaft. In der Schlussphase drehte die deutsche Mannschaft aber groß auf. Eine Verlängerung wäre der gerechte Lohn gewesen.

Wer war der Mann des Spiels?

Auch wenn die deutsche Mannschaft verloren hat: höchste Anerkennung für die Leistung von Kapitän und Linksaußen Uwe Gensheimer. Er hat - nicht nur bei seinen Siebenmetern - eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er ein Superstar in dieser Sportart ist. Was die französischen Asse Nikola Karabatic, Thierry Omeyer und Narcisse mit besonderem Interesse verfolgt haben dürften: Gensheimer wird in Paris ihr Mitspieler.

Wie war die Übertragung im TV?

Anders als bei den Spielen zuvor lag ZDF-Reporter Christoph Hamm diesmal mit seinen Einschätzungen nicht immer richtig. Er stellte beispielsweise fest, dass acht Gegentore in den ersten zwölf Minuten nicht übermäßig viel seien. Hallo? Bei so viel Gegentreffern ist jeder Bundesliga-Coach gezwungen, eine Auszeit zu nehmen. Übrigens: Das tat dann auch kurz darauf Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Von Björn Mahr

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