Drama um Innenverteidiger

Bei Dopingprobe Tumor entdeckt: Frankfurts Marco Russ wird Dienstag operiert

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Blick in sorgenvolle Zukunft?: Marco Russ ist schwer erkrankt.

Kassel. Durch eine positive Dopingprobe ist bei Eintracht-Frankfurt-Kapitän Marco Russ ein Tumor entdeckt worden. Am Dienstag soll er operiert werden.

Eigentlich war es Routine. Als die Frankfurter Eintracht am 30. April das Hessenderby in Darmstadt 2:1 gewonnen hatte, war Marco Russ einer der Spieler, die sich einer Dopingkontrolle unterziehen mussten.

Bei der Untersuchung der Probe wurde ein auffällig erhöhter Wert des Wachstumshormons HCG im Körper des Fußballprofis festgestellt(siehe Hintergrund).

Die Diagnose stand nach Untersuchungen bei einem Internisten und in einem biochemischen Institut an diesem Mittwoch fest und war furchtbar. Blutwerte, Urinwerte und ein Ultraschallbild bestätigten - wie es offiziell heißt - „eine schwere Tumor-Erkrankung“.

Der 30-jährige Innenverteidiger muss am kommenden Dienstag operiert werden, aber noch fühlt er sich gut. So fit, dass er gestern ankündigte, am Abend im Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg auflaufen zu wollen.

In der Tragödie, in der Marco Russ die Hauptrolle spielt, gibt es aber auch einen spektakulären oder – wie Frankfurts Präsident Peter Fischer sagt – skandalösen Akt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt, die noch am Mittwoch von einem Verstoß gegen das Anti-Doping-Gesetz ausgegangen war, ließ die Privatwohnung von Marco Russ durchsuchen. Auch dessen Spind auf dem Trainingsgelände und sein Zimmer in dem Hotel, in dem sich die Eintracht auf das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg vorbereitete, wurden inspiziert.

Die Ermittler sagen, dass sie am Mittwoch die Diagnose noch nicht kannten, aber die Eintracht behält sich dennoch juristische Schritte vor.

Rückblick: Die Karriere von Marco Russ, die jetzt womöglich vor einem plötzlichen und bedrückenden Ende steht, begann in seiner Heimatstadt Hanau. Marco begafnn mit vier Jahren beim VfB 06 Großauheim in der Pampersliga. Nur sieben Jahre später, im Jahr 1996, klopfte die Eintracht bei Russ an, und er kickte in den folgenden Jahren für alle Jugendmannschaften der Frankfurter, bevor er 2004 in den Profikader berufen wurde.

Von einem anderthalbjährigen Abstecher nach Wolfsburg zwischen 2011 und 2013 abgesehen, trug Russ in mittlerweile 286 Bundesligaspielen immer den Adler auf der Brust.

Im Jahr 2012 hatte der Innenverteidiger eine kuriose Idee: Weil seine Frau kroatische Staatsbürgerin ist, wollte sich Russ einen kroatischen Pass besorgen und für die Nationalmannschaft spielen. Das Vorhaben scheiterte allerdings, weil er nicht eingebürgert werden konnte.

Schlagzeilen gab es zudem über einen weiteren Fall, der sich außerhalb der Fußballstadien abspielte. 160 000 Euro kostete Marco Russ eine falsche eidesstattliche Erklärung im Zusammenhang mit einem Verkehrsdelikt.

Auch privat hat Marco Russ schon glücklichere Zeiten erlebt. Im Januar trennten sich der Fußballer und seine Frau Janina, mit der er eine dreijährige Tochter und einen fünfjährigen Sohn hat. (mit dpa)

Hintergrund: Das humane Choriongonadotropin

Das humane Choriongonadotropin (HCG) ist ein Peptithormon, welches bei Frauen in der Schwangerschaft gebildet wird und für den Schwangerschaftstest (mittels Urin) einen wichtiger Marker darstellt. Außerhalb der Schwangerschaft und bei Männern deuten erhöhte HCG-Werte auf einen Tumor hin. Bei Männern sorgt HCG für eine erhöhte oder wieder angeregte Testosteronbildung und kann auch als Dopingmittel verwendet werden.

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