BVB: Tuchel setzt Prioritäten - Erleichterung in München

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BVB-Trainer Thomas Tuchel rotierte gegen Schalke kräftig durch. Foto: Bernd Thissen

Kein Wehklagen, keine Kritik - mit dem Rückschlag im Titelrennen gingen die Dortmunder erstaunlich gelassen um. Das 2:2 im Revierderby war schnell abgehakt. Die bisher starke Saison soll in der Europa League und im DFB-Pokal veredelt werden.

Gelsenkirchen (dpa) - Thomas Tuchel war mit sich im Reinen. Selbst die vielen kritischen Fragen, ob mit seiner XXL-Rotation beim 2:2 (0:0) im Revierderby auf Schalke möglicherweise die letzte Chance auf die Meisterschaft verspielt wurde, lockten den Trainer von Borussia Dortmund nicht aus der Reserve.

"Der Vorsprung ist jetzt wahrscheinlich zu groß, um sie noch zu holen. Es wird nun schwieriger bis unmöglich", bekannte der Fußball-Lehrer angesichts des auf sieben Punkte angewachsenen Vorsprungs der Bayern.

Ein schelmisches Lächeln konnte sich Tuchel bei dieser Antwort nicht verkneifen. Sein lässiger Umgang mit den Fragen offenbarte, dass er ohnehin nicht an eine erfolgreiche Aufholjagd geglaubt hat. Ähnlich wie der Coach verwies auch Sportdirektor Michael Zorc auf die Stabilität des Spitzenreiters aus München: "Wer keine Punkte abgibt, kann nicht eingeholt werden. Das ist Mathematik. Wir sind doch alle Realisten."

Dennoch sorgte das Remis der Dortmunder auf Schalke für große Erleichterung in München. "Ich habe es hochemotional erlebt, klar geht es um die deutsche Meisterschaft. Borussia Dortmund spielt eine unglaubliche Saison", kommentierte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, gab aber noch keine Entwarnung: "Fünf Punkte sind schlechter als sieben Punkte. Beruhigt bin ich deshalb trotzdem nicht."

Kein Dortmunder kam auf die Idee, die Maßnahme von Tuchel zu kritisieren. Vier Tage vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League beim FC Liverpool und eineinhalb Wochen vor dem Pokal-Halbfinale bei Hertha BSC schien es geraten, selbst im prestigeträchtigen Revierderby gleich acht Profis zu schonen.

En passant verwies Zorc auf die Tatsache, das auch Liverpool-Coach Jürgen Klopp beim 4:1 seines Teams über Stoke City "sieben oder acht Profis" aus der Startelf rotierte. Torschütze Matthias Ginter (56.) erinnerte zudem an das hohe Pensum der vergangenen Monate: "Wir hatten heute das 48. Pflichtspiel. Kein Spieler kann dieses Pensum gehen, ohne mal eine Pause zu bekommen."

Die Maßnahme des Trainers soll sich am Donnerstag an der Anfield Road in Liverpool bezahlt machen. Die Genesung von Ilkay Gündogan, der nach überstandener Fußprellung im Derby erstmals seit fünfwöchiger Zwangspause für immerhin rund 20 Minuten zum Einsatz kam, erhöht die Chance auf den Einzug in das Halbfinale zusätzlich. Der Nationalspieler soll dem beim 1:1 im Hinspiel gegen die Reds dürftigen Spielaufbau neue Impulse verleihen. "Ich habe mich sehr gefreut übers Comeback von Illie", sagte Tuchel.

Ähnlich wie die Dortmunder konnten auch die Schalker mit dem 2:2 gut leben. Dass die Mannschaft gleich zweimal dank der Tore von Leroy Sané (51.) und Klaas-Jan Huntelaar (66./Foulelfmeter) einen Rückstand wettmachte, werteten alle Beteiligten als Wiedergutmachung für das blamable 0:3 eine Woche zuvor in Ingolstadt. Und doch verlor Ralf Fährmann zumindest für kurze Zeit die Contenance. "Was sagen Sie den Leuten, die sich fragen, warum es Schalkes A-Elf nicht schafft, Dortmunds B-Elf zu schlagen, wurde der Torhüter in einem WDR-Interview gefragt. Seine Antwort fiel knapp aus: "Die können mich mal am A... lecken."

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