Nach der Aufbruchstimmung kam das Chaos: Für einen Fan der Kassel Huskies ist es kein schönes Frühjahr. Am Donnerstag trifft sich die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) erneut in Köln, um über die Lizenzen für die kommende Saison zu entscheiden.
Insolvenzverfahren, Streit mit der Deutschen Eishockey-Liga, drohender Lizenzentzug, Formfehler – das sind die Schlagworte der Stunde. Wir haben mit einem langjährigen Anhänger gesprochen.
Herr Mathias, macht Ihnen Eishockey überhaupt noch Spaß?
Walter Mathias: Ich betrachte alles mittlerweile sehr nüchtern. Man muss immer beide Seiten sehen. Auf der einen Seite steht ein möglicher Ausschluss, so wie es die Statuten der Liga vorgeben. Auf der anderen Seite steht eine Liga, die extrem reformierungsbedürftig ist.
Und da stecken die Huskies mittendrin. Wie erleben Sie die Situation?
Mathias: Ich bin hin- und hergerissen. Immer wieder gibt’s Hoffnung, dann folgen Störfeuer. Wir Fans wollen endlich einmal Klarheit haben. Selbst, wenn es ein Ende mit Schrecken sein sollte. Denn selbst das wäre besser als dieser Schrecken ohne Ende.
Ein Ende mit Schrecken könnte im schlimmsten Fall den Absturz in die Regionalliga bedeuten. Wäre das ein Grund für Sie, sich vom Klub zu verabschieden?
Mathias: Auf keinen Fall. Das ist bei uns wie in einer Ehe. Da gibt’s Höhen und Tiefen, da gilt das Prinzip: in guten wie in schlechten Zeiten. Und Situationen wie diese sind ja nicht neu für uns als Fans. Unsere Schmerzgrenze ist sehr hoch.
Wie ist denn die Stimmung unter den Fans?
Mathias: Die Lager sind geteilt. Es gibt viele Anhänger, die sagen, wir sind Eishockey-Fans und bleiben dabei. Es gibt aber auch andere, die sagen, auf Regionalliga-Eishockey haben wir keine Lust.
Glauben Sie denn daran, dass nächstes Jahr DEL-Eishockey in Kassel gespielt wird?
Mathias: Natürlich hoffen wir es von ganzem Herzen. Da hängt so viel für unsere ganze Region dran. Denn ohne DEL gibt’s ja auch keine Multihalle. Wenn die DEL Niveau hat, dann bleibt Kassel drin und München kommt dazu. Dann sollte ein Jahr mit 16 Teams gespielt werden und die DEL in dieser Zeit komplett reformiert werden. Es wäre ein Unding, wenn ein Verein, der neue Investoren hat und langfristig Perspektive bietet, für die schlechte Führung der verganenen Jahre bestraft würde.
Sie sprechen es an: Rainer Lippe.
Zur Person:
Walter Mathias ist seit mittlerweile Vorsitzender der Nordhessenarena, einem Fanklub der Kassel Huskies. Seit seinem 14. Lebensjahr ist der heute 48-
Mathias: Da hat sich in den vergangenen Wochen ein absoluter Negativ-Trend bemerkbar gemacht, es gibt ganz großen Frust. Das Bild vom Retter Lippe, von „unserem Rainer“, hat sich völlig gewandelt. Viele machen ihn für die Krise verantwortlich, auch ich sehe das so.
Sie waren auch bei der WM in Köln dabei. Wie reagieren andere Fans auf Sie als Huskies-Fan?
Mathias: Die meisten sehen weniger den Fall Kassel als den Imageverlust für die gesamte Liga. Ein Image, das ohnehin nicht gerade das beste ist, wird aus Sicht vieler Eishockey-Fans so noch weiter geschädigt. Viele sagen aber auch: Kassel muss raus. Nun steht die zweite Gesellschafterversammlung an.
Welche Schlagzeile würden Sie gern am Freitag in der Zeitung lesen?
Mathias: Da brauche ich gar nicht lange zu überlegen: „Huskies weiter in der DEL“ und „Baubeginn für die Multihalle im März 2011“.
Von Michaela Streuff

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
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