Der glückliche Holländer: Für Leon Williams ist die BBL ein Traum

Göttingen. Nein, nein, der längst abgedroschene Ulk mit den holländischen Wohnwagen auf deutschen Autobahnen war nicht Gegenstand des Gesprächs mit Leon Williams. Dabei ist auch er Niederländer und kennt sicher auch diese Plattitüden. Wir sprachen mit dem ersten niederländischen Spieler bei der BG Göttingen, wodurch Trainer Johan Roijakkers nun auch zum ersten Mal einen Landsmann an seiner Seite hat.

Wie wird da untereinander gesprochen? „Wenn wir unter uns sind holländisch“, verrät Roijakkers. Im Mannschaftskreis dann aber doch englisch. Liegt bei Williams auch nicht allzu fern. Denn sein Vater ist Amerikaner. „Ein Soldat bei der US Air-Force“, sagt der neue BG-Pointguard. Williams Familie wohnt in Amersfort.

„Das liegt in der Mitte von Holland“, sagt er. „Wie Göttingen in Deutschland.“ Mutter Heleen und Schwester Lisa waren schon in Göttingen zu Besuch, außerdem zählen Leons Brüder Andre und Darryl zur Familie. Alle sind sportbegeistert, seine Brüder spielen Football und Williams Freundin Ana ist Handball-Profi in Dalsen. Da das Pärchen an den Wochenenden für den jeweiligen Klub auf Achse ist, sieht man sich naturgemäß eher selten. Leon hofft, dass Weihnachten etwas Zeit bleibt.

Zum Basketball gekommen ist er zum großen Teil wegen seines Vaters. Der schaute als Amerikaner NBA-Basketball und „infizierte“ Leon damit. Als holländischer Junge hatte Leon natürlich auch mit Fußball angefangen. „Aber da gab’s eine Warteliste.“ Da blieb er eben beim Basketball.

Wohl die richtige Entscheidung. Denn jetzt in Deutschland (und für die BG) zu spielen, ist für Williams „wie ein Traum, ein major upgrade“ – eine große Hochstufung. Leon spricht über die ganzen Vorzüge (kostenloses Auto und Wohnung, freies Essen usw.) und dabei strahlen seine Augen immer mehr. „Ich kriege hier alles.“

Auch die Organisation in der BBL insgesamt und auch in Göttingen weiß er zu schätzen. Kein Vergleich mit den Niederlanden. „Da sind alle Basketball-Hallen zusammen so groß wie die Mercedes-Benz-Arena in Berlin“, zwinkert Coach Roijakkers. „Leon hat in Holland vor 300 Zuschauern gespielt, hier spielt er vor 3000.“

Gute Tipps vom Trainer

Roijakkers weiß aber auch um die noch vorhandenen Schwankungen bei Williams, der zuletzt in Berlin gute Szenen, aber auch drei, vier bittere und dabei auch entscheidende Ballverluste hatte.

„Mit seiner Schnelligkeit und Explosivität ist er top in der BBL“, sagt Roijakkers. „Er muss aber noch lernen, sie richtig anzuwenden. Die holländische Nationalmannschaft kriegt einen Top-Spielmacher zurück.“ Mit seiner Landesauswahl qualifizierte sich Williams 2015 für die EM – sein größter Erfolg. „Johan“, sagt Williams“, ist ein sehr strikter Trainer. Er sagt uns, was falsch läuft.“ Gekannt haben sich Trainer und Spieler vor Göttingen noch nicht. Roijakkers coachte lange Hollands U 18, da war Williams schon in der U 20.

Live-Bilder im TV

Da Leons Familie nicht zu jedem Spiel da sein kann, wird zuhause in Amersfort fleißig „telekombasketball.de“ geschaut. Da sehen Eltern und Geschwister ihren Sohn bzw. Bruder. Den glücklichen Holländer. (gsd)

Von Helmut Anschütz und Walter Gleitze

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