Basketball-Bundesliga: Erheblicher Verlust, weil Phoenix Spielbetrieb einstellen will

Hagen k.o. – BG fehlt Geld

Göttingen Benas Veikalas (rechts) scheint Hagens Marcel Keßen symbolisch einen Kinnhaken mit dem Arm zu geben – eine Szene aus dem ersten Saisonspiel am 24. September, das die BG 84:75 gewann. Diese Punkte sind jetzt futsch! Archivfoto: Laube/nh

Göttingen. Wenn ein Sportklub „den Löffel abgibt“, haben die anderen Sorgen. Am Montagabend wurde bekannt, dass Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen am 10. Dezember nach dem Heimspiel gegen Braunschweig den Spielbetrieb einstellen will, weil für den Rest der Saison nicht mehr genug Geld da sei – im Gespräch sind 800 000 Euro, die fehlen. Wie die meisten Erstliga-Klubs wird auch die BG Göttingen unter dem angekündigten Rückzug der Westfalen leiden. „Uns entsteht ein erheblicher Verlust“, sagte Frank Meinertshagen am Dienstagmittag. Man kann davon ausgehen, dass er mehr als 50 000 Euro beträgt.

Zu einer Summe in dieser Höhe verdonnerte die Basketball-Bundesliga GmbH den späteren Absteiger Crailsheim Merlins vergangene Saison, als er wegen Schnee auf der Autobahn im Stau stand, nicht rechtzeitig in Hagen eintraf und das Spiel abgesagt wurde.

Dass Hagen jetzt ein Ende mit Schrecken hat (13 Jahre nach dem K.o. für Vorgänger Brandt Hagen), kommt für Korbjäger-Szene wenig überraschend. Im Oktober musste Phoenix schon einen Antrag auf Insolvenz (in Eigenverwaltung) stellen, bekam daher vier Pluspunkte abgezogen und tauchte seitdem in der Tabelle mit „minus 4“ auf, weil es noch keinen Sieg gab. Der sportliche Abstieg deutete sich schon jetzt relativ klar an.

„Für uns spielt das Sportliche erstmal keine Rolle“, sagt Meinertshagen. „Für die BBL ist es leider eine katastrophale Außendarstellung und schlecht fürs Image. Dass Hagen jetzt plötzlich aufhört, habe ich nicht erwartet. Die Hagener Vorgehensweise ist fragwürdig.“ Meinertshagen erklärte, dass es am kommenden Montag in Frankfurt eine BBL-Tagung auch zum „Thema Hagen“ geben wird.

Nur acht statt zehn Punkte

Nachdem die BG das erste Spiel dieser Saison in Hagen mit 84:75 gewonnen hatte, wird dieses Spiel wie alle weiteren Phoenix-Partien aus der Wertung genommen – die BG hat also nur noch acht Pluspunkte. Allerdings gibt es jetzt auch nur noch einen Absteiger. Das Veilchen-Heimspiel gegen die Westfalen am 9. April 2017 wird ersatzlos gestrichen, die Einnahme fehlt der BG.

BG-Coach Johan Roijakkers: „Es ist natürlich nicht gut für die Liga, dass ein Team wie Hagen untergeht. Das ist schade für Spieler, Trainer und die Fans. In Hagen war die Atmosphäre immer gut. Wir haben ja da auch oft gewonnen.“

Die BBL setzte Hagen eine Frist bis Mittwoch 14 Uhr, um sich zu Details der Einstellung des Spielbetriebs zu äußern. Um nicht in die Regionalliga runter zu müssen, wurden bei einem Sponsorenabend 100 000 Euro gesammelt. Für eine Plan-Insolvenz in Richtung 2. Liga ist aber eine Viertel-Million nötig. Hagens Probleme demonstriert auch, dass der Klub in den vergangenen zwei Jahren drei Geschäftsführer hatte. (haz/gsd)

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