1002.09.1002.09.10|Kassel Huskies|10 Kommentare
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Kassel. Auf dem Eis scheint die Welt auf den ersten Blick noch in Ordnung zu sein. Kufen kratzen übers glatte Nass, wie Peitschenschläge knallen die Schüsse der Kellen durch die Eissporthalle, immer wieder mischen sich Zurufe der Spieler dazu.

© HNA
Die Reihen haben sich gelichtet: Die Spielerbank in der Kasseler Eissporthalle wird immer leerer. Gestern nahm hier noch einmal Verteidiger Chris Schmidt Platz.
Doch der zweite Blick zeigt: Der Eindruck aus dem Training täuscht. In Ordnung ist bei diesen Kassel Huskies nach dem endgültigen DEL-Aus höchstens ihre körperliche Verfassung. Wer genau nachzählt, merkt, dass längst keine 23 Spieler mehr da sind. Zwölf, vielleicht vierzehn, die noch keinen neuen Klub gefunden haben, sind es am Mittag, die ein lockeres Spiel absolvieren. Joey Mormina ist nicht mehr dabei. Der Verteidiger folgt Pierre-Luc Sleigher nach Österreich zu Red Bull Salzburg.
Fit halten, in Form bleiben, lautet die Devise. Und zumindest irgendwas tun, in einer Zeit, in der sie alle zum Nichtstun und Warten verdammt sind. Warten auf Angebote anderer Klubs, warten darauf, ob es doch noch eine Zukunft in der zweiten Liga gibt. Die Sprachlosigkeit versucht Trainer Dean Fedorchuk in Worte zu kleiden: „Es ist alles so unwirklich.“ Unwirklich, weil ein Team auseinanderbricht, das sich nach Auskunft von Coach und Spielern in den vergangenen Wochen gefunden hat, in dem die Mischung stimmte. „Das war eine richtig gute Truppe. Ich hätte mich gefreut, diese Mannschaft in der DEL zu sehen. Wir haben zu einhundert Prozent gedacht, dass wir dort spielen werden“, sagt Chris Schmidt.
Der 34-jährige Nationalverteidiger hat viel gesehen, viel erlebt. Nur so etwas wie im Fall Kassel nicht. Er will niemandem die Schuld zuweisen, gesteht aber: „Es ist im Moment schon schwer, die gute Laune zu behalten. Trotzdem muss ich sagen: Es gibt Jungs, die sind in Afghanistan, andere, die Krebs haben. Die haben es schwerer als wir.“ Eigentlich sollte seine Frau Julie mit den gemeinsamen beiden Kindern ihrem Mann schon bald nach Deutschland folgen. „Nun ist es für uns natürlich einfacher, dass sie noch nicht hier ist. Auch wenn ich sie als Unterstützung schon gern hier hätte“, gesteht Schmidt. Nun bleibt sie vorerst bei ihrer eigenen Familie in Boston, er in Deutschland. Auch wenn er auf der Suche nach einem neuem Klub möglicherweise einige Wochen pausieren muss. „In der DEL ist derzeit vieles voll.“
Christoph Melischko hat Kassel bereits verlassen. Mit gepackten Koffern kehrte er erst einmal in die Heimat nach Garmisch-Partenkirchen zurück, gemeinsam mit seiner Verlobten Simone-Julia. Die war ihm gerade erst nach Kassel gefolgt, hatte hier Arbeit in Aussicht. Vorstellungsgespräche musste sie kurzfristig wieder absagen.
„Es ist schade, um die gute Arbeit, die hier geleistet worden ist“, sagt Melischko, fand aber auch deutliche Worte zu den Prozessen der vergangenen Wochen: „Der Konfrontationskurs war nicht richtig. Da hätte es sicherlich andere Wege gegeben.“ Doch all das wird Gegenstand für Spekulationen bleiben. Fest steht derzeit eigentlich nur: Am Freitagabend startet die DEL in die neue Spielzeit. Und was machen zwei, die eigentlich für Kassel auf dem Eis stehen wollten? „Ich werde garantiert kein Eishockey schauen“, sagt Melischko. „Ich steige um auf Fußball, Deutschland spielt ja gegen Belgien“, erzählt Schmidt und grinst. Das Lachen hat er nicht verlernt.
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