Göttingen. Viele Göttinger Basketball-Fans haben schon die verrücktesten Dinge mit ihrer Mannschaft, der BG Göttingen, erlebt - doch was sich in den letzten Sekunden der Partie in der Basketball-Bundesliga gegen ratiopharm Ulm abgespielt hatte, wird in die Göttinger Basketball-Historie eingehen. Am Ende gewannen das die Veilchen mit 80:69 (42:32). Glücklich, aber vor allem höchst kurios.
Die Hallenuhr zeigt noch 7,9 Sekunden an, als ausgerechnet dem Ex-Göttinger Roderick Trice der Ulmer Ausgleich zum 69:69 gelingt. Auszeit Göttingen! Die BG danach wieder in der Offensive. Einwurf durch Ben Jacobson an der Mittellinie zu Center Jason Boone, der sein Team mit 71:69 in Führung bringt. Der Korb von Center Boone hingegen ist umstritten. Hauptschiedsrichter Horst Weichert verweigert ihm im ersten Moment die Anerkennung, doch nach Beratung mit seinen Kollegen gibt er die beiden Punkte. Boone wurde nämlich in der Bewegung zum Korb in seinem Zwei-Schritte-Rhythmus gefoult. Da er den Ball dann nicht mehr auf den Boden prellte, musste der Korb, so die Regel, zählen, auch wenn der Pfiff längst ertönt war, als der Ball durch die Reuse fiel. Boone bekommt noch einen Bonus-Freiwurf, den er sicher zum 72:69 verwandelt.
Ulm wirft ein, spielt den Ball aber 3,3 Sekunden vor der Schlusssirene ins Aus. Einwurf für die BG mit anschließendem Foul an Chris Oliver, der dafür zwei Freiwürfe erhält. Jetzt zeigt die Uhr noch 2,2 Sekunden an. Noch sauer auf die Entscheidung des nach Beratung der Schiedsrichter anerkannten Korbes von Boone motzt Ulms Spielmacher Per Günther die Referees an und erhält dafür ein technisches Foul, was zwei weitere Freiwürfe für Oliver bedeutet. Das bringt wiederum Gästetrainer Mike Taylor auf die Palme. Auch der meckert und erhält ein technisches Foul - das zieht Freiwürfe fünf und sechs nach sich. Taylor kann sich nicht beruhigen, erhält sein zweites technisches Foul, was zudem die Disqualifikation und den Verweis von der Bank bedeutet - Freiwürfe sieben und acht und danach Einwurf für die Göttinger! Oliver lässt sich nicht aus der Ruhe bringen trotz der langen Unterbrechung und locht alle acht Freiwürfe ohne Ringberührung ein. Die Halle tobt, die Stimmung hat den Siedepunkt längst überschritten.
Unglaubliches hatte sich also in der mit 3474 Zuschauern erneut ausverkauften Lokhalle abgespielt. Doch die Ulmer waren drauf und dran, die blütenweiße Heimweste der Göttinger zu beflecken, die zudem achtmal in Folge in der Bundesliga gewonnen hatten.
Von Walter Gleitze



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