4726.08.1026.08.10|Kassel Huskies|86 Kommentare
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Köln/Kassel. Es hätte so einfach sein können. Das Kölner Oberlandesgericht hatte sich im Vorfeld des Huskies-Prozesses Gedanken gemacht, wie man die Kuh vom Eis bekommen konnte.
Der Kompromiss, den das Gericht vorschlug, hatte mehrere Vorteile: Er war kurz, verständlich, einleuchtend, und vor allem: Die Huskies konnten damit leben. Erstens, so das Gericht, sollten die Huskies in dieser Saison spielen. Zweitens würden sie noch einmal eine Lizenzgebühr (rund 800.000 Euro) nach einem Jahr an die DEL zahlen. Und drittens wären damit alle Prozesse vor den Gerichten erledigt. Die Kassler stimmten sofort zu, die DEL aber nicht. Denn nicht nur ihr stellvertretender Aufsichtsratsboss Wilfried Fabel, der die Verhandlung verfolgte und seiner Tochter (die als Rechtsanwältin neben anderen die DEL vertrat) Ratschläge gab, fürchtete vor allem eines wie der Teufel das Weihwasser: Nämlich die Unterstellung, dass sich die DEL kaufen und einen bankrotten Verein gegen Barkasse mitspielen lasse.
Und so präsentierte die DEL auch einen eigenen Vorschlag: Die Huskies sollten ihre Schulden bei Berufsgenossenschaft, Finanzamt und Krankenkassen (rund zwei Millionen Euro) zu 100 Prozent zahlen und für den laufenden Etat eine Bankbürgschaft herbeibringen - schon könnten sie auf Puckjagd gehen. Wer das alles berappen sollte, auch das wusste die DEL: Dennis Rossing, der Huskies-Eigner.
Doch Geschäftsführer Dr. Fritz Westhelle winkte ab: "Das kann er nicht." Da wunderte sich Wilfried Fabel: "Der Herr Rossing will mit der Halle in Kassel ein 80-Millionen-Projekt hinstellen, vermietet das alles an die Stadt und bei einer Rendite von fünf Prozent macht er vier Millionen Euro im Jahr. Und da kann er die Schulden nicht bezahlen?"
Daran änderte auch nichts der heilige Nikolaus, der von der Gerichtswand in den Saal blickte. Aber der Nikolaus ist ja auch der Schutzpatron der Seefahrer, und nicht der Eishockeyspieler. Vor dem Kölner Oberlandesgericht werden auch alle Unfälle auf dem Rhein verhandelt.
Von Frank Thonicke
Gernot Tripcke: "Wir konnten nicht anders. Wir halten seit 13, 14 Jahre an den Grundfesten der DEL fest, da konnten wir für Kassel keine Ausnahme machen. Wir mussten Schaden von der Liga abwenden. Es ist schade um den Standort Kassel und die Fans. Ich betone noch einmal, es ging uns nicht darum, die Huskies loszuwerden, sondern es ging um die Gleichbehandlung aller Vereine. Die Huskies hätten ja auch in der zweiten Liga spielen können. Aber das wollten sie nicht."
Wilfried Fabel, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der DEL: "Ich bedaure, dass es soweit gekommen ist. Mir tun vor allem die Fans in Kassel leid, aber wir brauchten in der Liga Rechtsssicherheit. Kassel hätte sich einfach sanieren können wie andere Vereine auch, indem sie Gelder von Sponsoren aufgetrieben hätten und ihre Schulden bezahlten. Ich hoffe, dass es in Kassel noch Leute gibt, die die Karre aus dem Dreck ziehen können."
Fabian Dahlem, Sportdirektor der Huskies: "Ich habe das der Mannschaft gerade mitgeteilt. Die gehen jetzt trotzdem bei dem Turnier auf das Eis. Das sind gute Jungs. Wie es mit den Spielern weitergeht, werden wir bald sagen."
Frank-Ludwig Danko, Inolvenzverwalter der Huskies: "Ich werde die neue Situation sofort dem Amtsgericht mitteilen. Wie es mit der Insolvenz dann weitergeht, werden wir sehen. Ansonsten ist das eine Katastrophe für Kassel und die Region."
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